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Kleiner Ort war einmal ganz groß

Uns Dörp: Die OSTSEE-ZEITUNG besucht Wüstenbilow Kleiner Ort war einmal ganz groß

In Wüstenbilow stehen heute nur noch zwei Gehöfte. Landwirtschaft spiel keine Rolel mehr.

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Hartmut Glawe (57) interessiert sich sehr für die Geschichte seines Heimatortes.

Wüstenbilow. — Hartmut Glawe wurde 1957 auf dem Gehöft seiner Familie in Wüstenbilow geboren, als eines von drei Kindern. „Damals gab es noch so mache Hausgeburt“, erzählt er. „Mein Urgroßvater hatte das Haus einst gekauft“, fährt er fort. Es gebe sogar noch einen Grundbuchauszug aus dem Jahr 1903. Seine Vorfahren seien Bauern gewesen, berichtet Glawe. Auch er schloss eine landwirtschaftliche Lehre ab und war mehrere Jahre in der Tierproduktion tätig. „Ich habe 23 Jahre auf dem Gehöft in Wüstenbilow verbracht. 1987 haben meine Frau und ich geheiratet, 1988 sind wir in dann in den Neubau in Poggendorf gezogen.“ Doch zu Wüstenbülow bestehe noch eine Beziehung. „Ich habe eine Restfäche von 30 Hektar Acker dort, auf dem zum Beispiel Kartoffeln wachsen.“

Glawe, der heute als Kraftfahrer arbeitet, erinnert sich gern an seine Kindheit in Wüstenbilow. „Sie war schön. Wir sind oft in den nahen Wald gegangen, konnten kleine Abenteuer erleben.“ Im Winter sind die Kinder vom „Butterberg“ gerodelt. Die Grundschule hat er in Poggendorf besucht und bewältigte in den ersten Jahren per Fuß die zwei Kilometer bis dahin, später mit dem Rad. Er erinnert sich noch an eine alte Pferdefeuerwehr, ein Pferdefuhrwerk mit Pumpmechanismus für die im hinteren Teil aufgesetzte Wasserpumpe. Dafür hatte er als Kind viel Interesse. Später sei dieses Überbleibsel aus der Vergangenheit wohl verschrottet worden, was er ein wenig bedauert.

„Früher gab es in meinem Heimatort fünf Gehöfte, jetzt sind es nur noch zwei“, bedauert Hartmut Glawe. Dort, wo die Landstraße eine Kurve macht, stehen noch die Überreste des ehemaligen Schadeschen Hofes, der in den 1930er Jahren nach einem Blitzschlag abgebrannt ist und später wieder aufgebaut wurde, weiß Glawe. Anfang der 1990er Jahre wurden in dem Stall, der zur LPG gehörte, noch Schweine gehalten. Doch als damit Schluss war, verfiel alles. Glawe erinnert sich, dass das Dorf früher auch eine Schrotmühle hatte und eine Essenkantine. Dort habe er sogar mal zu Mittag gegessen, nachdem er sich an einem Kartoffelsammel-Einsatz beteiligt hatte.

In der Scheune, die heute nahe dem Ortseingang noch steht, waren Kühe untergebracht, ist ihm noch in Erinnerung.

Hartmut Glawe interessiert sich sehr für die Historie seines Heimatortes und fand durch seine Recherchen heraus, dass Wüstenbilow von dem alten vorpommerschen Adelsgeschlecht von Bilow gegründet wurde. „In Wüstenbilow war das Stamhaus“, ist er sicher. Das Adelsgeschlecht sei erstmals um 1320 bis 1325 urkundlich erwähnt worden und mit Hinricus Bylowe und Dominus Hermannus de Bylowe erschienen. Die ununterbrochene Stammreihe beginne 1387 mit Radeke von Bilow auf Bilow, hat er erfahren.

Angehörige der Familie hätten übrigens mit Auszeichnung im schwedischen, preußischen und dänischen Militär gedient. So sei aus den Bilows der schwedische General Georg von Bilow, ein preußischer Kapitän Karl Gustav von Bilow, Ritter des Orden Pour le Mérite und der pommersche Gutsbesitzer, Politiker und Historiker Nils Ferdinand von Bilow (1800 - 1846), hervorgegangen.

Das Adelsgeschlecht habe auch diverse Güter in Pommern und Mecklenburg besessen wie unter anderem im pommerschen Borgstedt, Grellenberg, Grischow, Gülzow, Rakow, Schmoldow und Schönenwalde. Glawe weiß außerdem, dass ein Nachkomme der von Bilows einen von Bonin geheiratet hat. „Ich habe eine Frau von Bonin noch kennengelernt, durch meine Mitarbeit im Gemeindekirchenrat Gülzowshof“, erzählt er.

Im Dreißigjährigen Krieg von 1618 bis 1648 ist der Stammsitz in Bilow dann völlig vernichtet und verwüstet worden. Es muss schlimm gewesen sein. So erhielt der Ort den Namen Wüstenbilow.

„In dem Dorf lebten einmal mehr als 100 Leute“, sagt Glawe. Von Menschen bevölkert war es danach nur nach dem Zweiten Weltkrieg, als zahlreiche Flüchtlinge in die Gegend gekommen waren und nach einer Zuflucht suchten.

Hartmut Glawe findet es schade, dass der Ort, in dem einst das Leben pulsierte, heute an Bedeutung verloren hat. „Aber so ist die Geschichte.“

Früher gab es im Dorf fünf Gehöfte.“Hartmut Glawe (57), wurde in Wüstenbilow geboren

 

 



Christine Drabsch

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Wüstenbilow — Wüstenbilow gehört seit dem 1. Januar 1999 zur Gemeinde Süderholz. Dort leben zurzeit 12 Einwohner, der älteste ist fast 70 Jahre alt, der jüngste zählt 16 Jahre.

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