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Grimmen „Von Laufkundschaft lebt man hier nicht“
Vorpommern Grimmen „Von Laufkundschaft lebt man hier nicht“
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00:05 02.12.2017
Thomas Bahls vor seiner Schmiede in Bretwisch. Die nostalgischen Schilder auf der Hausfront künden von der Historie des alten Gebäudes. Quelle: Foto: Peter Franke

„Früher wurden hier Pferde beschlagen, heute aber nicht mehr“, sagt Thomas Bahls, der in Bretwisch seine Schmiede betreibt. Auch werde kaum noch in Größenordnungen geschmiedet, weiß der 39-Jährige: „Das kann keiner mehr bezahlen.“ Höchstens mal diese oder jene Sonderanfertigung auf Kundenwunsch.

Thomas Bahls betreibt seit 2008 eine Schmiede im Ort

„Meine Vorfahren waren alle Schmiede oder Bauern“, hat Thomas Bahls herausgefunden, der sich in seiner freien Zeit gern mal mit seiner Familiengeschichte beschäftigt. „Auch mein Vater Eckhardt hat Schmied gelernt“, erzählt Thomas Bahls und zeigt ein großes Foto aus DDR-Zeiten. Das zeigt in Schwarz-Weiß seinen Vater und dessen Großonkel Bruno Schulz bei der Arbeit mit einem Huf am Pferd eines Bauern.

Im Jahr 2008 übernahm Thomas Bahls die Werkstatt seiner Vorfahren in Bretwisch: „Mein Ur-Uropa Wilhelm Schulz hat die Schmiede gegründet.“ Das Gebäude soll um 1922 errichtet worden sein.

Von der Vergangenheit künden auch uralte Werkzeuge, die als Schmuck an der Bürowand hängen. In der Werkstatt steht noch ein vermutlich tonnenschwerer sogenannter Federhammer, mit dem Muster in glühenden Stahl geschlagen werden können. Laut Typenschild vom Baujahr 1966 und funktionstüchtig, wie Bahls versichert.

„Von Laufkundschaft lebt man hier nicht“, weiß Thomas Bahls. Aufträge kommen meist über Telefon oder Internet ins Haus. „Ich könnte mit der Werkstatt auch im Wald sitzen“, sagt Bahls lächelnd. Die Schmiede ist bekannt in der Region, aber auch in Rostock und auf der Insel Rügen. Tore, Treppen, Zäune, Geländer, Balkone werden aus Stahl und anderen Materialien geformt. „Wir haben viele Privatkunden, wie etwa Eigenheimbesitzer, arbeiten aber auch für Bauunternehmen.“ Über einen Mangel an Aufträgen könne er nicht klagen, sagt Thomas Bahls. „Das läuft im Sommer und im Winter durch.“

Fast jeden Tag gebe es eine neuen Auftrag abzuarbeiten. In der Schmiede gibt es so viel zu tun, dass Bahls vor einigen Jahren einen Mitarbeiter einstellen konnte, den Metallbauer Sebastian Mietzner.

Thomas Bahls hat mit seiner Frau zwei Töchter und einen Sohn. Ob der jetzt sechsjährige Otto den Betrieb irgendwann übernimmt? „Es wäre schön. Aber man weiß nicht, was die Zeit so bringt“, sagt der Chef der Schmiede.

Peter Franke

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