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Viele Sagen und ein unterirdischer Gang

Grellenberg Viele Sagen und ein unterirdischer Gang

Bis 2012 stand das Gebäude auf der Denkmalliste des Landkreises Nordvorpommern

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So sah das Gutshaus in Grellenberg im Jahre 1945 aus.

Quelle: Fotos: Archiv Wolfgang Marder (2), Raik Mielke (3), Bildarchiv Der Ostsee-Zeitung (2)/peter Franke, Peter Schlag

Grellenberg. Der Titel der Gutshausserie „Prunk, Zerfall und Wiederaufbau“ trifft beim Bau in Grellenberg nur in zwei Punkten zu.

OZ-Bild

Bis 2012 stand das Gebäude auf der Denkmalliste des Landkreises Nordvorpommern

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Quellen und Literatur

Marder, Wolfgang: Güter und Dörfer im Kreis Grimmen, 2008.

• Internet: http://www.gutshaeuser.de/guts_herrenhaeuser/gutshaeuser_g/gutshaus_grellenberg

Hatte das Gebäude eine lange Prunkphase, folgt seit Jahren der Zerfall. Nur der Wiederaufbau hat bis dato nicht stattgefunden. Dabei hat der etwas abseits vom Dorf und der ehemaligen Gutsanlage gelegene Bau eine lange und ereignisreiche Geschichte.

Aus den Quellen geht hervor, dass das Dorf bereits im Jahre 1307 als Grellenbergh erstmals urkundlich erwähnt wurde. Über mehrere Jahrhunderte war das Gut anschließend in Besitz der Familie von Lancken und der gräflichen Linie von Schwerin. Mitte des 17. Jahrhunderts besaß diese Familie neben Grellenberg auch die Güter in Leyerhof, Jessin, Borgstedt und Bassin. Durch die Übernahme bäuerlicher Hofstellen versuchten die Gutsbesitzer in jener Zeit, ständig ihren Besitz zu vergrößern.

Bisher ungeklärt und aus den Quellen auch nicht ersichtlich ist, warum das erste Gutshaus von Grellenberg in einer flachen Mulde an einer der tiefsten Stellen am Rande des Dorfes errichtet wurde.

Mehrfach brannte dieses Herrenhaus in den Jahrhunderten ab, wurde aber stets an selber Stelle wieder errichtet.

Die Wirtschaftsgebäude des Hofes standen im 18. Jahrhundert im später angelegten Park. Über jenen Ort ranken sich bis heute diverse Sagen. So wurde von Generation zu Generation mündlich überliefert, dass im angrenzenden Bruch die Schweden einen wertvollen Schatz vergraben hatten. Im großen Gutspark soll im Mittelalter zudem eine Wasserburg gestanden haben, von der aus ein Gang bis zum Schloss in Quitzin geführt haben soll. Etwas detaillierter ist die Geschichte des Guts Grellenberg seit dem Ende des 19. Jahrhunderts überliefert. Damals war die Familie Hecht Besitzer des Ritterguts. Die bedeutendste Person, die aus jener Generation im Gutshaus das Licht der Welt erblickte, ist Käthe Hecht. Sie galt später als eine der renommiertesten Tierpsychologinnen ihrer Zeit und praktizierte in Stralsund.

Im Jahre 1907 kaufte Julius Peters das Gut. Zusammen mit seinem Schwager Hans Peters, der bereits 1901 das Gut Jessin erworben hatte, unterstütze dieser noch vor dem Ersten Weltkrieg den Bau der Schule des Dorfes. Diese befand sich direkt an der Landstraße und wurde zum Bildungsort für die Kinder des Dorfes, und auch für die Jungen und Mädchen aus Jessin.

Zu diesem Zeitpunkt wurden auf dem Gut rund 290 Hektar bewirtschaftet. Julius Peters hatte sich auf die Schafszucht spezialisiert.

Nachdem er das Gut 15 Jahre lang hegte und pflegte, verpachtete er das Rittergut zunächst an die Familie Holsten und verlegte zugleich seinen Wohnsitz nach Rostock. Wenig später, im Jahre 1925, verkaufte Julius Peters das Gut dann an die Pächter. Holsten investierte viel in den Bau einer dorfeigenen neuen Schmiede. Die bisherige, erst um 1900 errichtete Laufschmiede ließ er abreißen. Eine alte Bockwindmühle, die vor dem Gutshof stand, wurde 1922 ersatzlos abgetragen.

Im Jahre 1928 konnte durch Zukauf der Besitz von 290 auf 370 Hektar vergrößert werden. In den Ställen standen zu jener Zeit 40 Pferde und 110 Kühe. Mit über 250 Tieren hatte Holsten zudem eine Schweinezucht aufgebaut. Die rund 130 im Dorf lebenden Einwohner waren fast alle auf dem Gut beschäftigt. Mit Ende des Krieges, also im Jahre 1945 floh Holsten mit seiner Familie in den Westen. Das Gutshaus wurde umgehend zur Heimat zahlreicher Flüchtlinge aus Hinterpommern.

Zu DDR-Zeiten und bis zur Wende nahm das Gebäude eine wichtige Rolle für das kulturelle Leben in Grellenberg ein. Im Inneren wurden sehr viele Hochzeiten gefeiert und an den Wochenende kamen hunderte Menschen zum Tanz ins Gutshaus. Wie alte Dorfbewohner beschreiben, war das Herrenhaus zu dieser Zeit noch in einem überaus gepflegten Zustand. Vor der Wende befand sich eine Eiersammelstelle in dem Gebäude. Zudem wurde Getreide im Keller gelagert. Dieses hatte damals jedoch sehr viele Ratten angelockt, so dass man das Gebäude kaum noch betreten konnte.

Unmittelbar nach der Jahrtausendwende wurde das Gutshaus versteigert. Eine Familie aus Nordrheinwestfalen kaufte es — nach OZ-Informationen — ungesehen und lediglich aufgrund einer schönen, jedoch älteren Fotografie. Ein Weiterverkauf misslang und es bleibt nur, dass inzwischen völlig zertrümmerte Gebäude zu sichern. Durch den sogenannten meteorologischen Abriss stürzen immer wieder einzelne Wände ein. 2007 gab es sogar einen großen Feuerwehreinsatz, weil befürchtet wurde, dass Kinder bei einem Einsturz in der Ruine verschüttet worden seien. Das Areal verwildert inzwischen immer mehr, so dass das Gutshaus schon fast komplett hinter dem Gestrüpp verschwunden ist.

Zahlen und Fakten zur Geschichte Grellenbergs

1307 wurde das Dorf erstmals namentlich als Grellenbergh erwähnt.

1640 war das Gut in Besitz der Familie von Lancken.

Ende des 19. Jahrhunderts war die Familie Hecht Besitzer des Ritterguts in Grellenberg.

1901 kaufte Julius Peters das Gut und ließ gemeinsam mit seinem Schwager Hans Peters noch vor dem Ersten Weltkrieg die Schule im Ort errichten.

Kurz nach der Jahrtausendwende wurde das Gutshaus versteigert. Seither verwildert es stark und immer wieder stürzen Gebäudeteile ein.

Von Raik Mielke

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