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Grimmen Wegzüge, Austritte und zu wenig junge Leute
Vorpommern Grimmen Wegzüge, Austritte und zu wenig junge Leute
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00:05 18.10.2017
Die Grimmener Marienkirche. Quelle: Foto: Peter Franke

Die Kirchengemeinde Grimmen ist alt. Nicht nur, dass es bereits um 1270 einen Pfarrer Helmrich in Grimmen laut Aufzeichnungen aus dem ehemaligen Kloster Neuencamp bei Franzburg gegeben haben soll – die heutigen Mitglieder sind einfach nicht die jüngsten. 1090 Mitglieder zählt die evangelische Kirchengemeinde der Stadt und 60 Prozent von ihnen sind 60 Jahre und älter, berichtete Pastor Wolfgang Schmidt jetzt bei verschiedenen Veranstaltungen – unter anderem in der Gemeindeversammlung der Kirche und während einer städtischen Ausschusssitzung.

Auch finanziell wird es eng: Jetzt fressen Holzwürmer die Orgel auf

„Das bedeutet für uns, dass der Schwerpunkt unserer Gemeindearbeit nicht bei jüngeren Menschen und Familien liegen kann, sondern bei den Älteren“, sagt Pastor Schmidt. Deshalb wünscht er sich Frauen und Männer im Alter zwischen 60 und 70 Jahren, die sich ehrenamtlich in der Kirchgemeinde engagieren, ältere Mitglieder regelmäßig besuchen und sie in der letzten Phase ihres Lebens begleiten. „Ich möchte so einen festen Besucherdienst in unserer Gemeinde etablieren“, betont Schmidt.

272 junge Gemeindemitglieder mit Kindern hätten während der vergangenen sechs Jahre Grimmen verlassen, berichtet Schmidt weiter. So würden gegenwärtig lediglich 32 Kinder im Alter bis zu zehn Jahren zur Gemeinde gehören. Nur weitere 58 sind bis zu 20 Jahre jung. Den größten Anteil machen die 71- bis 80-Jährigen aus; in dieser Altersgruppe sind immerhin 273 Männer und Frauen Mitglied der Grimmener Gemeinde. 75 Menschen seien von 2015 bis 2016 aus der Kirche ausgetreten, war zu erfahren. „Das ist erschreckend“, kommentiert Wolfgang Schmidt.

Schmidt selbst schätzte während seines Berichts vor einigen Stadtvertretern und sachkundigen Bürgern der Ausschüsse ein, dass es sehr schwer sei, an die Grimmener „heranzukommen“. Gemeinde-Diakonin Claudia Seitz hatte während der Gemeindeversammlung erklärt, die Grimmener seien nicht unchristlich: „Der Glauben wird zu Hause gelebt, und nicht mehr in der Gemeinschaft.“

Positiv ist jedoch laut Pastor Schmidt die Resonanz bei den Pilgern, die auf einem Teil des Jakobsweges, der Via Baltica, über Horst auch Grimmen besuchen und hier in der Pilgerherberge Station machen. 96 Pilger waren 2017 schon zu Gast in der Grimmener Pfarrscheune.

Kompliziert gestaltet sich die finanzielle Situation der Kirchengemeinde. Als Einnahmen wurden für das vorige Jahr insgesamt 144100 Euro verbucht. Darunter 69200 Euro aus Verpachtungen, 11200 Euro aus Kirchgeld sowie so genannte Schlüsselzuweisungen in Höhe von 48000 Euro seitens der Nordkirche. „Unsere Hauptausgabe sind die Gehälter für die fünf Mitarbeiter in Höhe von 114040 Euro“, informiert Pastor Schmidt: „30000 Euro bleiben für andere Ausgaben. Allein die Rückzahlung der Kredite für das sanierte Gemeindehaus in der Mühlenstraße kostet uns 11000 Euro pro Jahr.“ Weiteren Verpflichtungen könne man nicht nachkommen, sagt Wolfgang Schmidt. „Wir haben keine Rücklagen mehr.“

So hatte Kantorin Sophia Blümel während der Gemeindeversammlung informiert, dass bei Wartungsarbeiten an der erst 25 Jahre alten Grimmener Voigt-Orgel gefährlicher Holzwurmbefall festgestellt worden war. Zudem sei das Instrument stark verschmutzt. Für die Sanierung seien 22000 Euro nötig, informiert Pastor Schmidt: „Ein großer Batzen, der auf die Gemeinde zukommt.“

Zur Glaubensgemeinde gehören 19 Orte

Zur Kirchengemeinde Grimmen gehören außer Grimmen die Orte Borgstedt, Grellenberg, Hohenwarth, Hohenwieden, Jessin, Stoltenhagen, Appelshof, Barkow, Bartmannshagen, Boltenhagen, Gerlachsruh, Groß

Lehmhagen, Heidebrink, Holthof, Kaschow, Klein Lehmhagen, Klevenow und Vietlipp.

Um 1275 soll der Bau der Grimmener Marienkirche begonnen haben. Zu den Besonderheiten des Gotteshauses zählen unter anderem das Rats- und Zunftgestühl aus dem 16.

Jahrhundert mit geschnitzten Wangen und die reich geschnitzte Kanzel von 1707.

Quelle: kirche-mv.de/grimmen

Almut Jaekel und Peter Franke

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