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Grimmen Stachlige Säuglinge halten Tag und Nacht auf Trab
Vorpommern Grimmen Stachlige Säuglinge halten Tag und Nacht auf Trab
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03:37 04.09.2013
Wenn es Futter gibt, krabbeln die Fünf munter aus ihrer Box.
Kirch Baggendorf

Christiane und Bernd Uecker haben fünf Babys im Haus. Ursprünglich wollten sie die Igeljungen, die am 25. August plötzlich bei Anneliese Schneider in Glewitz im Garten lagen, nur in eine artgerechte Pflege vermitteln. Nach einigem Hin und Her versorgen sie die Säuglinge selbst und nehmen den Plan in Angriff, eine Igelpflege-Station aufzubauen.

Anneliese Schneider fand sechs Mini-Igel vor ihrem Haus: einen auf der Treppe, fünf auf dem Rasen verteilt. „Wahrscheinlich hat ein Hund sie angeschleppt“, sagt Bernd Uecker, Tierarzt in Kirch Baggendorf. Die Seniorin versuchte, die etwa fünf bis sechs Tage alten Kleinen im Grimmener Tierpark abzugeben, musste aber erfahren, dass deren Mitarbeiter für Wildtiere nicht zuständig seien.

Anneliese Schneider wusste keinen anderen Rat, als nochmals in der Tierarztpraxis anzuklopfen und fand bei Christiane Uecker schnell Hilfe. Einer der Baby-Igel war allerdings verletzt und inzwischen gestorben. Die 55-Jährige erklärte sich bereit, die Igelchen nach Burow in die dortige Igelstation zu bringen. Also packte sie die Mini-Stachel ein und fuhr in die Nähe von Teterow. „Astrid Schneider, die die Station dort ehrenamtlich betreibt, zieht zur Zeit noch drei Partien Igel auf“, sagt Christiane Uecker. Als die Fachfrau merkte, welches Interesse die Kirch Baggendorferin an der Igelpflege zeigt, sah sie eine Chance, eine Mitstreiterin in Sachen Igelhilfe ins Boot zu holen. Und so erfuhr Christiane Uecker, dass die Kleinen zunächst alle drei Stunden mit einer Spritze gefüttert werden, Hundewelpentrockenmilch in Fencheltee aufgelöst bekommen, später Katzenfutter zugesetzt wird, sie pro Mahlzeit fünf Milliliter zu sich nehmen und täglich gewogen werden müssen. „Und plötzlich hörte ich mich sagen: Ich nehme die Igel wieder mit und ziehe sie selbst groß“, ist Christiane Uecker noch heute von ihrer spontanen Aktion überrascht.

Mittlerweile weiß sie, warum es so wenige Igelstationen gibt: „Die Aufzucht ist zeitaufwändig und teuer.“ Die Fütterung der Kleinen dauert inklusive Bauchmassage zur besseren Verdauung eine Stunde.

Bruno ist der erste, der Dienstag morgens an der Reihe ist, schmatzend lutscht er die Milch. Kuno ist als zweiter dran, und die anderen machen schon pfeifend auf ihren Hunger aufmerksam. Nur Susi, die dickste und diejenige, bei der sich jetzt als erstes die Augen öffnen, schläft noch. Schließlich kommt mit Hugo der zarteste zum Zug. Im Gegensatz zu Susis 107 Gramm bringt er gerade mal 90 Gramm auf die Waage. Christiane Uecker: „Das war mein Sorgekind, er wollte nicht recht fressen, aber jetzt hat er es geschafft.“ Die letzte bei dieser Mahlzeit ist Stupsi. Bald schon, wenn die Igel-Kinder Zähne haben, gibt es ihre Leibspeise — Rührei und gebratenes Rinderhack. Dann, also wenn sie etwa vier Wochen alt sind, sollten sie allein fressen gelernt haben.

„Mittlerweile bekommen sie alle vier Stunden etwas, so kann man schon etwas zwischendurch unternehmen“, sagt Bernd Uecker. Das taten Ueckers gestern auch, denn sie machten sich auf die Suche nach einem passenden Gartenhäuschen, das künftig die Igelpflegestation sein soll. „Igel sind Einzelgänger. Wenn sie bis zum Winter nicht groß genug werden, braucht jeder eine eigene helle Box“, sagt die neue Igel-Mama. „Ich habe die Zeit, mir macht das Spaß und es ist eine gute Sache“, begründet Christiane Uecker ihre Entscheidung.

Wissenswertes
Hilfe brauchen verletzte Igel.

Kranke Igel erkennt man meist daran, dass sie tagsüber Futter suchen, herumlaufen, -torkeln oder -liegen und sich kaum einrollen.

Verwaiste Igelsäuglinge, die sich tagsüber außerhalb ihres Nestes befinden, noch geschlossene Augen und Ohren haben und sich kühl anfühlen, sind mutterlos und benötigen dringend Hilfe.

Igel, die nach Wintereinbruch herumlaufen oder sich kein entsprechendes Fettpolster anfressen konnten (Ende September mehr als 400 Gramm), benötigen ebenfalls Hilfe zum Überleben.

Im Winter verlieren Igel 20 bis 30 Prozent ihres Körpergewichts.

Bei der Geburt wiegen Igel etwa 18 bis 25 Gramm.

Die Igelin säugt 42 Tage lang.

Während des Winterschlafs verringert sich der Herzschlag von 180 Schlägen pro Minute auf acht Schläge, die Körpertemperatur sinkt bis auf 5 Grad Celsius ab.

Igel sind Fleischfresser, ernähren sich von Kleintieren und Insekten, fressen kein Obst und vertragen keine Kuhmilch.

Sie erreichen ein Lebensalter von sieben bis acht Jahren. Die Jugendsterblichkeit beträgt aber 50 bis 80 Prozent.

1000 weiße Stacheln haben Igel bei der Geburt, verlieren die aber wieder. Erwachsene Tiere haben 6000 bis 8000 Stacheln.

Hilfe finden junge, zu kleine oder kranke Igel ab jetzt bei Familie Uecker unter ☎ 0160-7815913 oder unter 038334-326.

Weitere Igel-Pflegestationen gibt es bei Astrid Hoffmann in Burow bei Teterow und in Prisannewitz bei Rostock (☎038208/13472).

Almut Jaekel

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