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Stralsund war Wiege der Reformation im Norden

Stralsund Stralsund war Wiege der Reformation im Norden

Museum erinnert mit einer Sonderausstellung daran, wie Luthers Ideen vor knapp 500 Jahren das Leben veränderten

Stralsund. Gegen ein paar Goldstücke die Qualen des Fegefeuers verhindern? Anfang des 16. Jahrhunderts gehörte der so genannte Ablasshandels zum Übelsten, was Kirche mit den unwissenden Menschen tat. Auch in Stralsund.

Ein Dokument aus dem Jahre 1506 ist der beste Beweis dafür. Jeder, der an einer Kapelle für St. Marien mitwirkte, sollte so vom Fegefeuer erlöst werden, heißt es auf dem Pergament, dass vom kommenden Sonnabend an zusammen mit vielen anderen interessanten Exponaten in der Sonderausstellung über die Reformation im Stralsund Museum gezeigt wird.

An einem Ort also, der bestens zum Thema passt, wie Kuratorin Dr. Regina Nehmzow gestern sagte.

„Hier im Katharinenkloster trafen im Disput der Stralsunder Reformator Christian Ketelhot und ein Dominikaner, also ein Hüter des Glaubens, aufeinander, den Ketelhot einen ,ungelehrten Esel“

geschimpft haben soll“, erklärte die Historikerin.

Tatsächlich war Stralsund wohl so etwas wie die Wiege der Reformation im Norden. „Hier predigten schon 1523 Reformatoren, hier wurde 1525 eine evangelische Schul- und Kirchenordnung erlassen, die es für ganz Pommern erst fünf Jahre später gab“, betonte die Wissenschaftlerin und verwies dabei auch auf die Tatsache, dass just im Katharinenkloster, wo sich heute unter anderem die Ausstellungen des Stralsund Museums befinden, im Jahre 1560 das erste humanistische Gymnasium Stralsund.

Aber auch die Wut des einfachen Volkes traf den Klerus in der Hansestadt mit voller Wucht. Berühmt berüchtigt ist das Kirchenbrechen vom 10. April 1525, bei dem unter anderem St. Nikolai gestürmt wurde. Mönche flohen in jener Zeit über die Stadtmauern und kehrten nicht mehr zurück, die Klöster gingen in städtisches Eigentum über.

Ein Zeugnis dieser Tage ist der Silberschatz in der Ausstellung. Er besteht aus 113 Münzen, die vermutlich von Franziskanern vor ihrer Flucht aus dem Johanneskloster gefunden und im Jahre 2006 wiederentdeckt wurden.

Wer durch die Ausstellung im Kreuzgang schlendert, stolpert auch über das eine oder andere Exponat, dass eine überraschende Verbindung zwischen Pommern und dem Wittenberg der Zeit Martin Luthers schlägt.

Da ist zum Beispiel ein Porträt des Reformations-Theoretikers Philipp Melanchton, das Herzog Barnim XI. in Lindenholz geschnitzt hat. Immerhin hat der Herzog von Pommern-Stettin in Wittenberg studiert und dort die Doktor-Würde erlangt.

Außerdem wird ein Porträt Luthers von Lucas Cranach d.J. gezeigt, das als Teil der Löwenschen Sammlung nach Stralsund gelangte.

„Helden sind nicht Einzelne“heißt die Ausstellung, die vom 29. April bis 31. Dezember im Luther-Jahr 2017 gezeigt wird. Der Titel ist ein Zitat Luthers, der immer darauf verwies, dass nicht einer allein so viel bewirken kann.

OZ

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