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Spielhalle muss Automaten abhängen

Grimmen Spielhalle muss Automaten abhängen

Im „First Game Casino“ in Grimmen bangen mehrere Frauen um ihren Job

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Mit den Neuregelungen will man Spielsüchten vorbeugen. Die Anzahl derjenigen, die regelmäßig Spielhallen aufsuchen, ist auch in Grimmen nicht unbeträchtlich.

Quelle: Foto: Agentur

Grimmen. Ab 1. Juli gelten neue Regeln für Spielhallen. Auch in Grimmen. „Und deshalb haben meine Mitarbeiter Angst um ihren Job“, sagt Ralf Drzymala. Er ist Geschäftsführer der First Game Casino GmbH und der D & S Automaten GbR, die sowohl in der Stralsunder Straße in Grimmen als auch in Tribsees, Bad Sülze und anderen Orten Spielhallen betreibt.

 

OZ-Bild

Die First Game Casino GmbH und die D & S Automaten GbR betreiben in dieser Spielhalle jeweils zwölf Automaten.

Quelle:

Rechtliches

In Mecklenburg-Vorpommern ist ab 1. Juli 2017 zwischen Spielhallen ein Mindestabstand von 500 Metern Luftlinie einzuhalten.

Außerdem sind die Errichtung und der Betrieb einer Spielhalle innerhalb eines Radius’ von 500 Metern Luftlinie zu einer Schule zu versagen.

Die Regelungen basieren auf dem Glücksspielstaatsvertrag 2012 und dem Glückspielstaatsvertragsausführungsgesetz.

Allein in Grimmen beschäftigt Drzymala sechs Frauen. Alle zwischen 50 und 60 Jahre alt. Viele von ihnen arbeiten hier seit Jahren, denn die Spielhalle am Ortsausgang in Richtung Stralsund gibt es seit 1993. Drzymala hat sie sukzessive aufgebaut, damit auch einen städtebaulichen Schandfleck beseitigt.

Geöffnet ist täglich von 8 bis 2 Uhr. „Ja, es kommen genügend Leute“, sagt der Chef auf eine entsprechende Frage. Er und seine Mitarbeiter könnten gut von den Einnahmen leben.

Die ab 1. Juli geltenden Auflagen sehen unter anderem vor, dass Spielhallen künftig 500 Meter von weiterführenden Schulen entfernt sein müssen. Das trifft für Grimmen zwar nicht zu, erklärt Drzymala, „aber für Tribsees“. Dort befindet sich die Spielothek am Edeka. Nur ein paar Schritte entfernt ist die Regionale Schule. Problematisch in Grimmen ist aber eine sogenannte Doppelspielhalle. Das sind zwei Einrichtungen in einem Komplex. Und so etwas soll es künftig nicht mehr geben. Für diese Doppelspielhalle hat Drzymala zwei Lizenzen. Er darf deshalb 24 statt 12 Automaten aufstellen. Fällt künftig die Hälfte weg, benötigt er weniger Personal.

Im „First Game Spielcasino“ fühlen sich die Frauen allein gelassen. „Auch von Wirtschaftsminister Harry Glawe, der immer betont, dass er sich für Grimmen einsetzt“, sagt eine von ihnen. Er hätte ja auch mal vorbei kommen können, meint sie.

Die OZ hat sein Ministerium mit dem Vorwurf konfrontiert. Glawes Pressesprecher Gunnar Bauer teilte daraufhin mit, dass das Wirtschaftsministerium für Spielhallen-Konzessionen nicht zuständig sei und verwies ans Innenministerium. Dessen Sprecherin Marion Schlender erläuterte, worum es rechtlich geht. Nämlich um Neuregelungen, die auf dem Glücksspielstaatsvertrag von 2012 und dem Glückspielstaatsvertragsausführungsgesetz basieren. Sie seien notwendig geworden, so Schlender, weil im Zusammenhang mit einer Steigerung der Anzahl der Spielhallenkonzessionen ein starker Anstieg der Geldspielgeräte zu verzeichnen sei. Den wolle man eindämmen. Laut Schlender gibt es 250 bis 260 Spielhallen in MV. Den Neuregelungen liege der gesundheitspolitische Aspekt zugrunde, führt die Sprecherin von Innenminister Lorenz Caffier (CDU) weiter aus. Übersetzt heißt das wohl, dass man Suchtwirkungen, insbesondere bei Jugendlichen, vorbeugen will. „Die Änderungen sind aber kein geeignetes Mittel, Süchten entgegen zu wirken“, erklärt eine weitere Mitarbeiterin aus dem „First Game Casino“. „Denn wer spielen will, findet Möglichkeiten. Zum Beispiel im Internet.“ Es würden ja auch keine Schnapsregale leergeräumt, um Süchten vorzubeugen. Bei Zigaretten sei es ebenso. Auch bei Lotto-Toto, zählt sie auf. Überall kassiere der Staat mit.

„Wer ins Internet geht, um zu spielen, entzieht sich jeglicher Kontrolle“, nennen die Mitarbeiterinnen im „First Game Casino“ ein weiteres Argument. Bei ihnen, werde jeder kontrolliert, ob er 18 Jahre alt ist. Zudem lägen Kärtchen mit Notrufnummern bei problematischem Spielverhalten aus. Man könne ebenso erwirken, dass Spieler in eine Sperrdatei aufgenommen werden, die bundesweit gilt.

„Mir tun meine Mitarbeiterinnen leid“, sagt Ralf Drzymala, „denn sie machen hier einen wirklich guten Job.“ In der Grimmener Spielothek sprechen alle deshalb von Doppelmoral, weil die neuen Regularien für die vom Land betriebenen Spielbanken nicht gelten sollen. „Würde man hier auch so rigoros vorgehen, könnte man noch eine ehrliche Absicht hinter den Neuregelungen vermuten“, sind sich die Mitarbeiterinnen im „First Game Casino“ einig.

Noch hofft Ralf Drzymala auf ein Einlenken des Landes, weil auch der Verband der Spielhallenbetreiber Druck macht. Der will alle rechtlichen Möglichkeiten prüfen, zumal in Schleswig-Holstein anders verfahren wird. Dort haben Einrichtungen Bestandsschutz. Drzymala hofft auch auf Unterstützung der Kommune. Denn auch die sei betroffen, sagt er, weil Umsatz-, Gewerbe- und Vergnügungssteuer-Einnahmen sinken.

Reinhard Amler

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