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Grimmen Praktika können der Schlüssel sein
Vorpommern Grimmen Praktika können der Schlüssel sein
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07:39 22.04.2013
Susan Altmann absolviert ein Praktikum in der Stadtb�ckerei Stralsund und hofft auf einen Ausbildungsplatz. Quelle: Fotos: Christine Drabsch

Tobias Anklam (16) sitzt neben Volker Sokolowski, Vorarbeiter bei der Heizungs- und Sanitärfirma Grönhagen auf dem Boden im ersten Stock des künftigen Wohn- und Geschäftshauses Quartier 17 in der Stralsunder Heilgeiststraße. Der Junge hilft, eine Heizleitung in passgerechte Abschnitte zu schneiden. Tobias ist Schüler an der Förderschule in Grimmen und absolviert bei Grönhagen ein Praktikum. Am vorigen Donnerstag war sein letzter Praktikumstag. „Mir gefällt die Arbeit“, sagt der Schüler. Er könne sich vorstellen, hier später auch zu lernen. Ein paar Straßen weiter steht Susan Altmann (16) in der Stadtbäckerei hinter dem Ladentisch. Hübsch hat sie sich gemacht, aber das Mädchen ist noch ein bisschen zögerlich im Umgang mit der Kundschaft.

Auch sie besucht die Förderschule und erprobt sich im Praktikum.

Zwei Förderschüler, die Glück hatten und sich in der Praxis beweisen können. Doch Förderschüler haben bisher immer noch weniger Chancen als andere, in einen Beruf einzusteigen. Nicht selten heißt die Alternative Hartz IV. Das sehen auch Heike Möller, stellvertretende Leiterin der Grimmener Förderschule, und Lehrer Detlev Grabbert so. Sie wollen das ändern. Deshalb besuchten sie am vorigen Donnerstag erneut die Kreishandwerkerschaft Rügen, Stralsund, Nordvorpommern, um einen ihrer Mitarbeiter zu einer Beratung am 27. April in der Förderschule einzuladen. Dort geht es um Berufsabschlüsse, um Fragen der beruflichen Zukunft für die Förderschüler. „Wir wollen wissen, was muss die Schule leisten? Wie sollen wir unsere Schüler vorbereiten, damit sie für das Handwerk interessant werden“, sagte Heike Möller, an Petra Kampe von der Kreishandwerkerschaft gewandt. Petra Kampe erwiderte, es sei natürlich einfacher, an einen Handwerksbetrieb über ein Praktikum heranzukommen, weil der Arbeitgeber dann seinen Schützling beobachten und seine Fähigkeiten besser enschätzen kann. Allerdings werde auch auf gutes Mathe- und Physikwissen Wert gelegt, die Schüler sollten darin wenigstens die Note 3 haben. Kampe stellte fest, dass in den Praktika der Förderschüler viel Potenzial liegt. Sie erinnerte daran, dass das Projekt Leuchtturm des Regionalen Übergangsmanagements (RÜM), das den Übergang Jugendlicher von der Schule zum Beruf zum Inhalt hatte, im September 2013 ausläuft. Dieses Projekt wurde vom Bundesministerium und dem Europäischen Sozialfonds gefördert. Die Vermittlung von Praktikumsplätzen sei auch künftig sicher kein Problem, betonte sie, doch unklar sei noch die Beförderung der Schüler. Nach Heike Möllers Worten sollen im kommenden Schuljahr die 8. Klassen, etwa 25 Schüler, wieder an Praktika teilnehmen. Diesmal, so wünscht sie sich, aber im Block — eine Woche im Herbst, 14 Tage im Frühjahr — und nicht wie bisher immer donnerstags.

Detlev Grabbert berichtete, dass er bisher drei 9 BR (Berufsreife)-Klassen an der Grimmener Förderschule geleitet hat und dass nun drei seiner Schüler einen Lehrvertrag bekommen werden, ein Mädchen ein ökologisiches Jahr absolviert, bevor sie eine Ausbildung zur Pferdewirtin beginnt und eine Schülerin in einer Bäckerei auf Probe arbeitet. Außerdem werde sich ein Schüler ein Jahr als Maler beweisen, darüber hinaus liefen noch sechs Bewerbungen als Lagerist, Tierpfleger, Dachdecker und Verkäufer im Einzelhandel. Das sei doch erfreulich.

Partner der Förderschule ist seit langem auch der Berufsbildungsverein Tribsees. Dessen Werkstattbereich im Heidebrinkger Weg in Grimmen ist von Förderschülern schon genutzt worden. Auch ihren Geschäftsführer Jörg-Ulrich Leesch fragte Heike Möller, wo die Förderschule ihr Lehrkonzept möglicherweise entrümpeln sollte. „Was sollen wir anders machen?“, fragte sie. Leesch meint, die Absolventen der 9 BR-Klassen könnten direkt in den Betrieben anfangen. Das Problem sehe er aber darin, ob die Schüler mit dem Wechsel von der Schule in die Firma immer so gut zurechtkommen. Die Schule sei ein geschützter Bereich, sagt er, und in der Firma herrsche Leistunsgsdruck. Seiner Erfahrung nach entgeht mancher Schüler diesem Stress damit, dass er am Arbeitsplatz zu fehlen beginnt.

Sein Verein versuche nun, das Durchhaltevermögen der Jugendlichen zu trainieren. Deshalb plädiere er, zumindest für die noch nicht berufsreifen schüler, ein zusätzliches Schuljahr dazwischen zu schieben. Dann würde in der Schule und in den Werkstätten eine Ausbildung stattfinden. Das wäre seiner Meinung nach eine Möglichkeit, die berufliche Qualifikation und die schulische Ausbildung zu verquicken, so dass die Förderschüler mit einem Einstieg in die berufliche Ausbildung rechnen könnten. Der Verein könnte dafür seine Fachwerkstätten stellen. Das Neue an der Idee wäre die Verbindung der Schule mit einer außerschulischen Bildungsstätte.

Wir wollen wissen: Was müssen wir anders machen?“Heike Möller,

Förderschule Grimmen

Christine Drabsch

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