Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 4 ° Regenschauer

Navigation:
Stralsunder Stadtgeschichte zum Staunen

Stralsund Stralsunder Stadtgeschichte zum Staunen

Archäologische Funde aus dem Herzen der Altstadt stehen im Mittelpunkt des neuen Buches „Quartier 17“ von Jörg Ansorge und Torsten Rütz

Voriger Artikel
Vier Border Collies sorgen für Wirbel
Nächster Artikel
Bauern schlagen Alarm: Schlechteste Ernte seit Jahren

Der Archäologe Jörg Ansorge (l.) und der Bauhistoriker Torsten Rütz sind die Hauptautoren des Buches „Quartier 17 – archäologische und bauhistorische Zeugnisse der Stralsunder Stadtgeschichte“. Finanziert wurde es von der Stadterneuerungsgesellschaft Stralsund.

Quelle: Jens-Peter Woldt

Stralsund. Eine Fundgrube für alle historisch interessierten Stralsunder mit vielen Überraschungen und spannenden Geschichten: Das neue Buch „Quartier 17 – archäologische und bauhistorische Zeugnisse der Stralsunder Stadtgeschichte“ ist eine populärwissenschaftliche Zusammenfassung der Geheimnisse aus sieben Jahrhunderten, die die Baugrube für den Gebäudekomplex „Quartier 17“ in den Jahren 2007 bis 2011 preisgegeben hat.

Die Autoren Jörg Ansorge (Archäologe) und Torsten Rütz (Bauhistoriker) schaffen es gemeinsam mit ihren vielen Co-Autoren, den Leser schon beim Durchblättern der 240 Seiten zu fesseln. Sie bleiben nicht bei der Auflistung und wissenschaftlichen Beschreibung der Funde und Erkenntnisse stehen, sondern ziehen Schlüsse über die jeweilige Zeit. Ansorge: „Wir können unsere Geschichten anhand von realen Gegenständen erzählen, das unterscheidet uns von den Historikern. Das ist auch das Anliegen dieses Buches.“

Gleich zu Beginn ist zum Beispiel zu erfahren, dass Stralsunds erste Häuser nicht rund um den Alten Markt standen, sondern vielmehr im Bereich der Mühlenstraße, und das da, wo sich heute der Knieperteich befindet, Stralsunds erster Hafen und die Stadt selbst auf einer kleinen Insel im Sund lagen. Das wurde seit einigen Jahren vermutet und jetzt mit den Funden im Karree Ossenreyer-, Baden-, Kleinschmied- und Heilgeiststraße vertieft. Denn als sicher gilt: Dort wurde erst 1267 mit der Bebauung begonnen.

Vor allem die vielen Latrinenschächte auf dem Areal waren für die Archäologen wahre Goldgruben. Dort wurde auch das älteste Relikt entdeckt: Ein bleiernes Siegel des Papstes Innozenz V. Wie diese Bulle des Heiligen Vaters, der von 1198 bis 1216 herrschte, in das erst 1234 gegründete Stralsund kam, wird wohl immer ein Geheimnis bleiben. Jüngster archäologischer Fund auf dem 4700 Quadratmeter großen ehemaligen Rathausplatz ist der Motor eines amerikanischen Bombers vom Typ B 24, der im Sommer 1944 über Stralsund abgestürzt ist und an der Ecke Baden-/Kleinschmiedstraße lag. Dort wurde auch noch eine scharfe Fliegerbombe entdeckt.

Aus den Jahren dazwischen stammen unter anderem Wasserleitungen und bis zu 14 Meter tiefe Brunnen, Keramikgefäße und reich verzierte Ofenkacheln, ein Goldtaler aus Florenz (1304), drei Pilgerzeichen, ein Messingpferdchen, das als Gewicht gedient hat, ein Münzschatz, der in einer Walnuss versteckt war (16. Jahrhundert), eine Bleifigur mit magischen Zeichen, ein Babyschnuller (17.

Jahrhundert), ein seidenes Haarnetz und vieles mehr.

Wie und wann die Funde der wohl größten und längsten archäologischen Grabung in MV in einer Ausstellung zu sehen sein werden, ist allerdings nicht klar. Das Stralsund Museum denkt jedoch über eine Sonderschau nach.

Das Buch „Quartier 17“ gibt es zum Preis von 15 Euro im Stralsund Museum oder unter www.kulturwerte-mv.de.

Projekt war lange umstritten

Der Gebäudekomplex „Quartier 17“ wurde zwischen 2011 und 2013 für 33Millionen Euro von der TLG Immobilien im Karree zwischen Ossenreyer-, Baden-, Kleinschmied- und Heilgeiststraße (Quartier 17) gebaut. Dort befand sich zuvor eine große Freifläche mit Springbrunnen, einem Spielplatz und Möglichkeiten zum Entspannen.

Ursprünglich war das Areal , das auch Rathausplatz genannt wurde, bebaut. Die Häuser wurden beim Bombenangriff auf Stralsund am 6. Oktober 1944 zerstört und nicht wieder aufgebaut.

Den ersten Grundstein für die Neubebauung legte 2008 der damalige Bundesbauminister WolfgangTiefensee (SPD). Gut ein Jahr später sollte bereits Eröffnung gefeiert werden.

Der Investor gab jedoch auf. Lange verschandelte eine Baugrube das Stadtzentrum. 2011 ging es mit der TLG Immobilien als Investor weiter.

Viele Stralsunder sahen das Projekt kritisch, da der Rathausplatz sehr beliebt war. Inzwischen ist das kleinteilig wirkende „Quartier 17“, das die mittelalterliche Struktur des Quartiers weiterhin erkennen lässt, mit seinen vielen Einkaufsmöglichkeiten, Wohnungen und Büros nicht mehr aus dem Stadtzentrum wegzudenken.

Jens-Peter Woldt

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel

Bap tritt am 15. Dezember in der Stadthalle auf / Sänger Wolfgang Niedecken (65) verspricht einen hohen Mitsingfaktor und erklärt seine Verbindung zu den Puhdys

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Grimmen
Verlagshaus Grimmen

Bahnhofstraße 11
18507 Grimmen
Telefon: 03 83 26 / 46 07 84

Öffnungszeiten:
Montag bis Donnerstag
9.30 bis 16.30 Uhr

Leiterin Lokalredaktion: Almut Jaekel
E-Mail: lokalredaktion.grimmen@ostsee-zeitung.de

Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Termine, Events, Veranstaltungen Teaser der den User auf die Seite "Termine" führen soll image/svg+xml Image Teaser Termine 2015-09-23 de Veranstaltungen Aktuelle Termine Konzerte, Kino, Ausstellungen, Vorträge, Theater, Workshops, Tanz und noch vieles mehr. Alle Veranstaltungen und Freizeittipps in Ihrer Nähe finden Sie hier.
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
RSS-Feeds

Wissen, was in Rostock und der Welt los ist

Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Lererbriefe, Meinung, Teaser der den User auf die Seite "Leserbriefe" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Leserbriefe“ 2015-09-23 de Meinung Ihre Leserbriefe Über unser Kontaktformular können Sie uns gern Lob, Kritik, Ideen oder andere Anmerkungen zu aktuellen Themen aus Ihrer Region, MV und der Welt zusenden. Wir freuen uns auf Ihre Meinung. Hier geht es zum Formular.