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Grimmen Von Null auf Hundert
Vorpommern Grimmen Von Null auf Hundert
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00:00 22.03.2016

Der Verein, den Maria Burow bis vor einer Woche leitete, zählt gerademal 40 Mitglieder. „Davon“, gesteht sie freimütig, „sind einige Karteileichen.“ Ihr Engagement blieb davon unberührt. Eine Vorreiterin der regionalen Verständigung sei sie, lobten andere, als klar war, dass die 76-Jährige nicht mehr für den Vorsitz der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Vorpommern kandidiert. 14 Jahre lang war sie deren Gesicht. Nun soll sie Ehrenvorsitzende sein.

Was das ist? „Das weiß ich selber nicht genau“, sagt Maria Burow. Der Ehrenvorsitzende, versucht sie zu erklären, zahle keinen Beitrag. Welche Funktion er haben soll, müsse sie erstmal mit dem neuen Vorstand besprechen. Nicht mehr vornan zu stehen — daran wird sich die Frau aus Diedrichshagen wohl erst noch gewöhnen müssen.

Lehrerin für Russisch war Maria Burow, fast 30 Jahre. In dieser Zeit hatte sie keinerlei Kontakt mit dem Nachbarland. „Ich war nie dort gewesen. Drei Kinder und der Job haben mich voll ausgelastet.

Wir sind auch selten in den Urlaub gefahren. Mein Mann ist Pommer, sehr sesshaft.“ Dass sie irgendwer 23 Jahre später zur Vorreiterin deutsch-polnischer Verständigung erklären würde, hätte die drahtige Frau seinerzeit nicht für möglich gehalten. Dann aber wurde sie arbeitslos, wurde ihr — „Ich hatte Glück.“ — eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme angeboten.

1992 war das. Die Naturfreunde Internationale — Verband für Umweltschutz, sanften Tourismus, Sport und Kultur mit Sitz in Wien — hatte die Odermündung zur „Landschaft des Jahres“ erklärt. Nun sollten Aktivitäten folgen, um die ausgezeichnete Grenzregion ins Gespräch zu bringen. Aus Maria Burow wurde eine PR-Frau, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit. So kam sie nach Polen. Ihre erste Mission führte sie nach Swinemünde. „Ich sollte Kontaktpersonen dort aufsuchen, um eine Veranstaltung vorzubereiten, die die Naturfreunde gemeinsam mit einer polnischen Tourismusorgansiation auf die Beine stellen wollten.“ Später erstellte sie Faltblätter, organisierte sie eine Grenztour für Journalisten aus dem In- und Ausland. „Die deutsch-polnische Nachbarschaft heute und die von damals — das ist wie Tag und Nacht“, sagt Maria Burow. Damals habe man an der Grenze zuweilen stundenlang anstehen müssen, hätte es hierzulande große Vorurteile gegeben. Heute fahre man ganz selbstverständlich und ohne Hindernisse nach Polen, manches Vorurteil sei nicht mehr so präsent. Maria Burow selbst hat sich in den Folgejahren ein ums andere Mal für die deutsch-polnische Verständigung ausgesprochen. Sie selbst hat viele Kontakte knüpfen können. „Die enge Zusammenarbreit mit den Polen hat mich beflügelt“, resümiert sie. Auch wenn sie nun nicht mehr Vorsitzende der Deutsch-polnischen Gesellschaft Vorpommern ist — Maria Burow will sich weiterhin einbringen. Ihr Traum ist eine Interessenvertretung für alle in Vorpommern, die Kontakte mit Polen pflegen oder solche aufnehmen möchten.

Von Sven Jeske

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