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Vater fordert kostenlose Kita

Grimmen Vater fordert kostenlose Kita

Wegen der Erhöhung der Kita-Gebühren ruft ein Grimmener auf, sich einer Volksinitiative anzuschließen

Grimmen. Kostenfreie Kita-Plätze in Mecklenburg-Vorpommern und damit die Entlastung der Eltern und Familien fordert eine Volksinitiative an den Landtag. Und diese Aktion will Matthias Beilke, Vater einer kleinen Tochter, die in der Kita „Villa Kunterbunt“ in Grimmen betreut wird, unterstützen. Er ruft deshalb andere Eltern und Interessenten auf, ihre Unterschrift auf die Liste der Volksinitiative zu setzen. Zumindest soll damit ereicht werden, dass die Finanzierung der Kita-Plätze in Mecklenburg-Vorpommern zu 75 Prozent durch das Land erfolgt.

 

OZ-Bild

Michael Homuth (45, l.) und Frithjof Lange (35) mit Kindern aus der Kita „Sonnenschein“ in Neuburg bei Wismar. Sie haben mit anderen Eltern die Initiative gestartet, die sich dafür einsetzt, dass sich das Land stärker an den Kita-Kosten beteiligt.

Quelle: Sylvia Kartheuser

„Die Gebührensteige-ung von knapp 100 Prozent ist für uns Eltern unakzeptabel.“Matthias Beilke

Ausschlaggebend, sich in dieser landesweiten Initiative zu engagieren, war für Matthias Beilke ein Änderungsvertrag zum bestehenden Betreuungsvertrag seiner Tochter. Danach stieg das Betreuungsentgelt für den Ganztagsplatz in der Krippe von 134 Euro im Monat ab dem 1. Mai 2016 auf 258 Euro. Zuzüglich Essengeld.

„Die tatsächlichen Kosten – vor allem für den Krippenbereich – haben sich so nach oben entwickelt, dass auch die Gebühren für Eltern und Gemeinden ansteigen mussten“, sagt Beate Kottke, Geschäftsführerin des Trägervereins „Jugendfreizeit e. V.“ der Kita „Villa Kunterbunt“.

Kottke erklärt das Prozedere: „Wenn wir sehen, dass wir mit den Gebühren nicht mehr zurechtkommen, müssen wir neu mit dem LandkreisVorpommern-Rügen und den Gemeinden verhandeln. Das haben wir jetzt getan, die anderen Kitas werden folgen.“

Die Betriebskosten, wie beispielsweise die Strompreise seien wie überall angestiegen, aber auch die Kosten fürs Personal.

Aufgrund des Fachkräftemangels sei es dringend notwendig gewesen, etwas fürs Personal zu tun. „Wenn man keine guten Fachkräfte im Erzieherbereich hat, kann man Eltern und Kindern auch keine guten Bedingungen anbieten. Und für diese guten Bedingungen muss man eben auch Geld in die Hand nehmen.“

Die Krippenplätze treffe es weitaus stärker als die Kindergartenplätze – besonders in Einrichtungen mit wenigen Krippenplätzen und weil der Betreuungsschlüssel mit einem Erzieher für sechs Knirpse wesentlich aufwendiger ist als im Kindergartenbereich (1:15).

Für die Eltern sei das aber auf jeden Fall eine enorme Mehrbelastung, weiß Beate Kottke. Deshalb findet sie die Aktion, die Matthias Beilke unterstützt, sehr gut. „Es wäre sehr schön, wenn auf politischer Ebene die Möglichkeit geschaffen wird, die Betreuungskosten zu übernehmen“, sagt sie. Aushänge zur Unterschriftenaktion gebe es deshalb auch in den Kitas des Jugendfreizeit-Vereins.

Matthias Beilke meint: „Nicht meckern, sondern handeln“ und war deshalb auch schon in anderen Grimmener Kitas unterwegs, um über die Aktion aufzuklären. Beilke: „Es gab bisher überall positive Resonanz.“

„Die Steigerung von knapp 100 Prozent ist für uns Eltern schlichtweg unakzeptabel“, sagt er. Er hält die Erhöhung der Elternbeiträge für einen fataler Fehler.

„Warum wird Eltern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf so schwer gemacht?“, fragt er. Alle würden davon reden, dass die Bundesrepublik zu wenige Kinder hat und wir dadurch Probleme in unserem Rentensystem haben. Alles würde sich ums Sparen drehen. „Aber muss dies auf Kosten der Kinder stattfinden, auf Kosten unserer Zukunft?“, mahnt er an. Auch ist er davon überzeugt, dass genug Geld da ist, nur werde es an falschen Stellen ausgegeben. „Oder wo kommen auf einmal 80 Millionen Euro für den Breitbandausbau her oder Milliarden für die aktuelle Flüchtlingspolitik?“, stellt der Vater Fragen in den Raum.

Seiner Meinung nach müssen Bund und Land den Kommunen mehr Geld zur Verfügung stellen, denn im Kindergarten werde der Grundstein für Sprache und soziale Kompetenzen gelegt. „Anstatt für sinnfreies Betreuungsgeld Geld auszugeben, müsse der Bund die Kommunen unterstützen, damit sie keine oder nur geringe Kita-Gebühren erheben“, fordert er.

Elternvertretern von Kitas des Amtsbereiches Neuburg in der Nähe von Wismar planen deshalb bereits eine deutliche Senkung der Elternbeiträge durch eine Gesetzesänderung bis hin zur kostenfreien Kita und starteten die Volksinitiative. Damit sich der Landtag überhaupt damit beschäftigt, müssen aber 15000 Unterschriften zusammenkommen. „Ich rufe alle interessierten Bürger, Erzieher, Kindergärten, Elternräte, Väter und Mütter auf, sich dieser Aktion anzuschließen und sie zu unterstützen“, betont Matthias Beilke.

Wer bezahlt für einen Kita-Platz?

Für den Besuch bei einer Tagespflegeperson oder in einer Kita in MV gibt es vier Zahlungspflichtige: das Land, die jeweiligen örtlichen Träger der öffentlichen Jugendhilfe, also die Landkreise beziehungsweise die Jugendämter, die Gemeinde und die Eltern. Das Land MV zahlt ab 2013 für jeden Vollzeitplatz 1283,16 Euro. Dieser Betrag steigt jährlich um zwei Prozent. Der Kreis Vorpommern-Rügen zahlt einen Betrag von 28,8 Prozent des Landesanteils. Den Rest teilen sich Gemeinde und Eltern, in der Regel zur Hälfte.

Ausgangspunkt sind dabei die zwischen den einzelnen Trägern und dem Jugendamt getroffenen „Vereinbarungen über Leistungen, Entgelt und Qualitätsentwicklungen“.

Weitere Förderungen durch das Land gibt es seit August 2012 für unter dreijährige Kinder von bis zu 100 Euro und für die Förderung der Kinder in Kindertageseinrichtungen und in Kindertagespflege im letzten Jahr vor deren voraussichtlichen Eintritt in die Schule (Vorschüler) von bis zu 80 Euro, die mit den Elternbeiträgen verrechnet werden. (Quelle Quelle: Kifög M-Vv. 1.

April 2004 i.d.F.v.12. Juli 2010).

Die Formulare für die Unterschriftenliste findet man im Internet unter www.kita-ostseekrabben.de. Dort gibt es auch alle wichtigen Informationen und einen Flyer. Wichtig ist jedoch, dass nur diese Unterschriftenlisten verwendet werden und keine selbst erstellten Listen.

Almut Jaekel

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