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Stralsunder Dänholm seit 25 Jahren militärfrei

Stralsund Stralsunder Dänholm seit 25 Jahren militärfrei

Tausende Unterschriften wurden im Herbst 1990 für die friedliche Nutzung der Liegenschaft gesammelt

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Nach der Wende nutzte zunächst noch die Bundesmarine das Gelände. Sie räumte die Anlagen am 31. März 1991. Fotos (2): Christian Rödel

Stralsund. Vor genau 25 Jahren titelte die OSTSEE-ZEITUNG mit der Schlagzeile „Stralsund hat seine Insel wieder“ und berichtete, dass seit Ostermontag, der auf den 1. April 1991 fiel, die ehemalige militärische Liegenschaft Dänholm wieder für alle Bürger der Hansestadt betretbar sei.

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Tausende Unterschriften wurden im Herbst 1990 für die friedliche Nutzung der Liegenschaft gesammelt

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Die Arbeitsgruppe „Dänholm militärfrei“ unter der Federführung von Klaus Freudenberg, der während des politischen Umbruchs zu der Gruppe „Die Stralsunder 20“ gehörte, hatte ein halbes Jahr zuvor eine Resolution verfasst, in der unter anderem zu lesen war: „Die Bürgerschaft Stralsund fordert den Minister für Abrüstung und Verteidigung der DDR (Rainer Eppelmann) auf, umgehend zu veranlassen, dass das NVA-Objekt Stralsund-Dänholm den Bürgern Stralsunds als Erholungsbereich vollständig übergeben wird.“

Weiter hieß es: „Der Bundesminister für die Verteidigung der Bundesrepublik Deutschland (Gerhard Stoltenberg) wir aufgefordert, alle Vorbereitungen zur Übernahme des Dänholm sofort einzustellen und eine Nutzung des Dänholm ausschließlich zu friedlichen Zwecken nach Kräften und Möglichkeiten zu fördern.“

In einem Brief der Arbeitsgruppe vom 6. September 1990 an die Bonner Hardthöhe wurde argumentiert, dass Anfang der 1960er-Jahre ein Beschluss des SED-Apparates, das beliebte Naherholungsgebiet zukünftig militärisch von der NVA zu nutzen, wenig Verständnis in der Bevölkerung hervorgerufen hatte.

Tausende Unterschriften von Stralsundern wurden im Herbst 1990 für die Forderung nach einer zivilen Nutzung des Dänholms gesammelt. Stralsunds damaliger Oberbürgermeister Harald Lastovka (CDU) ließ

sich von den Argumenten der Arbeitsgruppe überzeugen und verfasste wenig später persönlich ein Schreiben an den Verteidigungsminister mit Blick auf die zwei ehemaligen Stralsunder NVA-Liegenschaften.

In dem Brief vom 10. September 1990 schrieb Lastovka zur künftigen Nutzung des ehemaligen Areals der Offizierhochschule „Karl-Liebknecht“ auf der Schwedenschanze, dass auf der dortigen Fläche eine Hochschule für Wirtschafts-, Verwaltungs- und Sozialwissenschaften entstehen könnte.

Ein weiterer Vorschlag Lastovkas lautete: „Die Nutzung des verbleibenden Teils (A.d.A.: der Schwedenschanze) für eine Akademie zur Friedenserziehung vorzusehen. Aus dem Projekt Hochschule wurde bekanntlich wenig später eine Erfolgsstory, aus der Idee zur Gründung einer Friedensakademie ist hingegen nichts geworden. Doch zurück zum Dänholm, über den Lastovka schrieb: „Der zurzeit militärisch genutzte Teil der Insel Dänholm könnte aufgrund seiner landschaftlich reizvollen Lage in ein kulturelles Naherholungsgebiet für Bürger und Gäste umgewandelt werden.“

Am 31. März 1991 wurde die letzte Lehrgruppe C der Schiffsstammabteilung (SStA)auf dem Dänholm abgewickelt, und zum 1. April 1991 übernahm das Bundesvermögensamt Rostock die Liegenschaft der Schiffstammabteilung.

Im Marinemuseum auf dem Dänholm wird seit 1992 die Historie der „Wiege der preußischen Marine“ dokumentiert. Im Herbst 2014 wurde eine Gedenktafel für die ersten Bausoldaten der Volksmarine installiert. Der heute 78-jährige Stralsunder Klaus Freudenberg hat hier selbst als Spatensoldat seinen Dienst geleistet. Bis 1966 waren Bausoldaten auf dem Dänholm tätig, danach kamen Wehrdienstverweigerer in Mukran und Sassnitz zum Einsatz.

Vom Marinedepot zur Parkanlage

1849 entschied das preußische Kriegsministerium, auf dem Dänholm ein Marine-Depot anzulegen. 1850 wurde mit dem Bau eines Hafens begonnen. Dieser erhielt vorerst nur eine Einfahrt von Osten. Es entstanden zudem Kanonenbootschuppen, Wachgebäude und Wohnhäuser. Mit dem Aushub für den Hafen und die Fundamente wurden Wälle am Südufer angelegt. In diese Wälle wurden später Kasematten und Geschützstellungen eingebaut.

1860 wurden Dampfkanonenboote stationiert. Weitere militärische Anlagen, wie eine Schmiede, Krananlagen, Kohlenschuppen und ein Laboratorium wurden gebaut. Der Hafen erhielt eine zusätzliche Einfahrt im Westen, womit die Insel geteilt wurde; eine hölzerne Klappbrücke verband die beiden unterschiedlich großen Teile.

Wilhelm I. gab im Jahr 1871 den Befehl zur Auflösung des Marine-Depots.

Ab 1920 wurde der Dänholm wieder von der Marine genutzt. Die Reichsmarine übernahm die Kasernen. Nach 1935 wurde die Insel bedeutender Bestandteil der Pläne zum Ausbau der Kriegsmarine. Für den Bau des Rügendamms wurden auf dem Dänholm die nördlichen Außenwälle der Sternschanze abgerissen. Durch Aufspülungen entstand zudem nördlich des Rügendamms ein neuer Teil der Insel.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden viele Anlagen zerstört und zunächst zivil genutzt. Sie dienten der Unterbringung von Flüchtlingen. Der ehemalige Exerzierplatz wurde ab 1949 zu einer Parkanlage umgestaltet.

Ab 1956 nutzte wiederum das Militär die Insel. Zunächst die Nationale Volksarmee, ab 1960 deren Untergliederung, die Volksmarine der Deutschen Demokratischen Republik. Neue Anlagen wurden gebaut. Die Parkanlage diente weiterhin als solche, war aber nur noch Militärangehörigen zugänglich. Die östlichen Außenwälle der Sternschanze wurden abgerissen und an der gleichen Stelle ein Technikstützpunkt errichtet.

Nach der Wende nutzte zunächst noch die Bundesmarine das Gelände. Sie räumte die Anlagen am 31. März 1991.

Von Christian Rödel

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