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Grimmen Schulweg: Zu gefährlich für Kinder?
Vorpommern Grimmen Schulweg: Zu gefährlich für Kinder?
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00:00 02.09.2016

Für Karsta Rautenberg ist klar: „Elterntaxi“ kommt nicht in Frage, ihre Kinder gehen den Weg zur Schule allein, vom ersten Tag an. „Ich hab die Strecke vorher mit ihnen geübt“, erzählt die Greifswalder Lehrerin. Die Situation direkt vor der Krull-Schule sei leider „unglaublich gefährlich, da gibt’s keinen Zebrastreifen und keine Ampel“. Aber es sei wichtig, dass Kinder sich morgens bewegten, um wach zu werden, und dass sie lernten, im Straßenverkehr klar zu kommen. „Meine nehmen jetzt einen Umweg über eine Ampel.“

13900 Kinder in MV werden am Montag eingeschult. Mit ihnen den Schulweg zu üben, statt sie immer mit dem Auto zu bringen – genau dafür warben Verkehrsexperten diese Woche bei einer Veranstaltung in Greifswald. Die Landesverkehrswacht und das Verkehrsministerium MV hatten Vertreter von 20 Kitas aus dem Land eingeladen, die Vorschulkinder gezielt auf den Schulweg vorbereitet haben. Im St.

Spiritus bekamen die Einrichtungen dafür den „Schulwegorden“.

Nach einer Statistik der Unfallkasse MV sind im vergangenen Jahr rund 2000 Unfälle auf dem Weg zu Kitas, Schulen und Hochschulen passiert – darunter viele Bagatellen, aber auch einige schwere Unfälle. „Kinder sind die schwächsten Teilnehmer im Straßenverkehr“, sagte Infrastrukturminister Christian Pegel in Greifswald. Sie hörten Verkehrsgeräusche leiser, nähmen Gefahrenquellen anders oder zu spät wahr. Genau da hätten die Kitas mit Trainings angesetzt.

Kirsten Wieck von der Zinnowitzer Kita Regenbogen erzählt: „Wir machen mit den Kindern Verkehrserziehung von September bis Juli.“ Wieck war früher Fahrlehrerin, „Ich weiß, was alles passieren kann.“

In der Kita spreche sie mit den Kindern über Verkehrsregeln und -Schilder, übe mit ihnen spezielle Situationen, „Etwa: Wie verhält man sich an der Ampel, am Zebrastreifen oder an einer Ausfahrt?“

Manchmal wüssten die Kinder dann mehr als ihre Eltern. „Vielen Erwachsenen ist zum Beispiel nicht klar, dass Kinder bis acht Jahre mit dem Fahrrad auf dem Bürgersteig fahren müssen!“ Und bis zehn Jahre dürften sie es. Ob ein Kind seinen Schulweg ab der ersten Klasse allein zurücklegen kann oder erstmal nur in Begleitung eines Erwachsenen, lässt sich laut Andrea Leirich, Chefin der Landesverkehrswacht MV, nicht pauschal beantworten. „Wenn es viele schwierige Situationen gibt, sehr unübersichtliche Querungsstellen etwa, dann sicher nicht“, sagt sie. „Erstklässler sollten auch noch nicht allein mit dem Fahrrad zur Schule fahren.“ Denn für Kinder bis etwa acht Jahre sei das Fahrrad vor allem ein Spielgerät, das Fahren noch nicht so automatisiert. „Gleichzeitig auf den Straßenverkehr zu achten, schaffen die meisten noch nicht.“ Den Schulbus zu nehmen oder gemeinsam mit anderen Kindern zu Fuß zu gehen, begleitet von einem Erwachsenen, sei aber sinnvoll. Und dass immer mehr Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen? „Ja, das ist leider so“, sagt Andrea Leirich. „Die meisten glauben, dass das Kind so sicherer ist.“ Statistisch gesehen passierten im „Elternatxi“ aber mehr Unfälle als mit dem Schulbus. „Und man bringt andere Kinder in Gefahr.“ Wenn viele Autos morgens vor der Schule hielten, müssten die anderen Kinder zwischen diesen Autos hindurch die Straße überqueren. „Das ist sehr gefährlich.“ Mutter Karsta Rautenberg sagt, man solle auch nicht vergessen: „Der Schulweg kann Spaß machen.“ Die Kinder träfen erste Verabredungen, würden selbstständiger.

Sybille Marx

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