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Grimmen Was ist uns die Feuerwehr wert?
Vorpommern Grimmen Was ist uns die Feuerwehr wert?
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00:01 28.10.2017
Sie riskieren ihr Leben für andere. Dass eine Aufwandsentschädigung diskutiert wird, können viele Feuerwehrleute nicht verstehen. Quelle: Foto: Raik Mielke/oz-Archiv
Grimmen

Sie riskieren ihr Leben für andere, fahren auf eigene Kosten zum Einsatz, opfern viel Zeit für Aus- und Weiterbildungen. Die Aussage des Präsidenten des Landesfeuerwehrverbandes Hannes Möller, dass die Zahlung eines sogenannten Stiefelgelds, einer kleinen Aufwandsentschädigung pro Einsatz, der falsche Weg sei, um die freiwilligen Wehren zukunftssicher zu machen, empfinden zahlreiche dieser ehrenamtliche Helfer als so etwas wie einen Schlag ins Gesicht.

Kameraden aus der Region können Kritik am sogenannten Stiefelgeld nicht verstehen

5 Euro pro Einsatz

5 Euro zahlt die Gemeinde Süderholz ihren Kameraden pro Einsatz. 31 Einsätze waren es im vergangenen Jahr in der Gemeinde. „Eine kleine Entschädigung für die Aufwändungen jener, die trotz Arbeit und Familie bereit sind, im Falle des Falles sich für andere einzusetzen“, sagt Süderholz’ Gemeindevertretervorsteher Wotan Drescher (CDU). Seit 2013 zahlt die Gemeinde, in der es fünf Feuerwehrstandorte und rund 60 aktive Mitglieder gibt, diese Aufwandsentschädigung. „Bevor dies von der Gemeindevertretung abgesegnet wurde, gab es eine kontroverse Diskussion“, erinnert er sich.

Letztendlich bedeute diese Regelung schließlich sowohl für die Gemeinde als auch für die Kameraden weniger Verwaltungsaufwand. Denn laut Brandschutzgesetz Mecklenburg-Vorpommerns haben die Feuerwehrleute sogar Anspruch auf Ersatz ihrer Auslagen.

Und da falle einiges an, weiß Thomas Putzar. Der 38-Jährige ist Wehrführer in Süderholz’ Nachbargemeinde Dersekow im Amt Landhagen. „Pieper laden, Fahrten bei Alarmierung zum Gerätehaus, Reinigung beziehungsweise Ersetzen privater Kleidung“, zählt er Beispiele auf. Auch Dersekow zahle eine Aufwandsentschädigung – selbst für die Teilnahme an Ausbildungen. Ihm und seinen Feuerwehrkollegen seien die Aussagen des Landesbrandmeisters ebenfalls bitter aufgestoßen. Auch, dass Gemeinden mehr in ihre Wehren investieren müssten. „Zwischen 35000 und 40000 Euro jährlich liegen die Ausgaben der Gemeinde für den Brandschutz“, weiß der junge Mann, der seit 2005 in Dersekow als Wehrführer fungiert. Und dies seien gerade mal die laufenden Kosten, die während eines Jahres anfallen.

55000 Euro für Brandschutz

Auch Süderholz muss in Sachen Brandschutz tief in die Tasche greifen. Um die 55000 Euro würden in der Gemeinde jährlich in den Brandschutz investiert werden, sagt Wotan Drescher, der Mitglied der Jungen Union Vorpommern-Rügens ist. Mit der Regelung, die Aufwandsentschädigung zu zahlen, habe man in der Gemeinde gute Erfahrungen gemacht, betont er.

Die Junge Union setzt sich bei der Landesregierung stark für die freiwilligen Feuerwehren im Land ein. Auch deren Mitglieder kritisieren die Aussagen des Landesbrandmeisters. Beispielsweise in Sachen Lkw-Führerschein für Feuerwehrleute machten sich Mitglieder wie Tobias Lembke und vor allem deren Vorsitzender Georg Günther stark. „Da haben wir schon viel erreicht.

63 Feuerwehrmänner im Landkreis Vorpommern-Rügen legten bislang die Führerscheinprüfung ab“, berichtet Lembke. Allerdings habe es seitens des Landesverbandes ein Jahr lang gedauert, bis entschieden war, wie die akquirierten Gelder verteilt werden, kritisiert er. Lembke hofft, dass auch in den kommenden Jahren diese Förderung gezahlt werde. „Und das nicht nur für den Erwerb des Lkw-Führerscheins sondern auch für die Berechtigung Boote, oder Busse fahren zu dürfen“, sagt Lembke.

Kritik an Landespolitikern

Als Kommunalpolitiker fordert er mehr Anerkennung durch Unterstützung – vom Land und auch von der Wirtschaft. Die Einstellung seitens einiger Landespolitiker kritisiert er aufs Schärfste. „Politiker, die über unsere Köpfe entscheiden, sollten selbst mal eine Grundausbildung absolvieren“, meint er. Immer mehr Aufgaben würden auf die freiwilligen Wehren abgewälzt. Die Absicherung von Biogas- und Windkraftanlagen nennt er als Beispiel. „Die Entwicklung ist einfach zu schnell, da kommen wir ausbildungstechnisch gar nicht hinterher“, sagt er. Regelungen zu treffen, wie wirtschaftliche Entwicklung und die Absicherung einhergehen könnten, das fordere er vom Landesverband. Zudem fehle es ihm an Kommunikation zwischen Landes- sowie Kreisfeuerwehrverband, den Wehrführern und den Kommunen. „Deshalb hat Georg Günther als Vorsitzender der Jungen Union die Idee, Hannes Möller, Wehrführer und Bürgermeister der Region zu einem gemeinsamen Treffen einzuladen“, berichtet Lembke.

Kopfschütteln über Präsidenten

Das Engagement der Jungen Union weiß auch Kreiswehrführer Gerd Scharmberg zu schätzen. Er finde es mehr als bedauerlich, dass – wie bereits vor einigen Jahren schon einmal – die Diskussion um die Aufwandsentschädigung seitens der Kommunen an die Feuerwehrkameraden entfacht ist. Grundsätzlich seien diese paar Euro nichts anderes, als das, was den ehrenamtlichen Feuerwehrmännern und -frauen laut Brandschutzgesetz zustehe.

„Was will man denn den Kameraden zumuten? Dass sie nach jedem Einsatz jeden Liter Benzin, jeden Krümel Waschmittel und jede Kilowattstunde an Stromverbrauch und was sie sonst noch für ihre ehrenamtliche Tätigkeit aufbringen, in Rechnung stellen?“, fragt er. Dass Hannes Möller als Präsident des Landesverbandes, der die Meinung seiner Mitglieder zu vertreten und sich ansonsten auf Gesetze zu berufen hat, der Ersatz der Aufwändungen für die ehrenamtliche Tätigkeit in der Feuerwehr egal zu sein scheint, könne er nur mit Kopfschütteln quittieren, sagt Gerd Scharmberg.

Jugendfeuerwehr holt Gesamtsieg

Jubel bei der Jugendfeuerwehr des Löschzugs Süderholz: Zum dritten Mal in Folge verbuchte das Team den Jahresgesamtsieg der Jugendwehren im Landkreis Vorpommern-Rügen. In die Gesamtwertung flossen die Ergebnisse von drei Wettkämpfen im Jahr 2017 ein. „Der Pokal, eigentlich ein Wanderpokal, bleibt jetzt bei uns“, freut sich Jugendabteilungsleiter Tobias Lembke.

Beim Herbstmarsch – dem letzten der drei Wettbewerbe – machten die Süderholzer den Gesamtsieg perfekt. Auf einer Strecke von rund neun Kilometern Länge durch den Negaster Forst hatten sie insgesamt zwölf Stationen zu absolvieren. Neben jeder Menge Spaß war auch Wissen in Sachen Feuerwehrgeräte und das Verhalten in bestimmten Situationen gefragt. „Sie haben wirklich gute Leistungen abgeliefert und sich den Pokal verdient“, sagt der Jugendabteilungsleiter.

Für Lembke und seinen Mitstreiter Daniel Lück war es der letzte Wettkampf, bei dem sie die Süderholzer Nachwuchsretter betreuten. Beide verabschieden sich zum Jahresende aus der Jugendfeuerwehr des Löschzuges Süderholz. Lembke will sich dann auf politischer Ebene für die Feuerwehren einsetzen und Lück geht aus beruflichen Gründen.

Akr Anja Krüger

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