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Vor 70 Jahren wurde der Rektor der Uni erschossen

Greifswald Vor 70 Jahren wurde der Rektor der Uni erschossen

Ernst Lohmeyer wurde am Tag vor der Wiedereröffnung der Greifswalder Hochschule verhaftet und vom sowjetischen Geheimdienst zum Tode verurteilt

Greifswald. Am 19. September 1946 kam ein sowjetischer Offizier in die Zelle des Greifswalder TheologieErnst Lohmeyer im Greifswalder Gefängnis in der Domstraße. Er rief den Namen des Professors. Anziehen sollte er sich nicht, erinnert sich später ein Mithäftling. Zwei Soldaten führten ihn aus der Zelle, bald darauf hörte man Motorengeräusch. Zu nächtlicher Stunde wurde Lohmeyer erschossen.

„Wo genau das war, das wissen wir nicht“, sagte gestern der Kirchengeschichtsprofessor Thomas Kuhn im Krupp-Kolleg. Üblicherweise wurden bei solchen Erschießungen Spaten mitgeführt und der Getötete verscharrt.

Kuhn sprach beim Symposium zum Gedenken an den 70. Jahrestag des Todes von Lohmeyer „Hoffnungsvoller Aufbruch – gewaltsames Ende“ unter Leitung des Theologieprofessors Christfried Böttrich. Die vortragenden Lohmeyer-Forscher kamen aus Deutschland, den USA, Großbritannien und Italien. Sie beleuchteten Leben und wissenschaftliche Leistung des aus Westfalen stammenden Gelehrten.

Wie Kuhn ausführte, kam Lohmeyer 1935 an die Ernst-Moritz-Arndt-Universität. Man habe ihn wegen seiner Unterstützung für jüdische Kollegen nach Greifswald strafversetzt. „Ernst Lohmeyer war als Prorektor an der kampflosen Übergabe Greifswalds am 29./30. April 1945 beteiligt“, sagte der Kirchengeschichtler. Nachdem der 1947 im sowjetischen Speziallager verstorbene Rektor Carl Engel verhaftet worden war, amtierte Lohmeyer als Leiter der Universität. Laut Kuhn gab es erhebliche Differenzen mit Landesregierung in Schwerin über die Entnazifizierung des Lehrkörpers. Lohmeyer sei an die Erneuerung der Universität großzügiger und differenzierter herangegangen als die Landes-KPD. „Er wollte eine funktionierende Universität“, so Kuhn. Er geht davon aus, dass Lohmeyer Opfer einer Intrige wurde. Einen Tag vor der Wiedereröffnung der Hochschule am 15. Februar 1946 wurde er vom sowjetischen Geheimdienst verhaftet und schließlich in einem Geheimprozess wegen angeblicher Kriegsverbrechen in der UdSSR zum Tode verurteilt. Sein vergebliches Gnadengesuch wurde erst 1996 ins Russische übersetzt. Weder die Universität, die offiziellen Stellen der DDR noch die Angehörigen wurden nicht informiert. Zu denen, die sich nach seinem Tod für eine nicht mehr mögliche Freilassung einsetzten, gehörte Wilhelm Pieck (KPD/SED) der spätere erste Präsident der DDR. Erst 1958 wurde der Familie die Lüge mitgeteilt, dass der Theologe in einem Lager verstorben sei.

Im August 1996 wurde Lohmeyer von der nunmehr zuständigen russischen Militärstaatsanwaltschaft vollständig rehabilitiert. Laut dem Gutachten wurde er 1946 „unbegründet verhaftet“. Beweise für verbrecherische Taten habe es nicht gegeben. Recherchen zur Militärzeit Lohmeyers von 1939 bis 1943 über das Gutachten hinaus hat Kuhn nicht angestellt.

Eckhard Oberdörfer

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