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Pütnitzer Ostblocktreffen bricht Rekorde

Pütnitz Pütnitzer Ostblocktreffen bricht Rekorde

5000 Aktive präsentierten auf ehemaligem Militärflugplatz ihre historische Gefährte/ Vom Moped bis zum Flugzeug war alles dabei

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Auf der sogenannten „Spielwiese“ mit den tiefen Schlammlöchern durften sich die Fahrer von Geländewagen und Traktoren nach Herzenslust austoben.

Quelle: Fotos: Carolin Riemer

Pütnitz. Der Pütnitz-Virus hat am Wochenende zum 15. Mal zugeschlagen! Die Symptome: Liebe zu alter Technik, keine Angst vor Matsch, Lärm, Benzingeruch und Geschwindigkeit, dazu eine leichte Prise Verrücktheit. Das Ostblock-Fahrzeugtreffen hatte nie mehr aktive Teilnehmer und Zuschauer als in diesem Jahr. 5000 Aktive und tausende Zuschauer sahen, erlebten und fuhren mehr als 2000 alte -hauptsächlich russische - Fahrzeuge auf dem einstigen Militärgelände.

Wer einmal hier war, der kommt immer wieder.“Rainer Bartusch (55)

Da zerlegt eine junge Frau mit einem Panzer ihren eigenen Fiat Uno, und auf der sogenannten „Spielwiese“ mit tiefen Schlammlöchern toben sich Fahrer von Geländewagen und Traktoren aus. Mehrere von ihnen bleiben im Modder stecken und müssen mit schwerer Technik befreit werden. Genau das wollen die Teilnehmer des Ostblocktreffens: Fahren bis der Matsch fliegt, eine Spielweise für Männer und Frauen.

Der Satz: „Eine Panzerfahrt, bitte“ wirkt hier nicht ungewöhnlich. Auch Benny Schubert aus Thüringen hat ihn ausgesprochen und dafür ein paar laute und holperige Minuten erlebt. „Es ist laut, stinkt, poltert - und cool.“ So das Fazit des 29-Jährigen, als er aus dem Panzer steigt. Lange Schlangen haben sich vor dem Stand gebildet, an dem die Karten für die Panzerfahrt verkauft werden. Der russische BMP-Schützenpanzer, Baujahr 1968 mit 280 Pferdestärken, kommt nicht zur Ruhe. Immer wieder bricht er zu Fahrten auf der Geländestrecke auf.

An das Lenkrad eines Gelände-Lkw dürfen die Besucher sogar selbst. Annette Olbrich und Heiko Awe aus Ribnitz sehen zu, wie sich die Räder durch den Matsch wühlen. „Vielleicht fahre ich nachher selbst, Lust hätte ich.“ Die beiden freuen sich das ganze Jahr auf die außergewöhnliche Veranstaltung.

Genau wie Rainer Bartusch aus Barnin. Der 55-Jährige lädt zu Fahrten mit seinem „Luaz“, einem Verwundetentransporter, ein. Dass der auch schwimmen kann, verrät er seinen Fahrgästen allerdings nicht, sondern steuert direkt auf den Bodden zu. Er lacht, als das Fahrzeug in das Wasser kracht. Dreimal im Jahr kommt er nach Pütnitz. „Wer einmal hier war, der kommt immer wieder.“ Auf der Geländebahn schaukelt es. Bartusch hat das Fahrzeug jedoch trotz tiefer Löcher im Griff. „Hier sind alle etwas verrückt, das ist ja eben das Schöne“, sagt er. Hier ein altes Regierungsfahrzeug aus DDR-Zeiten, da ein heutzutage extrem seltener Wartburg Melkus, überall Fahrzeuge und Menschen, über die Autoren gern Bücher schreiben würden. „Das einzige Sportauto der DDR mit Straßenzulassung, extrem selten“, sagt Frank Müller-Meinke über den Wartburg Melkus. Müller-Meinke ist der Vorsitzende des Technikvereins Pütnitz. Seine 41 Mitstreiter sowie 200 Helfer sorgen für einen reibungslosen Ablauf des Ostblock-Fahrzeugtreffens.

„Von Jahr zu Jahr werden es mehr Teilnehmer“, erzählt er weiter. „So viele große Lkw gab es beispielsweise noch nie zu sehen.“ Fürs Dabeisein verzichten die Teilnehmer gern mal für paar Tage auf Luxus. „Wir waschen uns im Bodden und benutzen Dixie-Toiletten. Da darf man nicht pingelig sein“, erzählt Michael Jörn (48).

Etwa 40 junge, matschbeschmierte Männer sind aus Wirow in der Nähe von Neustrelitz angereist. Mit ihren Geländewagen suchen sie die Herausforderung in Form der Schlammlöcher. „Wir kommen immer wieder. Seit zwölf Jahren schon“, sagt Sven Kirchhoff (38). Am Morgen essen die etwa 5000 Technikfreaks gemeinsam in einer der Flugzeughallen Früstück- ein Riesen -Büffet. „Super organisiert“, findet Zuschauer Ronald Becker (51), Maschinist aus Breesewitz. Von der wohl weitesten Anreise berichtet Müller-Meinke: „Ein Mann aus Moskau. Er kam mit Motorrad und Beiwagen. Zwei Wochen brauchte er für die Anreise nach Pütnitz.“ Es gibt eben kein Halten mehr, wenn der Pütnitz-Virus zugeschlagen hat.

Carolin Riemer

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