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„Vielleicht sind wir 2017 nur noch drei Leute“

Stahlbrode „Vielleicht sind wir 2017 nur noch drei Leute“

Bernd Schütze in Stahlbrode beklagt den Niedergang der Fischerei

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Sven Bölkow zeigt den Prachtzander, der letzte Woche gefangen wurde.

Quelle: Reinhard Amler

Stahlbrode. „Kann sein, dass wir nächstes Jahr nur noch drei Fischer hier sind“, sagt Bernd Schütze, der Chef der Stahlbroder Fischereigenossenschaft. „Wir waren vor der Wende mit Gristow zusammen mal 28“, fügt er nach einer kurzen Pause des Schweigens hinzu. „Jetzt gibt es hier noch sechs Fischer.“

OZ-Bild

Bernd Schütze in Stahlbrode beklagt den Niedergang der Fischerei

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In Schützes Worten klingt viel Wehmut mit, denn schon seit Jahren ist in Stahlbrode der Niedergang der einst so stolzen und den Ort prägenden Fischerei zu beobachten. „Es ist nicht mehr gewollt, dass es in Deutschland Küstenfischer gibt“, lautet Schützes alles sagende Urteil. „Wir haben hier einfach keine Lobby.“

Vor allem fehlt diese in Schwerin. Der zuständige Minister sei wieder im Amt bestätigt. Für Schütze ist damit klar, dass er auch die nächsten fünf Jahre von dort wenig zu erwarten hat, denn Till Backhaus habe seine Versprechen bislang nicht gehalten, sagt er. Und er wird es wohl auch künftig nicht tun, ist der Stahlbroder Fischereichef überzeugt. Er spricht nur das Thema Kormorane an, die den Stahlbrodern seit Jahren zu schaffen machen. Sie sind große Fischräuber. Schon lange sollte ihre Anzahl reduziert werden, sagt Schütze. Das sei auf dem letzten Fischereitag auch noch einmal eindeutig betont worden. Passiert sei bis heute nichts. Die Umsetzung, dieser Forderung, die durch wissenschaftliche Gutachten unterlegt ist, liegt in den Händen der Landesregierung, erklärt der Stahlbroder. Leider tue die aber nichts. Die Kormorane sind aber nur ein Problem einer großen Kette, die immer länger zu werden scheint.

Mit der neu festgesetzten Dorschquote haben die Fischer erst kürzlich wieder eins vors Schienbein bekommen. „Sie war bereits runtergesetzt“, erklärt Schütze, „und wurde nun noch einmal abgesenkt.“ Um 56 Prozent. Ab 2017.

Damit sei das Betreiben eines Kutters viel teurer als der zu erwartende Gewinn, erklärt er. Also lohne es sich nicht mehr. Hinzu kommt, dass es für Betriebe, die auf Flundern setzen, besonders schwierig wird. Denn wenn sie Dorsche mit anlanden, und keine Quote mehr dafür besitzen, dürfen sie auch ihre Flundern nicht behalten. Beachten sie diese Regelung nicht, drohen erhebliche Strafen, sagt Schütze.

Immer wieder bekommen die Fischer neue Restriktionen. Nicht nur in Stahlbrode. Seit dem 18. Jahrhundert wird in dem kleinen Küstenort zwischen Greifswald und Stralsund gefischt. „Die Fischerei ist hier das älteste Gewerbe, weiß Schütze. Den Fischereihafen am Strelasund ließ die Gräfin von Niederhof bereits 1906 errichten.

Bald wird daran vielleicht nur noch eine Tafel erinnern. Denn es wird nicht mehr lange dauern, bis auch der letzte Stahlbroder Fischer in Rente gegangen ist. Alle sechs noch aktiven sind über 50.

Auszubildende gibt es hier schon lange nicht mehr.

Dennoch will Bernd Schütze die Flinte noch nicht so schnell ins Korn werfen. Was ihm Optimismus verleiht, sind die Kunden. Viele kommen regelmäßig, obwohl der Oktober nun nicht gerade die Zeit des großen Andranges ist. Dabei ist das Angebot in dem kleinen Verkaufsladen am Hafen, der auch regelmäßig sonnabends und sonntags geöffnet hat, gerade jetzt üppig.

Es gibt Zander, Blei, Plötze, Flundern, Barsche und Hechte. Täglich wird geräuchert. „Frischer als bei uns geht gar nicht“, sagt Schütze. Leider passen Urlaubszeit und Fischerei nicht so recht zusammen. Das sei schon ein schweres Los für die Küstenfischer, denn im Sommer, wenn die Urlauber da sind, sind die Fische wegen der aufgeheizten Gewässer viel weiter draußen. Und nun, wo die Fische wieder nah sind, sind die Urlauber weit weg, sagt er. Gerade letzten Donnerstag hatten die Stahlbroder sogar wieder ein Prachtexemplar mit an Bord eines ihrer Kutter. Einen Zander: 97 Zentimeter lang und im ausgenommenen Zustand 5,7 Kilogramm schwer. „Früher gab es so etwas öfter“, meint Schütze. Früher war vieles anders.

Reinhard Amler

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