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Wenn Kinder plötzlich Diabetes haben

Stralsund Wenn Kinder plötzlich Diabetes haben

Die Diagnose ist für Familien ein Schock / In Kochkurs lernen die Kleinsten, mit der Krankheit zu leben

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Salat gehört zu jeder ausgewogenen Ernährung dazu – auch ohne Diabetes – wissen Hannah (7, vorn), Leonie (8) und Nick (8).

Stralsund. Noch bevor es richtig losgeht, fängt das Gerät unter Moritz’ Pullover an, Alarm zu schlagen. Der Zehnjährige hatte mit den anderen Kindern getobt und sich so verausgabt, dass sein Blutdruck jetzt völlig im Keller ist. Die Betreuer versorgen ihn sofort mit Traubenzucker und Apfelsaft, sodass der Junge schnell wieder zu Kräften kommt. Moritz hat Diabetes vom Typ 1, so wie auch alle anderen Jungen und Mädchen im Alter zwischen sieben und zehn Jahren, die gestern mit ihm ins Haus „Löwenherz“ am Stralsunder Klinikum West gekommen sind. Schrecksekunden, wie die an diesem Morgen, gehören zum Alltag der Kinder und ihrer Familien.

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Die Diagnose ist für Familien ein Schock / In Kochkurs lernen die Kleinsten, mit der Krankheit zu leben

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Formen der Zuckerkrankheit

Die beiden wichtigsten Formen sind Typ-1- und Typ-2-Diabetes. Typ 1 ist genetisch bedingt und tritt meist schon im Kindesalter auf. Bei Typ 2 sind Ernährung und Lebensweise entscheidende Faktoren, die zum Ausbruch der Krankheit führen können.

In einem Kochkurs sollen sie nun lernen, welche Lebensmittel sie essen können und was sie dabei beachten müssen. „Die Kinder sollen frei leben und essen können. Doch sie müssen wissen, was das für ihren Körper bedeutet“, sagt Katrin Knobel, Ärztin für Kinder- und Jugendmedizin am Helios Hanseklinikum, das den Kochkurs organisiert hat. Diabetes vom Typ 1 ist eine Autoimmunerkrankung, die typischerweise im Kindesalter auftritt und bis zum Lebensende bleibt. Dabei werden Antikörper gegen bestimmte Zellen in der Bauchspeicheldrüse gebildet, die für die Insulinproduktion zuständig sind.

Dieser Stoff wiederum wird benötigt, um den Blutzuckerspiegel zu senken.

Diabetesassistentin Manja Spohn hält zwei Mandarinen in ihrer Hand und zeigt sie in die Runde. „Wie viele Broteinheiten sind das?“, fragt die 38-Jährige. Die Kinder sind sich uneins ob die Antwort nun eins oder zwei lautet. Jede Kartoffel, jedes Stück Fleisch und eben auch jede Mandarine, die Diabetiker essen, müssen sie in sogenannte Broteinheiten umrechnen. Die geben an, wie viel Kohlenhydrate die Betroffenen mit einer Mahlzeit zu sich genommen haben. Daraus wiederum wird abgeleitet, wie viel Insulin sie sich spritzen müssen. Die zwei Mandarinen sind ist übrigens eine Broteinheit.

Auf einem Tisch im Nebenraum haben die Kinder all die Geräte und Utensilien verstreut, die sie brauchen, um die Krankheit unter Kontrolle zu halten. Insulinspritzen mit Schmetterlingsmuster, Messgeräte mit Teufelchenhülle, Tagebücher in Giraffenoptik. Wie selbstverständlich setzen sich die Kinder Spritzen in den Bauch und fachsimpeln über ihre Blutwerte. Einige von ihnen leben mit der Krankheit seit ihrem zweiten Lebensjahr, andere haben sie erst seit zwei Wochen. Den Kindern geht es nach Ausbruch der Krankheit etwa drei Wochen lang kontinuierlich schlechter – sie fühlen sich matt, schlafen in der Schule ein, trinken viel und müssen ständig auf die Toilette – bis sie ins Krankenhaus eingeliefert werden und die Diagnose bekommen. „Die Familien reagieren meist geschockt.

Denn trotz der guten Behandlungsmöglichkeiten ist es eine Krankheit, die stark in den Alltag eingreift“, sagt Manja Spohn. Beim Essen, beim Sport, sogar beim Schlafen darf der Blutzuckerspiegel nie aus den Augen verloren werden.

Die achtjährige Emma lässt sich davon nicht unterkriegen. Fröhlich zeigt sie die Funktionen ihres Messgeräts, das mindestens so cool wie ein Smartphone ist. Die ganze Rechnerei mit den Broteinheiten ist auch nicht so wild, Mathe ist schließlich schlimmer. Und Pläne für die Zukunft schmiedet sie auch schon – Emma will Polizistin werden.

Alexander Müller

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