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Schloss Divitz gibt’s nun auch im Miniformat

Divitz/Lüdershagen Schloss Divitz gibt’s nun auch im Miniformat

Die nach einem alten Druck angefertigte Spardose soll zum Erhalt beitragen / Jürgen (85) und Charlotte Lanz (83) sind die Ersten, die sie mit einer Spende gefüllt haben

Divitz/Lüdershagen. Vom Wasserschloss Divitz bei Barth gibt es jetzt einen Nachbau. Er ist sehr viel kleiner als das Original, aber stimmt bis ins Detail mit ihm überein. Für den Nachbau waren weder Firmen noch Technik erforderlich. Eine einzige Frau hat ihn in ihrer Freizeit entstehen lassen, an nur einem Abend: Dr. Bettina Klein vom Förderverein „Kulturgüter Wasserburg Divitz“. Nur ein paar Cent für Material und Klebstoff flossen in das Projekt. Das kleine Schloss Divitz besteht aus Papier und Karton. Es zeigt das große Schloss Divitz, als es noch ein Schmuckstück und nicht dem Verfall preisgegeben war. „Als Vorlage habe ich einen alten Druck der Berliner Verlagsanstalt Duncke verwendet“, sagt Bettina Klein. In das Dach hat sie einen Schlitz eingearbeitet. Exakt so groß, dass ein Geldschein hindurchpasst. „Bei dem Nachbau handelt es sich um eine Spardose“, erklärt Bettina Klein. Ein Porzellansparschwein erschien ihr zu simpel. „Das Divitzer Schloss als Spardose, das hat doch was“, findet sie. Vor allem sei dadurch gleich der Verwendungszweck erkennbar. Die Spardose solle zum Erhalt des Divitzer Schlosses beitragen.

„Dass die gebastelte Spardose in Schlossform nicht für die Sanierung des Schlosses reichen kann, sollte jedem klar sein. Sie sollte dem Förderverein aber bei den laufenden Kosten helfen“, sagt Bettina Klein. Laufende Kosten, das seien zum Beispiel die Beträge, die für die Grabenpflege durch den Wasser- und Bodenverband anfallen. „Oder die Grundsteuer. Oder die Kosten für den Steuerberater.

Oder das Porto für den Schriftverkehr“, zählt sie weiter auf. Die Spardose wird von Bettina Klein auf dem Gutshof Hessenburg verwahrt. Klein ist die Besitzerin und Retterin des Gutsensembles bei Saal. „Finden hier Veranstaltungen statt, wird die Spardose eingesetzt“, sagt Bettina Klein.

Jürgen (85) und Charlotte Lanz (83) sind die Ersten, die die Spardose gefüllt haben. Das Ehepaar aus Lüdershagen feierte gerade Diamantene Hochzeit. Und Jürgen Lanz außerdem seinen 85. Geburtstag.

Statt Geschenken hatten sie ihre Gratulanten gebeten, für das Divitzer Schloss zu spenden. Etwa 2000 Euro kamen auf diese Weise zusammen. Den Rest rundete das Ehepaar auf. Dass das Schloss verkommt, hatte Jürgen Lanz geärgert. Er kennt Schloss und Park noch aus schöneren Tagen. Der Lüdershäger war von 1973 bis 1995 Pastor in Kenz, und damit auch für Divitz zuständig. „Ich war häufig in Divitz gewesen“, sagt er. Jürgen und Charlotte Lanz liege viel an dem Schloss. „Wir möchten, dass das Wasserschloss erhalten bleibt. Für den Erhalt Gelder zusammenzukriegen, ist nicht einfach“, nennt Jürgen Lanz die Beweggründe, den Förderverein zu unterstützen.

„Noch vor dem Winter müssen wir das Schloss unbedingt notsichern“, berichtet Bettina Klein. 1,2 Millionen Euro würde allein die Notsicherung des Schlosses kosten. Von so viel Geld kann der 2013 gegründete Förderverein derzeit nur träumen. „Es hilft nichts, wir müssen unbedingt anfangen, um dem weiteren Zerfall entgegenzuwirken“, sagt Klein. Zunächst soll ein Industriekletterer die Löcher im Dach verfüllen. Dadurch soll verhindert werden, dass weiterhin Regenwasser eindringt. Die Feuchtigkeitsschäden sind bereits immens. Tragende Teile der Dachkonstruktion sind vom Schwamm befallen. Auch ein Maurer soll kommen – zunächst nur, um Kleinreparaturen auszuführen. Der Industriekletterer sollte dem Schloss eigentlich schon im Sommer aufs Dach steigen. Familiäre Gründe ließen das jedoch nicht zu. Auch das erste Sommerkonzert im Schlosshof wird der Förderverein wohl erst im nächsten oder gar übernächsten Jahr veranstalten können. „Dafür müssen erst die Vorausetzungen geschaffen werden“, erklärt Bettina Klein.

Bis zu zehn Millionen Euro sind für die Sanierung des Objektes veranschlagt. Dazu zählt auch die Rekonstruktion des Schlossparks. Im Dezember 2015 ist es dem Förderverein nach langem Hin und Her mit dem ehemaligen Eigentümer gelungen, das 700 Jahre alte Ensemble aus Haus und Park zu kaufen. Er will es retten, doch nicht selbst behalten. „Unser Ziel ist es, dass Divitz Landesschloss und damit öffentlich und gemeinnützig wird“, sagt Klein. Eine Studie zur Nutzung liegt schon vor – ein kleines Museum, Hotel und eine Sommerbühne. Der Denkmalschutzverbund Europa Nostra hat das Divitzer Wasserschloss im Dezember 2015 auf seine Liste der 14 meist gefährdeten Baudenkmäler Europas gesetzt. Der Verbund hat eine strukturierte Expertengruppe, die dem Förderverein Hilfe und Orientierung geben kann.

Detlef Lübcke

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