Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Grimmen Wacholderbaumwurzel als Erinnerung
Vorpommern Grimmen Wacholderbaumwurzel als Erinnerung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 20.05.2016
Inge Schumacher mit dem Rest der Wacholderbaumwurzel. Quelle: pm

Freesendorf, jener kleine Ort mit nur wenigen Häusern unweit des Seebades Lubmin direkt am Greifswalder Bodden, existiert schon seit vielen Jahren nicht mehr. Mit Beginn der Arbeiten zum Bau des einstigen Kernkraftwerkes Ende der 1960-er Jahre hörte das Dorf letztendlich auf zu existieren. Eine, die sich noch ganz genau an den Ort ihrer frühesten Kindheit erinnern kann, ist Inge Schumacher (75), die heute mit Ehemann Karl Heinz in Spandowerhagen lebt. „Ich wurde 1940 geboren und lebte noch bis kurz nach Kriegsende im Mai 1945 in meinem Elternhaus, das in Freesendorf ganz dicht am Wasser stand“, blickt die Rentnerin zurück.

Dann seien russische Soldaten gekommen und hätten ihr Elternhaus in Beschlag genommen. „Unsere Familie wurde noch einige Zeit auf dem Dachboden geduldet“, berichtet sie. Wenig später musste sie das Haus ganz verlassen. Zu dieser Zeit waren nur noch zwei Häuser in Freesendorf bewohnt. Nach ihren Worten war das damals wie eine Enteignung. Die Familie zog nach Spandowerhagen, wo sie anfangs von netten Leuten aufgenommen wurde. Als Inge Schumacher später heiratete, arbeitete sie als Hauswirtschafterin und half ihrem Mann bei der Fischerei. Heute lebt sie mit Gatten Karl-Heinz im eigenen Haus. Gleich nebenan wohnt Tochter Marion. Zur Familie gehören weiterhin ein erwachsener Sohn, vier Enkel und drei Urenkel.

Inges Elternhaus existiert längst nicht mehr. Viele Jahre, nachdem es platt gemacht wurde, Karl- Heinz Schumacher an dieser Stelle die Überreste einer Wurzel vom Wacholderbaum, auch umgangssprachlich als Knirk bezeichnet. Diese Heimatwurzel hat er mitgenommen. Sie erinnern seine Inge heute daran, wo einst ihre Wurzeln lagen.

Im Herbst vergangenen Jahres erhielt der Ort Spandowerhagen neue Straßennamen (die OZ berichtete). Und die haben einen direkten Bezug zur Vergangenheit einiger Dorfbewohner. „Früher haben wir in der Dorfstraße gewohnt, jetzt ist es die Freesendorfer Straße. Die neuen Straßennamen sind ein toller Einfall seitens der Gemeinde, so bleiben die eigene Kindheit und Identität bewahrt“, erzählt Inge Schumacher. Sie freut sich auch, dass es nunmehr auch eine Warsiner Straße gibt. Warsin war damals ein Ort nahe Spandowerhagen, der ebenfalls verlassen werden musste und heute nicht mehr existiert.

Peter Machule

Mehr zum Thema

Für eine Studie der Universität Greifswald wurden über 1000 Leute befragt / Über 70 Prozent fühlen sich stark mit der Region verbunden

17.05.2016

Für eine Studie der Universität Greifswald wurden über 1000 Leute befragt / Über 70 Prozent fühlen sich stark mit der Region verbunden

17.05.2016

Für eine Studie der Universität Greifswald wurden mehr als 1000 Personen befragt / Über 70 Prozent von ihnen fühlen sich stark mit der Region verbunden

17.05.2016

Zwischen Bad Sülze und Langsdorf fehlen 4730 Meter Backsteinrundweg / Dahlienstadt setzt andere Prioritäten

20.05.2016

Landärzte haben noch Kapazitäten

20.05.2016

Die Universität schreibt einen Foto- und Designwettbewerb zum Thema „Weltoffene Hochschule“ aus.

20.05.2016
Anzeige