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Grimmen Rundgang übern Wochenmarkt
Vorpommern Grimmen Rundgang übern Wochenmarkt
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04:34 13.09.2013
Bad in der Menge: Vor einigen Tagen schlenderte Angela Merkel über den Freitagsmarkt in Grimmen, kam mit vielen der Besucher ins Gespräch. Und betont: „Hier in Grimmen kann ich ja noch reden, wie mir der Schnabel gewachsen ist.“ Quelle: Raik Mielke
Grimmen

Aufgeregt steht Sebastian vor dem Dorfhaus in Hohenwieden. Gleich kommt Angela Merkel. Und weil sie der SOS-Dorfgemeinschaft mal ein Fahrrad spendiert hatte, möchte Sebastian der Kanzlerin zeigen, dass der Drahtesel bei der Dorfgemeinschaft in Ehren gehalten wird. Da kommt sie schon, mit großem Tross. Eigentlich ist der Rundgang in Hohenwieden protokollarisch streng durchgetaktet. Aber Angela Merkel macht prompt einen Schwenk nach links, erzählt mit Sebastian übers Dorf und den Alltag hier. Und bewundert das Rad. Das Kanzlerrad, wie sie es in Hohenwieden nennen.

Es gibt viele solcher Geschichten. In den vergangenen mehr als zwei Jahrzehnten ist Angela Merkel oft in der Region unterwegs gewesen. In ihrem Wahlkreis. Das war schon Ende 1990 so, als sich die studierte Physikerin im damaligen Bundestagswahlkampf beispielsweise das Forschungszentrum Abtshagen anschaute. In den Jahren danach gab es viele Anlässe. Ob es der Neubau des Grimmener Gymnasiums war, die Einweihung der Autobahn — oder auch mal, im Februar 2010 — die Zeugnisausgabe an die 3a in der Grimmener Wander-Schule.

Ein Termin, den sie nicht auslässt, ist der Neujahrsempfang des Landkreises. Früher war das Nordvorpommern, jetzt ist es der Kreis Vorpommern-Rügen. Der Ort ist geblieben — gefeiert wird alljährlich im Januar in Trinwillershagen. Einer, der sie dort schon mehrfach erlebt hat, ist Udo Mau. Der Neuendorfer, Landwirt und Gemeindevertretervorsteher in Süderholz, schätzt Angela Merkel als sehr volksnah. „Sie kann sehr gut zuhören“, meint Udo Mau, „egal, um welches Thema es geht, ob Landwirtschaft oder Kommunalpolitik.“ „Sie ist sehr umgänglich und nett, kennt hier viele Leute. Sie mischt sich unters Volk und ist normal geblieben“, beschreibt Cordula Streich, Leiterin im Grimmener Sky-Markt, was ihr zu Angela Merkel einfällt.

Bastian Lusga, Mitglied der Grimmener Band Hinz & Kunst, hat die Kanzlerin letztens bei einem Besuch erlebt: „Also, gut finde ich, dass sie den Wahlkampf in ihren Reden außen vorlässt, wenn es keine Wahlveranstaltungen sind. Zudem nutzt sie die Veranstaltungen nicht als Plattform für sich selbst, sondern für die Sache, um die es geht. Ich finde es gut, dass sie öfters unsere Gegend besucht, aber in gewissem Maße ist sie ja auch dazu gezwungen, in ihrem Wahlkreis präsent zu sein.Wir hatten als Band kurz Kontakt zu ihr, weil wir die Kanzlerin um ein Foto gebeten hatten. Als sie dann direkt neben uns stand, war das schon ein positiv gemischtes Gefühl, teils beeindruckt, teils aber auch auf eine Art unwirklich. Man vergisst zu schnell, dass es eine ganz normale Person ist.“

Wolfgang Schmidt, Pfarrer in der Grimmener Mariengemeinde, hatte die Kanzlerin eingeladen, einen Vortrag in der Marienkirche zu halten. Was dann auch geschah. „Sehr unkompliziert“, hat Wolfgang Schmidt Angela Merkel erlebt. Über die Jahre sei mit dem Wahlkreis wohl auch eine Vertrautheit entstanden, vermutet der Pfarrer: „Für sie ist es wohl auch ein Stück Nach-Hause-kommen.“ Angela Merkel selbst hält die Besuche in ihrer „politischen Heimat“ für sehr wichtig. „Ich erfahre direkt, wie die Politik bei den Menschen ankommt, und erhalte Impulse und Ideen, die in meine politische Arbeit in Berlin einfließen.“ Denn die Menschen in Vorpommern nähmen „kein Blatt vor den Mund“.

Letztens galt das für Grimmens Wochenmarkt. Dort schlenderte Angela Merkel durchs Zentrum der Trebelstadt. Nahm sich Zeit für Gespräche mit den Marktbesuchern, mit den Händlern. Als „liebenswerte, aufrichtige und freundliche Arbeitgeberin seit 1994“ schätzt sie Waltraut Lewing (71). Die Mitarbeiterin in ihrem Stralsunder Wahlkreisbüro beschreibt Angela Merkel als „charakterfest, gradlinig, ehrgeizig — eine, die weiß, was sie kann, aber immer bescheiden in ihrer Art bleibt.“ Ralf Drescher, Landrat Vorpommern-Rügens, betont, dass sie immer ein offenes Ohr habe. Und „dass sie uns in der Region immer geholfen hat, wenn Hilfe nötig war“, sagt der CDU-Politiker. Natürlich bläst Angela Merkel auch immer wieder Gegenwind aus der Region entgegen. Gewerkschafter Volker Schulz, DGB-Vorsitzender in Vorpommern, kritisiert den Merkel-Wahlkreis als „Billiglohn-Region. Der Tourismus ist wie eine Monokultur. Es gibt ein großes Lohngefälle. Nur 30 Prozent der Unternehmen sind tarifgebunden“.

Merkel tritt seit 1990 als Bundestagskandidatin an und hat stets das Direktmandat gewonnen. 2009 fuhr sie mit 49,3 Prozent der Stimmen ihr bislang bestes Ergebnis ein.

Direktkandidaten im Wahlkreis 15 vorgestellt: Angela Merkel (CDU)
Serie

Bundestagswahl

2013

Von der Naturwissenschaftlerin zur Bundeskanzlerin
Angela Merkel wurde am 17. Juli 1954 in Hamburg-Barmbek-Nord als erstes von drei Kindern des Theologen Horst Kasner (1926-2011) und seiner Frau Herlind geboren.


Noch im selben Jahr siedelte die Familie in die DDR über, wo der Vater eine Pfarrstelle antrat. 1957 zogen die Kasners nach Templin. Hier legte Tochter Angela auch das Abi ab — mit einem Durchschnitt von 1,0.


In Leipzig studierte Angela Merkel Physik. Bei einem Jugendaustausch traf sie ihren ersten Mann, Ulrich Merkel. Mit dem Physiker war sie bis 1982 verheiratet. An der Akademie der Wissenschaften in Berlin, wo sie auch ihren Doktor machte, lernte sie 1984 ihren Ehemann kennen. Den Quantenchemiker Joachim Sauer heiratete sie 1998.


1990 trat Angela Merkel im Bundestagswahlkreis Stralsund-Rügen-Grimmen zum ersten Mal für die CDU als Direktkandidatin an. Bei der ersten gesamtdeutschen Bundestagswahl am 2. Dezember 1990 gewann sie mit 48,5 Prozent der Erststimmen. Bundeskanzler Helmut Kohl machte „sein Mädchen“ überraschend zur Ministerin für Frauen und Jugend. Bei der Bundestagswahl am 16. Oktober 1994 erreichte sie 48,6 Prozent der Erststimmen und wurde Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (bis 1998).


Die Bundestagswahl am 27. September 1998 endete für die Union mit einem Debakel. Die Kohl-Regierung wurde abgewählt. Merkels Erststimmenanteil sank auf 37,3 Prozent.


2000 wurde sie zur CDU-Bundesvorsitzenden gewählt.


Seit dem 22. November 2005 ist Angela Merkel Bundeskanzlerin. Die Naturwissenschaftlerin war damit nicht nur die erste Frau, sondern mit 51 Jahren auch die Jüngste in diesem Amt.

Zum Wahlkreis 15 gehören der Landkreis Vorpommern-Rügen, die Stadt Greifswald und das Amt Landhagen (beides Landkreis Vorpommern-Greifswald).


Als Direktkandidaten im Wahlkreis 15 treten neben Angela Merkel noch Kerstin Kassner (Die Linke, OZ vom 1. August), Claudia Müller (Bündnis 90/Die Grünen, OZ vom 8. August), Sonja Steffen (SPD, OZ vom 15. August), Gino Leonhard (FDP, OZ vom 22. August), Michael Adomeit (parteilos, OZ vom 27. August), Susanne Wiest (Piraten, OZ vom 29. August), Jürgen Dettmann (Freie Wähler, OZ vom 3. September) und Michael Andrejewski (NPD) an.

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