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Sagt der Körper mehr als das Wort?

Sagt der Körper mehr als das Wort?

Die Greifswalder Kommunikationswissenschaftlerin Martha Kuhnhenn klärt über Sprach-Mythen auf

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Kostet diese Körperhaltung Glaubwürdigkeit? Martha Kuhnhenn nimmt Vorurteile über die Kommunikation aufs Korn.

Quelle: Sybille Marx

Greifswald. Die Arme vor der Brust verschränkt; na klar, diese Körperhaltung signalisiert Ablehnung, oder? Wenn man dem gut verkauften Ratgeber „Die kalte Schulter und der warme Händedruck“ des Autorenpaars Allan und Barbara Pease glaubt, passiert auch gleich noch viel Schlimmeres: Wer so dasteht, macht sich unglaubwürdig.

Martha Kuhnhenn lacht. Die 32-Jährige arbeitet als Sprach- und Kommunikationswissenschaftlerin an der Uni Greifswald. Mythen wie diese in Frage zu stellen, macht ihr Spaß. „Es gibt so viele Ratgeber, die unwissenschaftliche, aber populäre Thesen in Umlauf bringen“, sagt sie. Zeit zum Aufräumen also!

Punkt 1: Kostet Armeverschränken wirklich Glaubwürdigkeit?

Unsinn, sagt Martha Kuhnhenn. „Wie eine Körperhaltung, Gestik oder Mimik interpretiert wird, dafür gibt es kein Patentrezept, das ist abhängig von vielen Faktoren.“ Vor allem von der Situation und der Beziehung der Sprecher zueinander. Ist es ein privater oder offizieller Kontext, in dem sie sich begegnen? Wie sind die Sprecher kulturell geprägt? Für ihre These von der sinkenden Glaubwürdigkeit führten die Autoren keine wissenschaftlichen Belege an, sie selbst seien auch gar keine Wissenschaftler, sagt Kuhnhenn. Dass „Ratgeber“ von ihnen mal auf der Spiegel-Bestseller-Liste „Sachbuch“ standen, findet sie daher fatal.

Mythos 2: Es ist egal, was wir sagen, wichtig ist, wie wir dabei aussehen.

Auch diese These streute das Autorenpaar Pease. „Höchst problematisch“, findet Kuhnhenn. „Klar kommuniziert unser Körper!“ Aber wichtig sei auch das Gesagte: der Inhalt, die Wortwahl. „Wir müssen alle Kanäle berücksichtigen“, sagt Kuhnhenn. Eine Studie aus den 60er Jahren habe mal nahegelegt, dass für die Wirkung einer Rede der Inhalt nur zu sieben Prozent ausschlaggebend sei. Diese These sei aber längst überholt. „Was allerdings stimmt, ist: Sprecher neigen dazu, den visuellen Eindruck auf andere Ebenen zu übertragen". Der sogenannte Helo-Effekt sei wissenschaftlich nachgewiesen und besage: „Wenn wir jemanden attraktiv finden, halten wir ihn auch eher für kompetent.“ Aber das gelte eben nur so lange, wie das Gesagte dem optischen Eindruck nicht widerspreche.

Nicht nur über die Körpersprache, auch über das Deutsche kursieren Mythen, die Martha Kuhnhenn nicht stehen lassen will.

Mythos 3: Unsere Sprache verfällt.

Populäre Sprachkritiker wie Bastian Sick suggerieren mit Büchern wie „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“, dass Anglizismen und Veränderungen in der deutschen Grammatik der Anfang vom Ende sind, dass unsere deutsche Sprache verfällt. „Sprache ist aber ein offenes System, das sich ständig weiterentwickelt“, sagt Martha Kuhnhenn. Im Übrigen unterscheide Sick, wenn er angebliche Entgleisungen anprangere, nicht zwischen geschriebenem und gesprochenem Deutsch. „Da gelten aber ganz unterschiedliche Regeln.“ Alles in allem ermuntert Martha Kuhnhenn deshalb dazu: „Wenn man einen Ratgeber in die Hand nimmt, sollte man immer schauen, wer die Autoren sind und ob sie für ihre Thesen wissenschaftlichen Belege anführen.“ Wenn nicht: weg damit.

Sybille Marx

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