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Theater rutscht tief in die roten Zahlen

Stralsund/Greifswald Theater rutscht tief in die roten Zahlen

In diesem Jahr soll das Defizit auf 611 000 Euro steigen / Besonders Sommerbespielung verursacht Verluste / Um die Bühne vor Insolvenz zu retten, zahlt das Land eine Nothilfe

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Das Ballett „Casanova“, inszeniert von Ralf Dörnen, ist ab März wieder im Stralsunder Theater zu sehen.

Quelle: Gunnar Luesch

Stralsund. Akute Insolvenz-Gefahr am Theater Vorpommern: Obwohl die Besucherzahlen des Bühnenbetriebes zuletzt deutlich angestiegen sind, ist das Haus bereits vor einigen Monaten in die roten Zahlen gerutscht. Dies geht aus einem internen Papier des Beteiligungsmanagements der Hansestadt Greifswald hervor, das der OZ vorliegt. Damit wird jetzt erstmals bekannt, wie dramatisch sich die finanzielle Situation zugespitzt hat. Demnach verfehlte das Theater 2015 die schwarze Null um gut 409000 Euro. In diesem Jahr rechnet Intendant und Geschäftsführer Dirk Löscher sogar mit einem Minus von 611000 Euro. Die Hansestädte Greifswald und Stralsund sind mit dem Landkreis Vorpommern-Rügen die Gesellschafter des Theaters.

Weniger Neuproduktionen, Wegfall eines Tanzprojekts

Mit einem ganzen Bündel an Maßnahmen soll am Theater gespart werden. Dazu gehört beispielsweise der Wegfall eines größeren Tanzprojektes. Zudem sollen höhere Eintrittspreise in diesem Jahr 90000 Euro mehr in die Kasse spülen. Und es kommen weniger Neuproduktionen auf die Bühne.

Um die Pleite gerade noch abzuwenden, hat Löschner Kultusminister Mathias Brodkorb (SPD) erneut um einen Notgroschen gebeten. 350 000 Euro erhält das Theater nun zusätzlich vom Land, um in diesem Jahr über die Runden zu kommen.2015 hatte die Landesregierung eine finanzielle Nothilfe über 299000 Euro gewährt, nachdem der Intendant Alarm geschlagen hatte. Zugleich musste das Theater hohe Summen aus seiner finanziellen Rücklage entnehmen, um nicht in die Zahlungsunfähigkeit zu rutschen. Im Jahr 2015 sind daraus 110000 Euro abgezweigt worden. In diesem Jahr sollen für die wirtschaftliche Sicherung der Bühnenhäuser in Greifswald, Stralsund und Putbus rund 250000 Euro aus der Rücklage aufgewendet werden. Zusätzlich sind Einsparungen geplant.

Nach Angaben des Beteiligungsmanagements im Greifswalder Rathaus sei schon im Mai vergangenen Jahres absehbar gewesen, dass das Theater ohne externe finanzielle Hilfe des Landes aus den roten Zahlen nicht herauskommt. Zu diesem Zeitpunkt stand bereits ein Minus von 124000 Euro in den Büchern, das „nach Aussage des Geschäftsführers nicht mehr im Laufes des Geschäftsjahres abgebaut werden kann“, heißt es in dem Papier.

Das Defizit hat verschiedene Ursachen. So habe beispielsweise die Openair-Bespielung „Ahoi — mein Hafenfestival“ im Sommer 2015 ein Minus von 46000 Euro erzeugt. Zugleich blieben einkalkulierte Sponsoringgelder in Höhe von 35000 Euro aus. Auch die im selben Jahr eingeplanten Reisekosten der Künstler reichten bei weitem nicht aus. Sie lagen 85000 Euro über der im Wirtschaftsplan vorausberechneten Summe. Die Gastspiele waren insgesamt 62000 Euro teurer als geplant.

Im Vergleich zum Mecklenburgischen Staatstheater ist die Höhe der Nothilfen, mit der Kultusminister Brodkorb eine Insolvenz des Theaters Vorpommern abgewendet hat, aber eher bescheiden. Die Haus- und Hofbühne der Landesregierung hat allein im vergangenen Jahr 1,2 Millionen Euro zusätzlich erhalten. Zudem stellt das Land dem Schweriner Theater eine schick sanierte Immobilie mit modernster Bühnentechnik mietfrei zur Verfügung.

Das Kultusministerium gefällt sich in seiner Rolle als Retter des Theaters Vorpommern. „Mit der frühzeitigen Zusicherung einer zusätzlichen Finanzierung von bis zu weiteren 350000 Euro kommt das Land einem Wunsch, insbesondere des Intendanten nach, um das Theater solide betreiben zu können“, betont Sprecher Henning Lipski. Das Land dokumentiere damit seine Bereitschaft „für die Theater möglichst gute Arbeitsbedingungen zu schaffen.“

Mit einer Steigerung auf zuletzt 182 000 Zuschauer ist das Theater Vorpommern besucherstärkstes Theater in MV. Die Bühne bekommt von der Landesregierung jedes Jahr eine Grundförderung über knapp 5,5 Millionen Euro. Die Summe ist seit 22 Jahren nicht erhöht worden.

 



Benjamin Fischer

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Stralsund
Das Ballett „Casanova“, inszeniert von Ralf Dörnen, ist ab März wieder im Stralsunder Theater zu sehen.

Trotz steigender Besucherzahlen verursachen die Bühnen in Stralsund, Greifswald und auf Rügen ein Minus von mehreren Hunderttausend Euro.

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