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Grimmen Während der Schlafwache wird genäht
Vorpommern Grimmen Während der Schlafwache wird genäht
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00:00 02.12.2017
Bretwisch

Gerlinde Nötzel hat viel Platz. Die 70-Jährige lebt in einer Schule, genauer gesagt in der ehemaligen Schule von Bretwisch, in der schon lange kein Unterricht mehr gegeben wird. Gerlinde Nötzel stammt ursprünglich aus Vorland und zog 1967 nach Bretwisch – nicht zuletzt der Arbeit wegen. Die Bretwischerin war Kindergärtnerin mit Leib und Seele und hat es nie bereut, diesen Beruf ergriffen zu haben. „Ich würde immer wieder Kindergärtnerin werden“, erklärt Gerlinde Nötzel.

Nach ihrer zweijährigen Ausbildung arbeitete die junge Frau zunächst als Gruppenerzieherin im Kindergarten in Vorland. „Ich machte jedoch bald die Erfahrung, dass es nicht gut ist, in dem Dorf als Kindergärtnerin zu arbeiten, in dem man selbst aufgewachsen ist“, erzählt sie. So bewarb sie sich also auf eine Stelle als Kindergartenleiterin in Bretwisch – und bekam den Job.

Die Betreuungseinrichtung befand sich damals noch im Schulgebäude, in dem auch Gerlinde Nötzel ein Zimmer zum Wohnen zugeteilt bekam. „Dann hat die LPG einen neuen Kindergarten gebaut, genau gegenüber. Anfang 1970 zogen wir um“, blickt Gerlinde Nötzel zurück: „Es war eine Kombination aus Krippe und Kindergarten.“ Jeweils morgens um 6.45 Uhr habe sich eine Erzieherin auf dem Hof der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft einfinden müssen, um den Kindertransport zu begleiten.

„Wir fuhren eine Stunde mit dem Lkw der Tierproduktion, um die Kinder aus Wolthof, Jahnkow, Turow und Strelow zu holen.“ Im Kindergarten sei damals auch die Wäsche der Kinder gewaschen worden, während der „Schlafwache“ standen Näharbeiten auf dem Programm. „Für mich ist ein Kind ein Schatz, und den muss man behüten“, sagt Gerlinde Nötzel. Nach der politischen Wende war ein Jahr Fortbildung zu absolvieren: Die alten Berufsabschlüsse wurden nicht anerkannt.

1993 kam das Aus für den Bretwischer Kindergarten. „Es gab nicht ausreichend Kinder, um die Einrichtung auszulasten“, weiß Gerlinde Nötzel, die danach als Gruppenerzieherin im Hort und Kindergarten in Rakow arbeitete und anschließend in Kandelin: „Als ich 60 Jahre alt war, habe ich aufgehört. Auf eigenen Wunsch. Man muss auch loslassen können.“ Und heute? Gemeinsam mit einem ihrer Söhne bewohnt sie das alte Schulhaus, das die Familie kaufte und modernisierte. „Ich stehe früh auf und gehe auch früh schlafen“, erklärt Gerlinde Nötzel. „Ich mache mir für jeden Tag einen Plan, was ich schaffen will.“ Ganz „zum alten Eisen“ wolle sie schließlich noch nicht gehören. „Ich gehe gern durchs Dorf, rede mit Menschen.“ Und die Familie sei ihr wichtig: „Ich habe zwei Söhne, eine Tochter, fünf Enkel und zwei Urenkel. Ich komme selbst aus einer Familie mit fünf Kindern – ich fand das schön.“ Auch jetzt noch, verrät Gerlinde Nötzel, verfolge sie den Werdegang von Kindern, die sie einst betreute – per Zeitung.

Peter Franke

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