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Vietlipper fühlen sich vernachlässigt

Vietlipp Vietlipper fühlen sich vernachlässigt

Ein unsanierter Dorfteich, zerfahrene Straße, unzumutbarer Lärm durch Autobahn und Windkraftanlagen — all diese Sorgen hatten die Vietlipper auf einer Einwohnerversammlung im Kulturhaus den Stadtvätern geschildert.

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Der hintere (östliche) Bereich des Vietlipper Dorfteiches sieht noch ziemlich wüst aus.

Quelle: Peter Schlag

Vietlipp. Das war im Februar 2012. Ein Jahr später schildern die Vietlipper in einem Brief an die OZ-Lokalredaktion, was seither passiert ist. Oder eben nicht passiert ist.

Angesprochen wurden auf der Einwohnerversammlung im Februar unter anderem: Umgestaltung des Spielplatzes, Reparatur der Straße Am Anger, Erneuerung der Vietlipper Dorfstraße, Lückenschluss Beleuchtung Vietlipper Dorfstraße, Sanierung des Dorfteichs inklusive Ausbaggerung und Neuerrichtung von Sitzgelegenheiten, Begrenzung der Belastbarkeit der Vietlipper Dorfstraße. Weiterhin versprach man, sich als Stadt massiv beim Land für die Errichtung von Lärmschutzwänden entlang der A20 in Höhe der Ortslage einzusetzen.

Dann folgte — im Mai — ein Ortstermin. Erneut mit Harry Glawe, Wirtschaftsminister und Grimmens Stadtpräsident. Dabei seien konkrete Zeiträume für die Umsetzung vieler Maßnahmen benannt worden, heißt es in dem Brief: So sei durch den Minister mitgeteilt worden, dass die Erneuerung der Vietlipper Dorfstraße nach einem Gespräch mit Minister Backhaus im Rahmen des ländlichen Wegebaus voll finanziert und noch 2012 ausgeführt wird. Die Beleuchtung werde bis zum Schulbeginn fertiggestellt und die Teichsanierung bis Ende Oktober realisiert. „Kleinere Vorhaben hatte der Stadtbauhof bereits kurzfristig abgearbeitet. Leider wurde die engagierte Arbeit der Mitarbeiter des Stadtbauhofes durch Fahrzeuge des Winterdienstes zerstört. Große Löcher wurden erneut in die Straße Am Anger gerissen und die Grünanlagen/Banketten aller Straßen im Ort massiv in Mitleidenschaft gezogen“, heißt es in dem Brief. Mit großer Verwunderung hätten die Einwohner Wochen später die Aussage der Stadt zur Kenntnis genommen, es erfolge nur eine durch die Stadt Grimmen und die Windkraftanlagenbetreibergesellschaft finanzierte Reparatur der Vietlipper Dorfstraße: „Warum Reparatur und nicht Erneuerung?

Warum diese Finanzierung, wenn nach Harry Glawes Aussage das Land finanziert? Und warum werden die umliegenden Agrarunternehmen nicht finanziell mitbelastet, obwohl gerade sie durch wochenlange Rübentransporte mittels großer Sattelzüge und dem Befahren der Straße mit überbreiten, übergewichtigen Fahrzeugen massiv an der Zerstörung beteiligt waren und sind?“ Auch nach Beschränkung und Ausschilderung der Fahrbahn in der Ortslage Vietlipp auf zwölf Tonnen und 30 km/h werde dies ignoriert. Mit dem Straßenbau wurde vor der Teichsanierung begonnen. Mittlerweile sind bereits erste Kantenabbrüche der neuen Deckschicht und Risse im Fahrbahnbelag vorhanden, so die Kritik aus Vietlipp. Zudem sei die Ausbaggerung des Teiches erst einen Tag vor Ablauf der Genehmigung für diese Maßnahme begonnen worden.

Anfang Dezember fand ein Gespräch von Einwohnern mit Bauamtsleiterin Heike Hübner und Stadtrat Roland Wildgans zu dieser Problematik statt. Die Zusammenfassung im Brief zu den vergangenen zwölf Monaten seit der Einwohnerversammlung: zu großen Teilen desinteressierte Abgeordnete, viel guter Wille einiger Kommunalmitarbeiter, ein engagierter Minister, ein prima Stadtbauhofteam, aber als Ergebnis wenig Effektivität bei ganz schlechter Planung.

Kritik gibt‘s auch an den Windkraftanlagen. Bei entsprechendem Sonnenstand sei Schattenwurf der Anlagen bis zum nördlichen Dorfrand Vietlipps festzustellen, Laufgeräusche der Anlagen seien bis nach Grimmen hinein deutlich wahrnehmbar und die Beleuchtung entspreche der eines Großflughafens. Urlauber würden Grimmen neuerdings schon die Discostadt bei der gelben Möwe nennen. Eine Reduzierung der Umdrehungszahlen oder Abschaltung während der Nachtstunden zur Lärmreduktion sei auch nicht erkennbar, obwohl diese ebenfalls zugesichert worden sei. Der Brief schließt mit der Erläuterung des Begriffes Schildbürgerstreich, als den viele Vietlipper die in ihrem Ort erfolgten Maßnahmen empfinden.

Die OZ hat sich vor Ort umgeschaut und im Rathaus nachgefragt. Am Dienstag beräumten Mitarbeiter des Stadtbauhofes das Teich-Umfeld. Wobei Anwohner darauf aufmerksam machen, dass das bisher Erfolgte nicht reicht und die verwendete Technik zu klein war. Besonders die hintere (östliche) Seite des Teiches müsse saniert werden. Zu zwei anderen Punkten hat die Stadt Förderanträge an die Landesregierung gestellt. Dies betrifft die Verbreiterung der Straße zwischen Einmündung südlicher Randstraße und Bahnübergang sowie die Beleuchtung dort.

Zwölf Ortsteile
Vietlipp ist einer der zwölf Ortsteile von Grimmen, die Stadt inbegriffen. Mit seinen 70 Einwohnern liegt Vietlipp nach Grimmen, Stoltenhagen, Jessin, Groß Lehmhagen und Appelshof von den Einwohnerzahlen her im Mittelfeld. Geographisch befindet sich der Ortsteil an der Grenze zur Nachbargemeinde Süderholz.

Peter Schlag

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