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Russen forderten die Pistole heraus

Zu neuem Leben erblüht: Das Gutshaus in Stahlbrode Russen forderten die Pistole heraus

Das Haus, das heute ein Café beherbergt, hat eine reiche Geschichte / Nach dem Krieg ging es hier turbulent zu

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Das Gutshaus Stahlbrode heute. Fotos (2): Roswitha Pendzinsky

Stahlbrode. Das Stahlbroder Gutshaus macht heute einen schönen Eindruck. Logisch, es liegt inmitten des Landwerthofes Stahlbrode. Als dieser vor gut acht Jahren eröffnet wurde, gab es hier sogar noch eine Kaffeerösterei, in der feinste Bohnen aus Süd- und Mittelamerika sowie Afrika veredelt wurden.

OZ-Bild

Das Haus, das heute ein Café beherbergt, hat eine reiche Geschichte / Nach dem Krieg ging es hier turbulent zu

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Stahlbrode wurde urkundlich erstmals 1267 als Starebrode erwähnt. Im Zusammenhang mit der dortigen Fährstelle, die über den Bodden nach Rügen führte. Sechs Höfe gab es in dem kleinen Ort am Strelasund. Sie befanden sich seit dem 14. Jahrhundert im Eigentum der Stadt Greifswald und des Heiligen-Geist-Hauses. Sie waren verpachtet. 1670 wohnten dort fünf Vollbauern. Pacht zahlten sie ans Hospital oder an die Stadt.

Während der DDR gehörte das Areal zum Volkseigenen Gut (VEG) Oberhinrichshagen. Alle Gutspächterhäuser waren bewohnt. Nach 1990 wurden die Gebäude durch die Treuhandliegenschaftsgesellschaft (TLG) und die Stadt Greifswald verkauft.

Aus dem bekannten „Lange-Hof“ entwickelte sich besagter „Landwerthof“, ein Projekt, das heute Urproduktion, Verarbeitung, Hofladen, Gastronomie und einen Schulbauernhof umfasst.

Aber drehen wir die Zeit noch einmal zurück: Am Kriegsende herrschte überall die Schreckensbotschaft „Die Russen kommen“. Angst machte sich breit. Zu dieser Zeit lebte Ernst Lange mit seiner zweiten Frau Elsbeth auf dem Stahlbroder Hof. Die Familie lebte in gehobenen, gut bürgerlichen Verhältnissen. Es gab vier bis sechs feste Arbeiter, ein Hausmädchen, Stallburschen und Feldarbeiter sowie eine Hauslehrerin. Außerdem waren hier acht Polen als Fremdarbeiter beschäftigt.

Zum Kriegsende befanden sich die Töchter Annemarie mit drei Kindern und Ilse mit neun Kindern noch auf dem Hof, um in den Kriegswirren sicher zu sein. Die Männer der beiden sowie Sohn Walter waren im Kriegsdienst. Ernst Lange sagte mehrmals: „Wenn die Russen kommen, erschießen wir uns!“ Am 2. Mai 1945 fragte er Herrn Voß, ob er auch sein Leben beenden möchte. Der verneinte.. Als er jedoch am 3.

Mai ins Gutshaus zum Essen kam, war es dort gespenstisch ruhig. Er hatte eine böse Ahnung. Und als er in die Scheune ging,fand er diese bestätigt. Ihm schlug Feuer entgegen. Die Scheune brannte vollständig nieder. Ernst Lange war tot. Seine Gebeine samt Pistole wurden in einen Koffer gelegt, der anschließend im Garten vergraben wurde. Dann kam ein Russe. Er wollte die Pistole von Herrn Voß.

Daraufhin grub er die Gebeine von Ernst Lange aus. Die Pistole wurde übergeben. Voß rettete so sein eigenes Leben.

Nach zwei Jahren kehrten die Schwiegersöhne und Walter Lange unversehrt aus der Kriegsgefangenschaft auf den Hof zurück. Voller Entsetzen mussten sie die tragischen Ereignisse zur Kenntnis nehmen.

Zwei Jahre hatten sie noch versucht, auf dem Hof zu wirtschaften. Dann gingen sie in den Westen. 1950 wurde der Hof dem VEG zugeordnet.

Seit der Wende werden die landwirtschaftlichen Flächen durch den Stahlbroder Landwirt Gerald Schulz und seine Familie genutzt. „Meine Mutti hatte sich deshalb intensiv mit der Geschichte und der unterschiedlichen Nutzung des Gutshauses beschäftigt, ausgiebig recherchiert und das gesamte Material zusammengestellt“, erklärt Uta Schulz. Sie erzählt, dass das Gutshaus 1998 noch bewohnt war. 2008 wurde der „LandWerthof“ fertig. Heute befinden sich im oberen Teil des wieder hergerichteten Gutshaus Zimmer, die regelmäßig von Schulklassen genutzt werden. Sie verbringen hier Zeit auf dem Schulbauernhof. Im Erdgeschoss ist ein gemütliches Cafe´ eingerichtet, das seine Gäste mit selbstgebackenen Kuchen empfängt. Gerne werden die Räumlichkeiten auch für Familienfeiern genutzt. „Das Übernachten im historischen Gebäude kommt bei den Kindern sehr gut an“, erklärt Solveig Borges Quelle: www.gutshauser.de und   Recherche der Familie Gerald Schulz

Das Gutshaus

Der Landwerthof Stahlbrode , auf dem das Gutshaus heute steht, ist 650 Hektar groß. Der nahe Strelasund ist nur 50 Meter entfernt. Heute wird ein teil des Gutshauses als Unterkunft für den nahen Schulbauernhof genutzt. Hier verbringen oft Schulklassen interessante Tage.

Die Gebäude gehörten zu DDR-Zeiten zum volkseigenen Gut (VEG) Oberhinrichshagen. Sie wurden durch die Treuhandliegenschaftgesellschaft (TLG) und die Stadt Greifswald nach der Wende verkauft.

Bis Kriegsende war das Gut, einschließlich des Gutshauses, im Besitz der Familie Lange. Ernst Lange lebte hier mit seiner zweiten Frau Elsbeth. Ihnen ging es gut. Ihre Verhältnisse galten als gehoben.

Als sich der Einmarsch der Russen ankündigte, nahm sich Ernst Lange das Leben. das war am 3. Mai 1945. Er erschoss sich mit seiner Pistole in der Scheune und zündete diese dann an. Die Pistole musste kurze Zeit später an die Russen herausgeben worden. Samt Leichnam war sie vorher auf dem Hof des Gutes in einem Koffer vergraben worden.

Roswitha Pendzinsky

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