Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Grimmen Stralsunds „Dr. Sommer“ weiß nicht nur alles über Sex
Vorpommern Grimmen Stralsunds „Dr. Sommer“ weiß nicht nur alles über Sex
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:05 10.02.2017
In der Beratungsstelle ist ein HIV-Schnelltest möglich.

Immer mehr junge Menschen suchen Hilfe, wenn es um Sex geht. „Die Zahl der persönlichen und telefonischen Gespräche und Anfragen per Mail ist enorm gestiegen“, erklärt Ulrike Vogel, die in der Beratungsstelle zur Förderung der sexuellen Gesundheit (Berta) beim Chamäleonverein arbeitet. „2012 hatten wir 74 Beratungen, 2015 waren es bereits 294.“

Beratung des Chamäleonvereins wird gut angenommen

Auch die Möglichkeit der anonymen Online-Beratung, die es seit September 2015 gibt, wird gut angenommen. „Ich habe jeden Tag mindestens zwei Anfragen.“

Den Vergleich mit Dr. Sommer, die in der Jugendzeitschrift „Bravo“zu Themen rund um Sexualität berät, hat Ulrike Vogel schon öfter gehört. Doch das Aufgabengebiet von Ulrike Vogels, die Pädagogik, Soziologie und Psychologie studierte, ist viel weiter gefächert. „Wir beraten, leisten Präventionsarbeit und betreuen HIV-Positive“, fasst die 33-Jährige zusammen. Vier Leute mit dem HI-Virus sind derzeit bei ihr in Betreuung. „Bei uns gibt es außerdem die Möglichkeit, sich auf den Virus testen zu lassen. Die Zahl derer, die dieses Angebot nutzen, hat zugenommen“, erklärt Ulrike Vogel. 2012 waren es 16, 2015 schon 32.

Einen großen Raum nimmt die Präventionsarbeit ein. „Ich bin sehr viel an Schulen unterwegs.“ Oft wird der sogenannte Sexualität-Aids-Parcours gebucht, bei dem Kinder und Jugendliche altersgerecht viele Informationen erhalten. Doch auf dem Programm stehen auch Weiterbildungen und Fachvorträge für Erwachsene oder Elternabende. „Denn“, betont Ulrike Vogel, „es geht natürlich nicht nur um Sex.“

Vielmehr gehe es darum, Kinder, Jugendliche und Erwachsene für Themen wie sexualisierte Gewalt oder den Umgang mit Medien zu sensibilisieren. „Das spielt nun mal alles zusammen“, sagt die Sozialpädagogin und weist auf das große Thema „Sexting“ hin. „Es ist wichtig, Jugendliche darüber aufzuklären, wann sie sich strafbar machen, ganz abgesehen davon, welche Folgen so ein Mobben in den sozialen Medien für die Opfer haben kann.“

Zu den Veranstaltungen in den Schulen gehört es für Ulrike Vogel auch, über die Darstellung von Sexualität in den Medien zu sprechen. „Da wird oft ein falsches Bild gezeichnet.“ Das beweisen oft auch die Fragen, die Schüler vor der Veranstaltung anonym in eine Kiste stecken können, und die Ulrike Vogel im Verlauf der Stunde dann beantwortet. „Oft sieht man eben auch an der Wortwahl der Schüler, dass es da einen enorm großen Aufklärungsbedarf gibt. Denn sexualisierte Gewalt kann eben nicht nur körperlicher, sondern auch seelischer und verbaler Natur sein. Dazu gehört auch der Gebrauch von vulgären Ausdrücken.“ Da würde dann als erstes angesetzt werden.

Über eine Sache freut sich Ulrike Vogel: „Seit etwa zwei Jahren gehen die Schüler mit dem Thema Bi- oder Homosexualität viel offener um. Ich denke, dass das eindeutig damit zu tun hat, dass es kein Tabuthema mehr in der Gesellschaft ist.“ Nicht nur, dass es viele Fragen zu dem Thema gibt, viele Jugendliche outen sich auch immer früher.“

Mit der Online-Beratung bietet die Berta ein kostenloses und anonymes Portal. Eine wichtige Sache ist dem Verein mit dem Online-Angebot gelungen: „Wir wollen vor allem Menschen in den ländlichen Regionen die Möglichkeit der Beratung bieten“, erklärt Ulrike Vogel. Dass das gelungen ist, zeigen die Zahlen. Denn im Gegensatz zu den Anfragen aus der Stadt kommen dreimal so viele von Leuten aus dem ländlichen Raum. „Am meisten nutzen die 15- bis 18-Jährigen die Möglichkeit, sich online beraten zu lassen, gefolgt von den 19- bis 22-Jährigen.“ Die Themen, die anonym besprochen werden, drehen sich um Probleme mit Drogen, Sucht, der Sexualität oder in der Partnerschaft, HIV und Aids, aber auch um das Unzufriedensein mit sich selbst.

„Das nächste Projekt, das wir angehen wollen, ist die Beratung über Skype“, schaut Ulrike Vogel in die Zukunft. „So können wir auch Klienten erreichen, die nicht vor Ort sind oder nicht die Möglichkeit haben, zu uns zu kommen.“

Unkompliziert und anonym

294 Beratungen in persönlichen oder telefonsichen Gesprächen oder per Mail wurden im Jahr 2015 durchgeführt.

Seit Septmeber 2015 gibt es die Möglichkeit der anonymen und kostenlosen Online-Beratung zu den Themen Drogen, Sucht, Sexualität und HIV und AIDS. Täglich gehen dort mindestens zwei Anfragen ein.

Das Ziel der Mitarbeiter des Chamäleonvereins ist es, jede Anfrage innerhalb von 48 Stunden zu beantworten.

Die Beratungsstelle wird finanziert vom Landkreis Vorpommern-Rügen und dem Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lagus).

Die Online-Beratung ist unter www.berado.de zu erreichen

Miriam Weber

Leser sagen auf der Facebook-Seite der OZ ihre Meinung

10.02.2017

Dreierteam der Stralsunder Interventionsstelle bietet vielfältige Hilfe an

10.02.2017

Am Wochenende halten Befürworter und Gegener des Uni-Namenpatrons Kundgebungen ab

10.02.2017
Anzeige