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Grimmen Strandbesucher sollen Geld bezahlen
Vorpommern Grimmen Strandbesucher sollen Geld bezahlen
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00:00 21.03.2017
„„Wir haben die Abgabe beschlossen. Doch wir sind noch nicht so weit, sie auch einzunehmen.“„ Axel Vogt, Bürgermeister

Lubmin. 1,70 Euro soll in Zukunft bezahlen, wer an den Lubminer Strand möchte. So steht es schwarz auf weiß in der neuen Kurabgabesatzung des einzigen Seebads im Greifswalder Raum. Ihr zufolge will man in Lubmin auch Kinder im Alter ab sechs Jahren zur Kasse bitten, die mit Eltern, Bekannten oder Verwandten einen Tagesausflug an den Bodden unternehmen. Die Abgabe für sie wurde auf 85 Cent festgesetzt.

Im Sommer besuchen Tausende Tagesausflügler den Lubminer Strand. Quelle: Foto: Antje Brecht

Entrichtet werden sollen diese Beträge in der Zeit vom 1. Mai bis einschließlich 30. September und das von jedermann, der die Annehmlichkeiten des Seebads für ein paar Stunden in Anspruch nimmt. Für Schwerbeschädigte, Rentner, Schüler, Lehrlinge, Studenten und Arbeitslose gelten Ermäßigungen, löhnen aber müssen auch sie – wenn die Satzung denn angewendet wird.

Danach sehe es im Moment allerdings noch nicht aus, gibt Lubmins Bürgermeister Axel Vogt (CDU) zu verstehen. Zwar habe die Gemeindevertretung die Kurabgabe von Tagesbesuchern beschlossen, um so die bisher ungleiche Behandlung von Lubmin-Urlaubern (kurtaxepflichtig) und Tagesgästen (abgabefrei) de facto aufzuheben. Doch seien entscheidende Voraussetzungen nicht geklärt. „Strittig ist, ob wir teure Automaten anschaffen sollten und wenn ja, wie viele, um die Abgabe einzutreiben. Wir haben immerhin 19 Strandzugänge. Kopfzerbrechen bereitet uns auch die Kontrolle der Kurabgabezahlung“, schildert Vogt.

Die Idee, entsprechende Abgabeautomaten einzurichten, war von den Gemeindevertretern wegen der immensen Kosten ein ums andere Mal verworfen worden. Auch in Bezug auf die Kontrolle zeichnet sich in Lubmin derzeit keine Lösung ab. Die Seebadgemeinde selbst sei nicht befugt, eine Art Strandvogt einzusetzen, macht Vogt klar. Das Amt Lubmin hingegen, dessen Ordnungsbehörde im Sommer auch an Wochenenden Parkverstöße in den dann stark besuchten Ausflugsorten Lubmin und Loissin ahndet, habe nicht so viele Mitarbeiter, dass es die Zahlung einer Kurabgabe auch noch überprüfen könnte. In diesem Jahr werde man deshalb auf die Kurabgabe von Tagesgästen noch weitgehend verzichten müssen. „Wer sie fairerweise zahlen möchte, kann dies in unserer Kurverwaltung tun. Doch es bleibt erst einmal freiwillig“, stellt Vogt klar.

Der Lubminer Tourismus- und Gewerbeverein ist wie die Gemeindevertretung grundsätzlich für die Einführung einer Tageskurabgabe. Sie würde dem kleinen Seebad deutliche Mehreinnahmen bescheren, ist Vereinsvorsitzender Marco Hanke überzeugt. Tausende Menschen kämen an Hochsommertagen spontan ins Seebad, um hier zu baden und sich zu vergnügen. Wenn nur ein Bruchteil von ihnen die beschlossene Abgabe entrichte, klingele die Kasse, gibt Hanke zu verstehen.

Rein betriebswirtschaftlich, verdeutlicht Hanke, brächten Tagesbesucher dem Seebad nicht viel Umsatz. „Sie kommen, entrichten ihre Parkgebühr und ziehen zum Strand. Viele von ihnen bringen sich ihr Essen und Trinken mit, gehen also nicht einmal zu einem Imbiss oder in ein Lokal.“ Andererseits hinterließen Tagesbesucher viel Müll, den schlussendlich die Seebadgemeinde beseitigen müsse. „Ich halte es deshalb für sinnvoll, wenn die Kommune auch von Tagesbesuchern eine kleine Abgabe verlangt“, bekräftigt Hanke. Drei, vier Automaten an den meistfrequentierten Strandzugängen würden ihm fürs Erste genügen. Mit einer zusätzlichen Kontrolle von Strandbesuchern rechnet auch Hanke nicht.

Laut Lubmins Bürgermeister Axel Vogt hat nicht nur Lubmin das Problem, die Entrichtung der Kurabgabe durch Tagesbesucher zu kontrollieren. Auch andere, größere Seebäder täten sich da schwer. Etwa das Ostseebad Zinnowitz auf Usedom. Zwar beschäftige seine Gemeinde einen Mitarbeiter, der im Sommer am Strand nach dem Rechten schaut. Doch könne dieser unmöglich Tausende Menschen am drei Kilometer langen Küstenabschnitt nach der Kurabgabequittung fragen, gibt Bürgermeister Peter Usemann zu verstehen. Bislang gibt es in dem bekannten Usedomer Ostseebad nur einen Kurabgabeautomaten. Im kommenden Jahr will die Gemeinde allerdings mehrere zusätzliche Automaten an Parkplätzen aufstellen. Morgen werden die Gemeindevertreter von Zinnowitz zudem über eine Anhebung der Kurtaxe für Tagesgäste abstimmen: Drei Euro sollen sie ab dieser Saison bezahlen.

Das Ostseebad Karlshagen auf der Insel Usedom leistet sich mehrere Kurabgabeautomaten und gleich zwei Strandvogte in der Saison. „Sie kontrollieren auch, ob die Tagesbesucher ihre Kurabgabe bezahlt haben“, sagt Bürgermeister Christian Höhn. Alle Tagesbesucher zu überprüfen, sei aber ein Ding der Unmöglichkeit. „Da ist auch viel Vertrauen unsererseits im Spiel“, räumt Höhn ein. Mit den Automaten erinnere man Tagesgäste zumindest an ihre moralische Verpflichtung, die großen Aufwendungen des Seebads teilweise zu honorieren, betont Karlshagens Gemeindeoberhaupt.

Sven Jeske

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