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Von der Kunst, Nein zu sagen

Brandshagen Von der Kunst, Nein zu sagen

Theaterpädagogisches Projekt an der Grundschule Brandshagen über Grenzen, die niemand überschreiten darf

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Voll dabei: Die Drittklässler der Grundschule Brandshagen arbeiten beim Projekt super mit. Fotos (4): Claudia Noatnick

Brandshagen. Der Freund will unbedingt mit meinem neuen Fahrrad über Stock und Stein heizen, obwohl er selbst eines hat. Ich mag das aber gar nicht, trau mich aber auch nicht, „nein“ zu sagen. Weil er dann vielleicht nicht mehr mein Freund sein will. Verzwickte Sache.

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Theaterpädagogisches Projekt an der Grundschule Brandshagen über Grenzen, die niemand überschreiten darf

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Um die Kunst, Nein zu sagen, ging es in einem interaktiven Theaterprojekt an der Grundschule Brandshagen. Das Projekt, gedacht für Schüler der dritten und vierten Klassen, zog sich über drei Wochen.

Jeweils einmal pro Woche besuchten Oskar Böhm und Jana Nederost die Schüler aus Brandshagen. Die Greifswalder Studenten fungierten als Schauspieler und zeigten ihnen anhand verschiedener Szenen, wie wichtig es ist, zu seinem Bauchgefühl zu stehen.

„Es ist wichtig, dass Kinder auf ihre Stimme hören und deutlich sagen, ob sie etwas möchten oder nicht“, sagt Oskar Böhm. „Wenn sie ein Nein-Gefühl haben, sollten sie das auch klar und deutlich kommunizieren.“

Und was, wenn die Freunde dann rumzicken? Wenn sie deshalb nicht mehr mit einem befreundet sein wollen? „Dann solltet ihr euch überlegen, ob das wirklich echte Freunde sind“, gab Jana Nederost zu bedenken. Die Sache mit der Freundschaft spielte jedoch in dem Projekt eine eher marginale Rolle. Während der dreiteiligen Szenencollage ging es Böhm und Nederost, die für die theaterpädagogische Werkstatt Osnabrück tätig sind, vielmehr darum, die Dritt- und Viertklässler behutsam an das Thema sexuellen Missbrauchs heranzuführen. Ihnen klarzumachen, dass es Grenzen gibt, die niemand überschreiten darf. Dass man bei einem Nein-Gefühl die Notbremse ziehen und sich Hilfe holen muss. Und so stand das theaterpädagogische Präventionsprogramm denn auch unter der Überschrift „Mein Körper gehört mir!“

„Die Geschichten, die die beiden gespielt haben, fand ich richtig toll“, sagt Anna-Liza Hirsch. Es sei wichtig, Kindern zu zeigen, wo Missbrauch beginnt und wie man sich dagegen wehrt, macht Jana Nederost deutlich. Die Brandshagener Schüler jedenfalls sind konzentriert bei der Sache, diskutieren mit beiden Schauspielern, bieten Lösungen für verschiedene Situationen an, die beide dann schauspielerisch darstellen.

Etwa bei der erfundenen Geschichte des Mädchens, welches von einem Mitarbeiter eines Jugendclubs gezwungen wird, sich nackt von ihm fotografieren zu lassen. „Zur Polizei gehen“, rufen die einen. „Ihm die Kamera kaputt hauen“, schreien andere. „Ihm sagen, dass man das doof findet“, bieten andere an. Die Mädchen und Jungen sind dabei. Das ist einen Art Unterricht, der Spaß macht, auch wenn — zum Glück — noch niemand von ihnen selbst schon einmal in einer solchen Situation steckte und es sich auch nicht wirklich vorstellen kann. Das Gute aber ist, dass sie jetzt wissen, was man tun kann, sollten sie jemals in eine solche Lage geraten.

„Mit ist so was noch nicht passiert, aber wenn, dann würde ich das meiner Mutter erzählen. Sie hört mir immer zu“, sagt der achtjährige Phillipp Lamp. Das Projekt fand er gut. Natürlich, das mit dem Nein-Sagen sei so eine Sache. Bei Freunden falle das wohl immer schwer. Aber wenn es, wie in den Szenen von Oskar Böhm und Jana Nederost, um sexuellen Missbrauch gehe, wüssten sie jetzt, worauf sie achten müssen und vor allem, wie sie sich verhalten sollten. Denn eines ist klar: Sexueller Missbrauch ist doof und so etwas erleben möchte keiner von den Brandshagener Schülern.

Mein Körper gehört mir

„Mein Körper gehört mir!“ ist eine interaktive Szenencollage zum Thema sexueller Missbrauch.

In kurzen Szenen werden Situationen geschildert, wie sie im wirklichen Leben vorkommen könnten.

Kinder lernen, Nein-Gefühle zu erkennen und erfahren, wo sie Hilfe suchen und finden können.

Eine Möglichkeit ist die „Nummer gegen Kummer“: Unter ☎ 116111 erhalten Kinder und Jugendlich eine vertrauliche und anonyme Beratung.

Informationen gibt es im Internet auf www.meinkoerpergehoertmir.de oder www.nummergegenkummer.de

Von Claudia Noatnick

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