Volltextsuche über das Angebot:

26 ° / 15 ° Regenschauer

Navigation:
Trotz Handicap: Traumjob in der Pflege

Grimmen Trotz Handicap: Traumjob in der Pflege

26-jährige hörgeschädigte Frau arbeitet als Altenpflegehelferin im „Haus Sandra“

Voriger Artikel
Gefahrgut-Transporter verunglückt auf der A 20
Nächster Artikel
Winterlinde zum Vereins-Jubiläum gepflanzt

Die hörgeschädigte Jessica Peetz (r.) mit Kollegin Silvana Jung und Haus-Sandra-Bewohnerin Monika Jagalski.

Quelle: Anja Krüger

Grimmen. Jessica Peetz strahlt, wenn sie über ihre Arbeit erzählt. Die 26-jährige ist Altenpflegehelferin im „Haus Sandra“ in Grimmen — einer Einrichtung für betreutes Wohnen. Selbstverständlich ist es für sie nicht, dort arbeiten zu dürfen. Sie hat seit frühester Kindheit eine Hörschädigung, die es ihr nicht leicht machte, die berufliche Erfüllung zu finden.

Auch mit einer Hörschä-

digung kann man etwas schaffen, etwas aus seinem Leben machen.“Jessica Peetz (26)

Wer mit Jessica Peetz erzählt, muss langsam und deutlich sprechen, sie dabei anschauen und vor allem gut zuhören. Denn durch ihr Handicap fiel es ihr entsprechend schwer, sich zu artikulieren. Und trotzdem habe sie für sich den Traumjob gefunden, findet sie. „Ich habe viele schlechte Erfahrungen vorher gemacht“, sagt sie. Um so glücklicher sei sie jetzt in Grimmen. Die gebürtige Berlinerin absolvierte eine Ausbildung zur Hauswirtschafterin. „Sehr viel wird uns nicht zugetraut“, bedauert sie. Verschiedene Jobs habe sie nach der Lehre gehabt. Wohl gefühlt habe sie sich selten. „Die Kollegen hatten kaum Verständnis für meine Beeinträchtigung. Auch Mobbing habe ich erlebt“, erzählt sie. Eins wurde ihr aber bewusst. Sie liebt die Arbeit mit Senioren. „Ich wollte so gern eine zweite Ausbildung zur Altenpflegerin machen. Aber das Arbeitsamt zahlt diese nicht, weil ich eine abgeschlossene Lehre habe“, berichtet sie.

Von ihrem Traum brachte sie das nicht ab. Jessica Peetz ist eine Kämpfernatur. Im Sommer 2014 kam sie der Liebe wegen nach Grimmen. Diese ging zwar in die Brüche, aber dennoch fand sie hier ihr Glück — wenn auch nicht gleich. Zunächst begann sie ein freiwilliges soziales Jahr im DRK-Krankenhaus in Bartmannshagen. „Das war sehr schwer. Ich habe vieles nicht verstanden“, erzählt sie offen. Im Kursana- Domizil wurde ihr schließlich eine befristete Stelle angeboten. Ihr Arbeitsvertrag dort wurde zwar nicht verlängert, aber sie machte eine für sie wichtige Bekanntschaft. „Ich habe den Vater von der Pflegedienstleiterin von AKP kennengelernt“, erzählt sie. Das Unternehmen baute gerade das „Haus Sandra“ auf. Der Mann setzte sich für Jessica ein.

„Das wird nichts, war mein erster Gedanke“, sagt Marlies Hoffmeyer, Pflegedienstleiterin bei der AKP GmbH ehrlich. Eine Chance hat sie Jessica Peetz dennoch gegeben und ließ sich eines Besseren belehren. „Es stellte sich heraus, dass Jessica eine Ader für den Beruf hat. Sie ist sehr sehr einfühlsam, geht auf die Wünsche unserer Bewohner ein und diese schätzen Jessica sehr“, lobt die 58-jährige Pflegedienstleiterin. Und im Team — 15 Mitarbeiter kümmern sich rund um die Uhr um die Bewohner — sei Jessica Peetz ein gleichwertiges Mitglied. „Ich hatte noch nie so tolle Kollegen wie hier“, sagt sie selbst. Sie habe nach der Trennung von ihrem Freund darüber nachgedacht, wieder nach Berlin zurück zu kehren, da ihre gesamte Familie dort lebt. „Aber hier habe ich einen so tollen Job und bin sehr glücklich“, begründet sie ihre Entscheidung — zu bleiben. „Als Familienersatz sind wir ja da“, sagt Kollegin Jessica Jung (34), die für Jessica Peetz so etwas wie eine Mentorin geworden ist. „Wir profitieren voneinander“, sagt sie. Denn während Jessica seit ihrer Anstellung im September vergangenen Jahres viel mehr kommunizieren würde und sich dadurch ihre Artikulation mehr und mehr verbessert, würde das Team nebenbei ein wenig Gebärdensprache lernen.

Für Jessica Peetz ist an dieser Stelle aber noch nicht Schluss ihrer beruflichen Träume. „Ich möchte weiterkommen“, sagt sie. Eine morgen beginnende Fortbildung sei für sie ein nächster Schritt.

„Auch mit einer Hörschädigung kann man etwas schaffen, etwas aus seinem Leben machen“, sagt sie — und das aus voller Überzeugung.

Von Anja Krüger

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Greifswald
Rotarier Reinhard Nikschick (l.) sammelt mit Rotaraktern im Getränkeland-Markt in der Warschauer Straße Plastdeckel.

Greifswalder Rotary Club unterstützt mit den Getränkeland-Märkten die Impfung von Kindern in armen Ländern

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Grimmen
Verlagshaus Grimmen

Bahnhofstraße 11
18507 Grimmen
Telefon: 03 83 26 / 46 07 84

Öffnungszeiten:
Montag bis Donnerstag
9.30 bis 16.30 Uhr

Leiterin Lokalredaktion: Almut Jaekel
E-Mail: lokalredaktion.grimmen@ostsee-zeitung.de

Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Termine, Events, Veranstaltungen Teaser der den User auf die Seite "Termine" führen soll image/svg+xml Image Teaser Termine 2015-09-23 de Veranstaltungen Aktuelle Termine Konzerte, Kino, Ausstellungen, Vorträge, Theater, Workshops, Tanz und noch vieles mehr. Alle Veranstaltungen und Freizeittipps in Ihrer Nähe finden Sie hier.
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
RSS-Feeds

Wissen, was in Rostock und der Welt los ist

Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Lererbriefe, Meinung, Teaser der den User auf die Seite "Leserbriefe" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Leserbriefe“ 2015-09-23 de Meinung Ihre Leserbriefe Über unser Kontaktformular können Sie uns gern Lob, Kritik, Ideen oder andere Anmerkungen zu aktuellen Themen aus Ihrer Region, MV und der Welt zusenden. Wir freuen uns auf Ihre Meinung. Hier geht es zum Formular.