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Rathaus: Fassadensanierung verzögert sich

Stralsund Rathaus: Fassadensanierung verzögert sich

Hersteller für Formsteine ist pleite / Rathausfront wird während der Arbeiten mit einer Fotoplane verhüllt

Stralsund. Die dringende Sanierung der Fassade des Stralsunder Rathauses startet erst knapp ein Jahr später als geplant. Grund dafür ist nach Angaben der Stadtverwaltung die Insolvenz eines Herstellers für die speziell geformten Steine, die die berühmte Backsteinfassade prägen. Ursprünglich sollten die Arbeiten an dem mehr als 700 Jahre alten Gemäuer im Sommer starten.

Nun müsse ein neuer Anbieter für die Formsteine gefunden werden, sagt der Sprecher der Stadtverwaltung, Peter Koslik. Vier Monate soll die Bauphase dauern.

Die Komplettsanierung der Fassade ist notwendig, weil Salzauslagerungen an der Oberfläche der Klinker sowie Risse in den Fugen und Schäden an den Formsteinen das Wahrzeichen bedrohen. Die Kosten werden auf knapp 600000 Euro geschätzt. Während der Baumaßnahmen soll das dann eingerüstete Gebäude mit einer großen Plane verhüllt werden, auf der das Rathaus als Foto zu sehen ist. Nach der Pleite des Steinherstellers war die Stadt gezwungen, ihre lange vorbereiteten Sanierungspläne zu ändern. Koslik: „Sonst hätte keine Garantie mehr dafür bestanden, dass die geforderte Anzahl an Steinen kontinuierlich zur Verfügung steht.“ Eine damit verbundene Bauzeitverzögerung hätte erhebliche finanzielle Auswirkungen gehabt. „Da erst im Verlauf der Sanierung die tatsächlich benötigte Anzahl der Steine festgestellt werden kann“, betont der Sprecher. Auch nicht sichtbare Bereiche hinter den Fassadensteinen müssten ausgetauscht werden. Wie hoch die Schäden unter den Klinkern sind, können die Experten nur grob abschätzen. Deshalb sei das Risiko hoch gewesen, dass die Arbeiter mehr Steine brauchen als die Pleitefirma liefern kann.

Die Steine sind eine Spezialanfertigung, die besondere Abmaße und Eigenschaften haben. „Eine Untersuchung der Fassade unter anderem durch Bauphysiker führte zur Bestimmung der Eigenschaften, welche die künftig verwendeten Steine aufweisen müssen“, erklärt Koslik. Die historischen Steine würden nun in Probeversuchen so gut wie möglich kopiert, bis sie alle Anforderungen erfüllen. Dann werden sie in der Manufaktur in Serie hergestellt. Die Schaufassade soll an der Vorder- sowie an der Rückseite saniert werden und ist dazu mehrfach von Experten untersucht worden. Im Sommer 2015 waren Teile der Fassade bereits eingerüstet , damit die Gutachter an die entsprechenden Stellen herankamen. Im März ist die Vorderseite des Gebäudes erneut untersucht worden – diesmal per Drohne. Der Mini-Helikopter war mit einer hochauflösenden Kamera ausgestattet, die bei jedem Flug dutzende Bilder von der Fassade schoss. Die Bilder sind später am Computer zu einem fotorealistischen und enorm detailreichen 3D-Modell zusammengesetzt worden. Benjamin Fischer

OZ

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