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Strompreis wird weitgehend von Abgaben bestimmt

Strompreis wird weitgehend von Abgaben bestimmt

OZ sprach mit dem Geschäftsführer der Greifswalder Stadtwerke, zu denen seit 2014 auch die Grimmener Stadtwerke gehören

Die Greifswalder Stadtwerke, zu denen auch die Grimmener Stadtwerke gehören, stellen sich neu auf. 2017 sollen die Sparten Wasser, Fernwärme, Strom und Gas unter einem Dach vereint sein. Was versprechen Sie sich davon?

 

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Thomas Prauße, Geschäftsführer der Stadtwerke Greifswald.

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Thomas Prauße: Es gibt ständig neue Herausforderungen, wie die Energieeinsparverordnung oder der Umstieg auf die regenerativen Energien. Die bisher bestehenden kleinen Gesellschaften sind daher nicht zukunftsfähig. Darum vereinen wir sie unter einem Dach. Kernkompetenzen sind bei Gas, Strom, Wasser und Fernwärme jeweils die Erzeugung, der Verkauf und die Verteilung über die Netze.

Diese drei Bereiche wird es künftig geben. Außerdem werden die kaufmännische Verwaltung und die Informationstechnologie aufgewertet, so dass wir insgesamt fünf Bereiche haben.

Bedeutet das Entlassungen?

Prauße: Nein, das haben wir auch dem Betriebsrat gesagt. Die Umstrukturierung erfolgt gemeinsam mit der Belegschaft.

Sinken infolge höherer Effektivität Preise für Gas und Elektroenergie?

Prauße: Wir haben Gas zuletzt günstig einkaufen können und das an die Kunden weitergegeben. Aber der Preis bei Strom wird zu über 90 Prozent durch Steuern, Umlagen und die Kosten für die Nutzung der Netze von edis und 50Hertz bestimmt. Der Rest bleibt für unsere Kosten, für Marketing und die Wahrnehmung sozialer Verantwortung für die Region. 2017 steigt erneut die Erneuerbare-Energien-Umlage. Wir werden wieder die Überbringer der schlechten Nachricht sein, dass Preise steigen, obwohl wir nichts dafür können.

Kann man schon konkrete Angaben machen?

Prauße: Nein. Die Entwicklung der Umlagen werden zum 15. Oktober 2016 und die der Netzentgelte endgültig erst zum 31. Dezember 2016 bekanntgegeben.

Nun gab es häufiger sinkende Erzeugerpreise. Kann man die nicht sofort an Kunden weitergeben?

Prauße: Nein. Um Sicherheit bei der Kalkulation zu haben und über Monate gute Preise anbieten zu können, schließen wir Lieferverträge in der Regel zwei Jahre im Voraus ab. Verlässt man sich auf den aktuellen Marktpreis, kann man Glück oder Pech haben.

Die Greifswalder Stadtwerke haben die Stadtwerke Grimmen übernommen. Könnte nicht eine weitere Vergrößerung, eine Fusion beispielsweise durch die Übernahme von Stralsund, den Stadtwerken nützen?

Prauße: Wir kooperieren mit anderen Stadtwerken wie den Stralsundern beispielsweise bei der Schaffung profitabler Speicher und bei der Marke local energy. Aber Übernahmen oder die Bildung größerer Einheiten planen wir nicht.

Die Stadtwerke wollten immer eigenen Windstrom erzeugen. Ist das noch aktuell?

Prauße: Leider mussten wir unsere Pläne für das Windfeld Sundhagen/Dömitzow wegen eines Schreiadlervorkommens aufgeben. Aber es bleibt strategisches Ziel, eigenen Windstrom zu erzeugen.

Und wie steht es um die Erzeugung von Biogas? Dafür gab es ja schon Pläne für eine Anlage im Greifswalder Gewerbegebiet Herrenhufen.

Prauße: Wir erzeugen beim Abwasserwerk bereits Strom mit Hilfe von Faulgas, vor allem für den Eigenbedarf. Darüber hinaus gibt es keine Pläne, weil die Biogaserzeugung für uns nicht profitabel wäre. Uns stehen nicht genug pflanzliche Rohstoffe zur Verfügung. Außerdem ändern sich laufend die Gesetze, so dass die Risiken hoch sind.

Könnte man nicht zum Beispiel das Schilf nutzen, das über Paludikultur in den vorpommerschen Mooren erzeugt wird?

Prauße: Schilf ist vergleichsweise energiearm und der Prozess der wirtschaftlichen Erzeugung von Biogas noch nicht ausreichend erforscht.

In Malchin gibt es ein Heizkraftwerk, in dem Schilf verbrannt wird. Wäre das auch für die Stadtwerke Greifswald denkbar?

Prauße: Solchen Projekten stehen wir offen gegenüber. Sie wären aber genau zu prüfen.

Andere Städte setzen in ihrer Strategie neuerdings auf die Geothermie, die Nutzung der Erdwärme. Ist das für Sie ein Thema?

Prauße: Nein, der Aufwand ist hier bei uns einfach zu hoch. Das ist im Rheingraben sicher anders. In Greifswald liegen die Erdschichten mit ausreichend hohen Temperaturen zu tief. Man könnte ein Forschungsprojekt auflegen, aber nachhaltig ist Geothermie in Greifswald nicht.

Apropos Nachhaltigkeit: Die ersten Windmühlen müssen ersetzt werden. Was wird aus den alten?

Prauße: Da sprechen Sie ein wichtiges, ungelöstes Problem an, das auch für Kernkraftwerke und Photovoltaikanlagen gilt. Die Wiederverwendung ist nicht geklärt. Die Stahlmasten der Mühlen können wieder eingeschmolzen werden, aber in den Rotoren und den Photovoltaikpaneelen sind so viele wertvolle Stoffe, die nicht deponiert, sondern recycelt werden müssten. Daran muss gearbeitet werden.

Zur Stadtwerkeholding gehört auch noch das BiG, einstige Berufsschule des Kernkraftwerkes Greifswald. Als der Markt der Weiterbildung und überbetrieblichen Ausbildung zusammenbrach, sorgte das Bildungszentrum mit ambitionierten Plänen für Aufsehen: Ausbildung für China, Gründung einer dualen Fachhochschule – beides scheiterte. Das BiG soll ja nur dank seines erklecklichen Vermögens aus DDR-Zeiten noch existieren. Wird es die Einrichtung in zehn Jahren noch geben?

Prauße: Das BiG ist heute wieder sehr gut aufgestellt und hat 38 Beschäftigte. Wir haben in den letzten beiden Jahren die Fehler der Vergangenheit zusammen mit der neuen Geschäftsführerin Dorit Wehling korrigiert. Das war harte Arbeit. Die Fehler der Vergangenheit haben allerdings Geld gekostet.

Worauf konzentriert sich das Unternehmen jetzt?

Prauße: Auf das Kerngeschäft, die Aus- und Weiterbildung in technisch-gewerblichen, kaufmännischen Berufen sowie die Vorbereitung der beruflichen Rehabilitation. Wir engagieren uns auch bei der Sprachausbildung und der Integration von Flüchtlingen.

Aber der Ausbildungsmarkt ist weiter rückläufig

Prauße: Ja, und darum wird jährlich genau abgerechnet und alle zwei Jahre das Konzept überprüft.

Grimmen „geschluckt“

2014 hatten die Stadtwerke Greifswald die Anteile der Stadt Grimmen an den Grimmener Stadtwerken übernommen und sind seither alleinige Gesellschafterin der Grimmener Stadtwerke.

Die Stadt Grimmen als 51-prozentige Gesellschafterin hatte seinerzeit die notwendigen Kapitalerhöhungen nicht aufbringen können. Um den Fortbestand der Stadtwerke zu gewährleisten, hatten die Stadtwerke Greifswald damals von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch gemacht.

Die von den Stadtwerken Greifswald durchgeführte Kapitalerhöhung von fast 2,7 Millionen Euro sei eine gute Basis für den erfolgreichen Fortbestand der Grimmener Stadtwerke, hieß es 2014 in einer Mitteilung. In Grimmen gibt es rund 2 100 Stromkunden, davon 130 Gewerbekunden und 450 Gaskunden.

Interview von Eckhard Oberdörfer

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