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Grimmen Prora-Ausverkauf: Bangen um die Vereine
Vorpommern Grimmen Prora-Ausverkauf: Bangen um die Vereine
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00:05 06.04.2016
Blick auf Block 5 des denkmalgeschützten Komplexes Prora. Der Landkreis will das Objekt verkaufen. Quelle: Stefan Sauer/dpa

Gemischte Gefühle zum Auftakt der Debatte um einen möglichen Verkauf von Block 5 in Prora: Der Wirtschaftsausschuss des Landkreises Vorpommern-Rügen hat am Montagabend in Stralsund zwar befürwortet, der Kreisverwaltung das Mandat zu erteilen, Verkaufsverhandlungen aufzunehmen. Gleichzeitig meldeten einige Politiker Bedenken an, ob die Interessen der ansässigen Vereine ausreichend berücksichtigt werden. Zu den Zweiflern gehört Kreistagsmitglied Frank Kracht (Linke). „Ich glaube nicht, dass Investoren auf die Belange der Vereine ausreichend eingehen werden“, sagte er.

Der Wirtschaftsausschuss ist das erste von mehreren Gremien, die sich in dieser Woche zu dem Thema beraten. Am 2. Mai muss der Kreistag eine Entscheidung treffen.

Der Landkreis will den unsanierten Teil von Block 5 in Prora verkaufen. Im wiederhergestellten Teil dieses Blocks befindet sich die Jugendherberge. Die ist — im Gegenzug für die Nutzung der Immobilie — eigentlich vertraglich zur Verkehrssicherung der benachbarten Ruine verpflichtet, kann diese Aufgabe finanziell allerdings nicht stemmen. Weil auch der Landkreis als Eigentümer die Mittel dafür nicht aufbringen kann und will, soll der unsanierte Teil des Objekts nun verkauft werden.

Der Verein Prora-Zentrum, der Ausstellungen, Rundgänge und Workshops über die NS- und DDR-Geschichte anbietet, musste bereits im Januar Block 5 wegen der Baufälligkeit verlassen und ist jetzt im Gebäude an der Schranke zur Jugendherberge untergebracht. Bisher gab es die Idee, im noch unsanierten Liegehallenbereich neben der Jugendherberge eine Bildungs- und Begegungsstätte zu etablieren, in die sowohl das Prora-Zentrum als auch das Dokumentationszentrum Prora aus Block 3 einziehen könnten. Linken-Politiker Kracht befürchtet nun, dass dies in weitere Ferne rückt, wenn Block 5 erst mal verkauft wurde.

Manfred Gerth, Beigeordneter des Landrats, betonte hingegen im Wirtschaftsausschuss, dass die Interessen der Vereine bei den Verkaufsverhandlungen eine große Rolle spielen werden. „Ich gehe davon aus, dass die Investoren sich mit ihren Angeboten an die Vereine überbieten werden, um den Zuschlag zu bekommen“, sagte er. Gerth stellte aber gleichzeitig unmissverständlich klar, dass der Landkreis das Projekt Bildungsstätte auf keinen Fall selbst angehen werde. „Das passiert nur, wenn es die einzige Möglichkeit ist, die Welt zu retten und es außerdem nichts kostet“, sagte er. Einer Machbarkeitsstudie von 2012 zufolge würde ein Umbau des Gebäudeteils zu einem Bildungszentrum rund fünf Millionen Euro kosten. Frank Kracht hingegen betonte, dass es wesentlich bessere Aussichten zur Förderung eines solchen Projekts gäbe, wenn sich das Grundstück in öffentlichem Besitz befindet.

Laut Gerth haben bereits mehrere Investoren Interesse an Block 5 bekundet. Zum Zeitpunkt des Verkaufs und zu Preisen konnte er noch keine Angaben machen. Durch die Sanierung der Blöcke 1 bis 4 durch Privatinvestoren schossen die Immobilienpreise in den vergangenen Jahren deutlich nach oben. Der Landkreis hatte Block 5 im Jahr 2006 zum Preis von einem Euro erworben.

Von Alexander Müller

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