Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Grimmen Staatsanwalt erhebt Anklage gegen Stralsunder Ex-Sportamtschef
Vorpommern Grimmen Staatsanwalt erhebt Anklage gegen Stralsunder Ex-Sportamtschef
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:01 12.08.2016

Nach über zwei Jahren Ermittlungsarbeit steht fest: Die Stralsunder Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen den ehemaligen Leiter der Abteilung Schule, Sport und Gebäudemanagement im Rathaus, Steffen Grieser. Dem 52-Jährigen wird Vorteilsnahme im Amt vorgeworfen. „Dabei geht es um einen Gesamtbetrag von etwa 100000 Euro“, sagt Oberstaatsanwalt Dr. Sascha Ott. Laut Anklage soll Grieser von der Fritz & Heichel Verwaltungs GmbH, einer Tochtergesellschaft der Firma Allrein, einen Mercedes zur freien Verfügung erhalten haben. Zudem habe er aus zwei Arbeitsverträgen Vergütungen erhalten. Im Gegenzug soll Allrein lukrative Reinigungsaufträge für städtische Gebäude kassiert haben. Doch im Falle einer Verhandlung sitzt Grieser nicht allein auf der Anklagebank. „Es gibt zwei Beschuldigte, denn es geht nicht nur um den Vorteilsnehmer, sondern auch um denjenigen, der die Vorteile gewährt hat“, sagt Ott und ergänzt, dass es sich bei dem zweiten Beschuldigten um einen der beiden Geschäftsführer des Unternehmens handle. Im Rahmen der Finanzermittlungen habe die Staatsanwaltschaft festgestellt, dass beide Gesellschaften – Fritz & Heichel und Allrein – aus den abgeschlossenen Verträgen Einkünfte über 2,2 Millionen Euro erzielt haben. „Wir haben inzwischen die Bestätigung, dass das Amtsgericht beiden Beschuldigten die Anklageschrift zugestellt hat. Der vorsitzende Richter wird nun entscheiden, ob die Anklage zugelassen wird“, betont Ott. Das Gericht entscheidet danach auch, wann verhandelt wird.

Steffen Grieser. Quelle: OZ

Auf die Frage, warum sich die Ermittlungen über zwei Jahre hingezogen haben, verweist der Oberstaatsanwalt auf die Schwierigkeiten angesichts der umfangreichen Ermittlungen. In so einem Verfahren gehe es um ein Beziehungsgeflecht, das untersucht werden muss. Jeder einzelne Tatvorwurf müsse geprüft werden, besonders das Verhältnis von Leistung und Gegenleistung. Einfach nur ein Geschmäckle reiche an dieser Stelle nicht aus. Deshalb stelle der Fall eine besondere Herausforderung für die Staatsanwaltschaft dar.

Aufgeschlagen wurde die Akte Grieser bei der Staatsanwaltschaft am 23. Mai 2014. Nach einer anonymen Anzeige wegen Ungereimtheiten bei der Amtsführung hatte die Polizei in dem Fall die Ermittlungen aufgenommen. Kurz darauf war Steffen Grieser von Oberbürgermeister Alexander Badrow (CDU) beurlaubt worden, weil der Vorwurf des Amtsmissbrauchs im Raum stand. Außerdem ließ die Staatsanwaltschaft Griesers Diensträume in dem städtischen Verwaltungsgebäude in der Hafenstraße durchsuchen. Weil es zu diesem Zeitpunkt keine Ergebnisse gab, die den Amtschef belasteten, hatte Badrow den Zwangsurlaub von Grieser im September 2014 wieder beendet. Grieser selbst sorgte dann im Mai 2015 für einen Paukenschlag und räumte – nach 25 Jahren in der Stadtverwaltung – seinen Posten.

Gegenüber der OZ begründete er diesen Schritt damals mit gesundheitlichen Problemen. Zunächst wollte er seinen alten Beruf als Lehrer wieder aufnehmen, doch aus dem beruflichen Neustart wurde nichts.

Grieser – immer noch krankgeschrieben – blieb Mitarbeiter der Stralsunder Stadtverwaltung. Bis vor wenigen Tagen.

„Das bestehende Arbeitsverhältnis ist im gegenseitigen Einvernehmen unter Berücksichtigung der ordentlichen Kündigungsfrist aufgelöst worden. Damit ist und wird Herr Grieser nicht mehr für die Hansestadt Stralsund tätig. Der Auflösungsvertrag wurde am 21. Juli 2016 unterschrieben“, heißt es nun aus dem Rathaus. Zur Begründung sagt Stadtsprecher Peter Koslik: „Herr Grieser scheidet auch vor dem Hintergrund des staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsfortschritts aus gesundheitlichen Gründen aus der Stadtverwaltung aus.“ Bis auf Weiteres nehme Jörn Tuttlies die Aufgaben als Leiter der Abteilung Schule, Sport und Zentrales Gebäudemanagement wahr. Über eine Nachfolge sei noch nicht entschieden worden.

Steffen Grieser wollte sich gestern nicht äußern.

Ines Sommer

Nach dem Neubau der Schule könnte sie einen neuen Namen erhälten, schlägt die CDU vor

12.08.2016

Für Schönwalder Verhältnisse war es ein historisches Bauwerk / Möwencenter-Zufahrt wird eingeschränkt

12.08.2016

Pastor Wolfgang Schmidt: „Das macht mich betroffen und erschreckt mich“

12.08.2016
Anzeige