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Grimmen So spart man heute trotz Niedrigzinsen
Vorpommern Grimmen So spart man heute trotz Niedrigzinsen
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07:03 30.10.2018
Ein Mädchen betrachtet einen 5-Euro-Schein, der in einem Sparschwein steckt. Am 30.10. ist Weltspartag. Quelle: dpa
Stralsund/Greifswald

Jedes Jahr Ende Oktober verschicken die Sparkassen im Land eine Mitteilung zum Weltspartag, die sich liest, als sei sie etwas aus der Zeit gefallen. Kleiner Auszug: „Die Sparkasse Vorpommern steht über Generationen hinweg Menschen von klein auf zur Seite. Ein besonderes Anliegen ist es ihr daher, schon kleine Kinder an das Thema Geld und Sparen heranzuführen. Denn wer als Kind lernt, dass sich Geld nicht von allein vermehrt, der wird auch als Erwachsener souveräner mit Geld umgehen.“ Dazu gibt es ein Foto von einem roten Sparschwein und dem Plüscheisbär Mats mit rotem Schal, der die Herzen der kleinen Sparer erobern soll. Und die Feststellung: „Trotz der momentan niedrigen Zinsen ist Sparen sinnvoll. Durch regelmäßiges Sparen kann man mit überschaubaren, regelmäßig angesparten Beträgen langfristig ein stattliches Vermögen aufbauen.“

Überträgt man diesen Satz auf die aktuellen Konditionen für klassische Anlageformen wie einem Sparbuch müsste man, egal ob Kind oder Erwachsener, bei einem mageren, aber durchschnittlichen Zinssatz von 0,2 Prozent mehr als 350 Jahre lang sparen, um das Vermögen darauf zu verdoppeln. Noch zu den Hochzeiten des Sparbuches mit Zinsen von um die vier Prozent wären dafür rund 20 Jahre nötig gewesen.

Der Weltspartag wird vor allem von den Sparkassen und Volksbanken besonders hervorgehoben, nachdem er vor 93 Jahren von einem internationalen Sparkassenkongress in Mailand begründet worden war. Nicht, um dem Sparern einen eigenen Feiertag zu geben, sondern es vielmehr zu einer gesellschaftlichen Aufgabe zu erheben, die auch von Menschen unterer Einkommensgruppen ernst genommen wird. Der Sinn ist, wie Kuscheleisbär Mats schon vermuten lässt, also durchaus ein pädagogischer.

Chancen und Risiken sollten sich die Waage halten

Aber wie spart man heute am klügsten? Ein Anruf bei Ulrich Wolff, dem Vorstandschef der Sparkasse Vorpommern. „So, dass sich Chancen und Risiken die Waage halten“, empfiehlt er. Also nicht nur im Sparschwein? „Das ist für Kinder wichtig, um das Sparen zu erlernen, wenn sie sich einen Wunsch erfüllen wollen.“ Erwachsene sollten indes darauf achten, ihre Anlagen breit zu streuen. Bisschen Festgeld, ein Sparbuch, aber eben auch verschiedene Aktien und Investmentfonds.

Einer Studie der Commerzbank zufolge besitzen 45 Prozent der Deutschen ein Sparbuch, obwohl die Mehrheit, so hat es nun wieder der Sparkassen- und Giroverband mit seinem aktuellen Vermögensbarometer erhoben, weiß, dass Sparkonten und -bücher in Niedrigzinsphasen eher ungeeignet sind. Insbesondere dann, wenn man wie die Mehrheit der Deutschen (28 Prozent) Geld fürs Alter zurücklegen will. Auf ein neues Auto sparen dagegen nur vier Prozent.

Nur wenige kaufen Aktien oder Investmentfonds

Laut dem Vermögensbarometer, das jedes Jahr vor dem Weltspartag veröffentlicht wird, nutzt nur rund ein Viertel der Männer Wertpapiere, um Geld zu vermehren. Frau gelten dabei als noch konservativer. Lediglich zwölf Prozent investieren in Aktien, 16 Prozent nutzen Investmentfonds. Über die Gründe lässt sich wie so oft am Aktienmarkt nur spekulieren. Denn obwohl Frauen aufgrund ihrer statistisch höheren Lebenserwartung im Alter von einer höheren Rendite profitieren würden, scheinen sie das Risiko stärker zu scheuen. In der Umfrage des Sparkassenverbandes gaben lediglich 22 Prozent an, dass ihnen bei einer Geldanlage die Rendite am wichtigsten sei. Bei den Männern waren es immerhin 30 Prozent. Ausreichend, um die Einbußen durch den Nullzins bei klassischen Anlagen wieder auszugleichen, ist das allerdings auch nicht.

Woher kommt diese Skepsis, Herr Wolff? „Das ist insgesamt vor allem ein deutsches Phänomen.“ Die Menschen würden schnell Angst bekommen, wenn das Aktiendepot mal einen schwächeren Tag hat und lieber zuschauen, wie die Inflation ihr Erspartes langsam, aber stetig abschmelze. Einige habe vielleicht auch der Mut verlassen, nachdem vor Jahren die Dotcom-Blase geplatzt ist.

„Die Menschen müssen ihr Geld aufwecken“

Damals, in der zweiten Hälfte der 90er-Jahre, hatten sich beinahe zehn Millionen Kunden für Dividendentitel entschieden und so in Startups investiert, die auf spekulative Weise zu Zukunftsunternehmen erhoben worden waren. Viele eigentlich irrelevante Firmen strebten an die Börse. Und besonders viele Kleinanleger verloren ihr Geld, nachdem der Traum dann aus war. Wolff sagt, heute gebe es keinen ernsthaften Grund, am Aktienmarkt zu zweifeln, weil die Wirtschaftsentwicklung insgesamt stabil und erfolgreich sei. „So stabil, dass selbst Strafzölle und Sanktionen weltweit bisher nicht zu einer nennenswerten Verlangsamung des Wachstums geführt haben. Die Kurve zeigt ganz klar nach oben.“

Großbanken sehen den Schwerpunkt noch deutlich stärker im Fonds- und Aktiensparen als die Sparkassen. „Die Menschen müssen ihr Geld aufwecken“, sagt Mathias Paulokat. Er ist Abteilungsdirektor bei der Commerzbank in Berlin und als Sprecher für die Standorte in Mecklenburg-Vorpommern zuständig. Sein Ratschlag: „Die Kunden müssen vom Sparer zum Anleger werden. Wer heute noch klassisch spart, verliert Geld. Das funktioniert nicht mehr.“ Paulokat macht eine einfache Rechnung auf: Zurzeit liegt die Inflation bei 2,1 Prozent. Wer in Zeiten der Nullzinspolitik 1000 Euro länger auf einem Sparbuch parkt, hat im nächsten Jahr nur noch 979, also 21 Euro weniger, von dem Geld zur Verfügung.

Heimsparen beliebteste Methode bei jungen Sparern

Die Commerzbank zahlt jedem, der die auf seinem Sparkonto schlummernden Beträge abbaut und dafür ein Wertpapierdepot eröffnet, eine Prämie. Damit will sich die Bank wie andere Institute auch davor retten, für überschüssige Einlagen, die sich nicht in Kredite umwandeln lassen, einen Strafzins von derzeit 0,4 Prozent an die Europäische Zentralbank abführen zu müssen. Die Sparkasse Vorpommern verfolgt noch einen längerfristigen Ansatz, um auch junge Menschen für Wertpapiere zu begeistern. Sie unterstützt die Schulen in der Region beim Planspiel Börse, bei dem eine Klasse mit oder ohne Strategie virtuell 50 000 Euro einsetzen kann. Wohl aus gutem Grund: Eine Umfrage im Auftrag der Postbank hat ergeben, dass das Heimsparen die beliebteste Sparmethode der 16- bis 29-Jährigen ist. Spätestens dann sollte das Sparschwein aber ausgedient haben.

Benjamin Fischer

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