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Vereinsleute kritisieren Sportbundchef

Greifswald Vereinsleute kritisieren Sportbundchef

Der „Krieg“ mit dem Kreissportbund habe Schaden angerichtet, sagen viele / Vorwürfe an Petschaelis

Greifswald. In Greifswalder Sportvereinen herrscht Frust: Frust über den Streit, der monatelang zwischen dem Stadt- und dem Kreissportbund tobte (die OZ berichtete).

„Viele Vereine haben keine Lust mehr auf diese Schlammschlacht“, sagte etwa Klaus Bahl vom Greifswalder Boxclub am Mittwochabend in der Fischerschule.

Zur dortigen Jahresversammlung des Stadtsportbunds hatten gerade mal 19 von allen 90 Greifswalder Sportvereinen ihre Vertreter geschickt. „Das ist die Quittung“, meinte Dirk Mahlitz von der Handball SG.

„Krieg“ nennen einige Vereinsleute das, was im letzten Jahr passiert ist: Der Kreissportbund stellte seine Strukturen um, schloss alle Büros im Kreis und schuf eine Geschäftstelle in Anklam. Bernt Petschaelis als Vorsitzender des Stadtsportbunds Greifswald wollte das nicht akzeptieren, kämpfte erbittert um den Verbleib eines Büros in der Stadt. Über 50 Greifswalder Sportvereine erklärten schriftlich, sie wünschten sich eine solches Büro. Die Fronten im Streit mit dem Kreissportbund verhärteten sich. Und der zuvor in Greifswald beschäftigte Mitarbeiter Reinhard Bartl, der seit September nach Anklam hätte pendeln müssen, ist bis heute krankgeschrieben.

Ein „Graben zum Kreissportbund“ sei so entstanden, bedauerte Susanne Böttcher vom Greifswalder Ruderclub Hilda am Mittwoch. Dirk Mahlitz von der SG Handball schimpfte, weil „bestimmte Leute die 40 Kilometer nach Anklam nicht fahren wollen“, hätten Greifswalder Vereine nun beim Kreissportbund einen schweren Stand.

Auch den neuen Plan des Stadtsportbunds, jetzt zum 1. Januar selbst eine halbe Stelle für einen Hauptamtlichen in Greifswald zu schaffen (die OZ berichtete), stieß bei den Vereinsleuten auf Skepsis.

Petschaelis hatte anhand von drei Listen und zig Stichworten erklärt, man brauche einen hauptamtlichen Koordinator für alle 90 Sportvereine in Greifswald – jemanden, der sie berate, Sport-Veranstaltungen organisiere, ihre Interessen gegenüber der Politik vertrete, bei der Hallenbelegung und anderen Fragen mitrede. „Das können Ehrenamtliche allein nicht leisten.“ Susanne Böttcher vom Ruderclub allerdings sagte, für sie selbst sei gar nicht entscheidend, ob ein Ansprechpartner in Anklam oder Greifswald sitze. „Ich bin berufstätig und muss so oder so zum Telefonhörer greifen.“

Dirk Mahlitz formulierte noch schärfer: „Man sieht den Sinn der Stelle gar nicht ein!“ Fast alles, was Petschaelis aufgezählt habe, leiste der Kreissportbund ohnehin. Der sei ja weiter auch für Greifswald zuständig.

Stefan Kroos vom Greifswalder FC schien vor allem Sorge zu haben, dass auf dem neuen Posten die „falsche“ Person landen könnte. „Wir brauchen ein Sprachrohr, aber wir haben auch Ängste“, sagte er und deutete an, dass der Stadtsportbund manche Entscheidungen bisher nicht transparent getroffen habe. Sein Kollege Daniel Gutmann vom FC Greifswald schlug einen versöhnlicheren Ton an, appellierte an den Vorstand, das Thema nun transparent anzugehen. „Nehmt jemandem, der allen Vereinen als neutraler Ansprechpartner gilt“, sagte er. Dann fühlten sich vielleicht auch wieder mehr Vereine beim Sportbund aufgehoben.

Ob die neue Stelle überhaupt kommt, ist aber noch unsicher. Die Stadt hat zwar inzwischen entschieden, dem Stadtsportbund kostenlos zwei Räume im Volksstadion zur Verfügung zu stellen. Doch ob die Bürgerschaft zustimmt, 20000 Euro aus dem Stadthaushalt zu geben, wird sich frühestens im Februar entscheiden. Weitere 10000 Euro müsste der Stadtsportbund zudem über Sponsoren einwerben.

„Was ist denn der Plan B, wenn die Stelle nicht kommt?“, wollte Susanne Böttcher darum wissen. Doch diese Antwort blieb der Vorstand schuldig.

Sybille Marx

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