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Johannes Pilgrim erzählt über das Niederdeutsche Bibelzentrum in Barth

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Johannes Pilgrim hat das Niederdeutsche Bibelzentrum mit aufgebaut und war seit 2007 dessen Leiter.

Quelle: Peter Schlag

Ribnitz-Damgarten. Das Niederdeutsche Bibelzentrum in Barth ist ein ganz besonderer Ausflugstipp. Mit dem Leiter Johannes Pilgrim unterhielten wir uns über die Barther Bibel, Luthers Bedeutung für die Geschichte und das Schöne an der plattdeutschen Sprache.

Warum sollte man das Niederdeutsche Bibelzentrum besuchen?

Johannes Pilgrim: Besucher erfahren bei uns viel über die Regional- und Stadtgeschichte. Die Barther Bibel, die aus dem Jahr 1588 stammt, ist ein sehenswertes und besonderes Beispiel für die Handwerkskunst des 16. Jahrhunderts. Und das Gebäude ist als ehemaliges Lepra-Hospital schon ein Museum an sich.

Das Thema Bibel und Luther ist derzeit mehr im Blickpunkt als sonst. 2017 können wir 500 Jahre Reformation begehen.

Pilgrim: Ein wichtiges Datum, auch in Verbindung mit der Erfindung des Buchdruckes. Im Bibelzentrum findet sich vieles in Zusammenhang mit der Reformation. Man sollte nicht vergessen, dass ohne Luther in der Geschichte manches anders verlaufen wäre.

Haben Sie im Bibelzentrum eigentlich ein Lieblingsexponat?

Pilgrim: Das Würfel-Puzzle. Ursprünglich ist es, in Zusammenarbeit mit Designer Wolfgang Sohn, aus einem Zeichenwettbewerb heraus entstanden. Schüler der fünften Klassen befassten sich damals, 2001, mit der Schöpfungsgeschichte. Mit den Sieger-Zeichnungen sind bei uns 40 mal 40 Zentimeter messende Sitzwürfel gestaltet worden. Ich finde, das ist eine schöne Sache, eine spielerische Auseinandersetzung mit einer biblischen Geschichte.

Das Bibelzentrum ist ein niederdeutsches. Wo haben Sie Platt gelernt?

Pilgrim: Von den Großeltern, auf deren Hof, wo ich in den Ferien immer war. Sie haben mir Prignitzer Platt beigebracht. 1964 ist unsere Familie dann nach Mecklenburg gezogen.

Wie wichtig ist Ihnen die Pflege dieser Mundart?

Pilgrim: Sehr wichtig. Wir fördern hier vieles im Niederdeutsch-Bereich. Ich bin ja auch Mitglied im Niederdeutsch-Arbeitskreis bei Minister Brodkorb. Diese Mitgliedschaft zeigt ein wenig auch die Anerkennung für unsere Einrichtung.

Was mögen Sie an Platt besonders? Pilgrim: Es ist humoriger, es huscht immer ein Lächeln übers Gesicht. Platt ist eine Bereicherung.

Woher kommen die Gäste des Bibelzentrums?

Pilgrim: Das ist breit gestreut. Wir haben viele Besuchergruppen aus Mecklenburg-Vorpommern, aus Schleswig-Holstein und Brandenburg. Viele Gäste sind Urlauber, auch aus Österreich und der Schweiz. Bei uns im Flur hängt eine große Karte, auf der Stecknadeln zeigen, woher unsere Besucher bereits kamen. Es zeigt, dass wir insgesamt ein sehr internationales Publikum haben.

Und vom Alter her?

Pilgrim: Unsere Arbeit ist mit vielen pädagogischen Angeboten verbunden, deshalb haben wir zum Beispiel regelmäßig Schulklassen bei uns. Kürzlich hatten wir eine Wismarer Schule zu Gast, mit zehn Klassen. Mehrere Kitas kommen regelmäßig.

Welche Projekte entwickelt man da?

Pilgrim: Zum Beispiel „5000 Jahre Buch“, dabei zeigen wir auch, wie kostbar Bücher waren und sind. Früher hatten sie deshalb Buchschließen.

Welche Anregungen geben die Besucher?

Pilgrim: Acht Zehntel dessen, was ich referiere, ist aus Anregungen erwachsen, aus Gesprächen mit Fachleuten unter den Besuchern. Ob das Niederdeutsch ist, Buchkunst, oder das Thema Bibelgarten. Ich bin da sehr bereichert worden, es hat manchen Impuls gegeben.

Es gab eine Zeit, in der dem Haus, das ehemals das Hospital Sankt Jürgen war, nicht viele eine Zukunft gaben. Insofern ist die Entwicklung erstaunlich und erfreulich.

Pilgrim: Will man ein historisches Haus retten, braucht es einen Nutzungszweck. 80 Prozent der Bausubstanz waren damals ja o.k. Mit der Barther Bibel hatten wir ein besonderes Objekt, um das herum sich anderes aufbauen ließ.

2001 konnte das Haus am Reformationstag dann eröffnet werden. Bei uns begegnen Menschen dem Thema Bibel, wir können Zusammenhänge erklären. Wir fördern Allgemeinwissen. Pro Jahr kommen etwa 10000 Besucher zu uns ins Bibelzentrum.

Das lässt sich nur mit einem guten Team aufrecht erhalten.

Pilgrim: Stimmt. Über die Jahre ist ein großes Team entstanden, auch über ehrenamtliches Engagement. Die Mitarbeiter fühlen sich mit dem Bibelzentrum sehr verbunden. Für die tolle Zusammenarbeit bin ich sehr dankbar.

Wobei eine solche Einrichtung auch Wandel braucht.

Pilgrim: Ein Museum muss sich natürlich immer neu erfinden. Das ist bei uns nicht anders. Wie stellen wir Exponate dar und vor, wie beziehen wir die Gäste mit ein. Bei uns kommt die pädagogische Arbeit mit den verschiedenen Besuchergruppen dazu. Wir haben deshalb eine durchschnittliche Verweildauer pro Besucher von vier Stunden.

Welche Wünsche gibt es?

Pilgrim: Der weitreichendste: Es wäre schön, erweitern zu können. Das Marketing-Konzept ist wichtig. 2017 sollen weitere Parkmöglichkeiten geschaffen werden.

Sie gehen in den Ruhestand. Welche Pläne gibt es?

Pilgrim: Es braucht erst mal einige Zeit und Kraft, um aus dem Bezug zum Bibelzentrum heraus zu kommen. Ansonsten stehen endlich Familie und Freunde obenan. Dafür war oft nicht ausreichend Zeit. Aber solange einer mit Engagement arbeitet, ist er wenig Herr seiner Zeit.

Interview von Peter Schlag

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