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Grimmen Wenn das Leben ausbleibt: Ein Grab für Sternenkinder
Vorpommern Grimmen Wenn das Leben ausbleibt: Ein Grab für Sternenkinder
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00:00 09.06.2017

Die Hansestadt bekommt eine Begräbnisstätte für Sternenkinder. Eine Projektgruppe um Eva Schubert, Betriebsleiterin des Zentralfriedhofs, und Christoph Lehnert, Pastor an St. Marien, hat seit April 2016 daran gearbeitet, den Eltern, deren Kinder vor, während oder kurz nach Geburt verstarben, eine Stätte der Trauer auf dem Stralsunder Zentralfriedhof zu schaffen. Baubeginn für diese besondere Grabanlage wird im September sein. Im Oktober soll die Bepflanzung erfolgen und am 10. Dezember, dem Welttag der Sternenkinder, sind die ersten Bestattungen geplant.

Oberbürgermeister Alexander Badrow (CDU) hatte auf der jüngsten Bürgerschaftssitzung in einer emotional vorgetragen Rede von dem Projekt berichtet. „Wenn sich ein neuer Mensch auf Erden ankündigt, stehen alle Uhren auf Anfang. Doch was ist, wenn dieser Anfang ein jähes Ende findet? Das Wort Tragödie ist oft viel zu klein für die Größe der Trauer“, so Badrow. Um dieser Trauer einer Ort zu geben, hatten vier Landschaftsarchitekten im Rahmen eines Wettbewerbs Ideen zur Gestaltung der Begräbnisstätte zusammengetragen. Das Planungsbüro Carola Morgenstern überzeugte mit seinem Entwurf.

Dieser sieht eine runde, gärtnerisch gestaltetet Sammelgrabanlage vor, überspannt von einer Skulptur des Holzbildhauers Eckard Labs. An dieser können Eltern Sterne mit den Namen der ihrer verstorbenen Kinder befestigen. Badrow: „Weil gute Ideen Rückenwind brauchen, ging die Sparkasse Vorpommern mit Beispiel voran und unterstützt die Umsetzung der Gestaltung mit 15000 Euro.

Friedhofschefin Eva Schubert hat damit eine weitere Möglichkeit, den Wünschen von Betroffenen zu entsprechen. „Bislang konnten wir den Eltern nur eine Bestattung in einer der beiden Kindergrabanlagen in einem Baumgrab oder auf der anonymen Urnengrabanlage anbieten.“ Damit verbunden waren stets auch die Beerdigungskosten für die Trauernden. Auf der neuen Anlage fallen diese künftig weg. So hat es Badrow vor der Bürgerschaft erklärt.

Sternenkinder sind frühverstorbene, tot- und fehlgeborene Kinder unter 1000 Gramm. Zur Bestattung ist, nicht wie sonst üblich die Familie, sondern die gesetzlich Einrichtung verpflichtet, in der das Kind starb. In Stralsund ist das zumeist das Klinikum. Das Helios Hanseklinikum hat diese Kinder bislang in Greifswald, auf dem Schmetterlingsfeld des Neuen Friedhofs, bestatten lassen.

Der Projektgruppe liegen Zahlen vor, wonach zwischen 2014 und 2016 in der Hansestadt 47 Totgeburten registriert wurden.

Hinter diesen Zahlen steckt viel Traurigkeit. Pastor Christoph Lehnert weiß, dass dieses Thema meist mit Schweigen belegt ist, weil viele Betroffene mit ihrem Kummer alleine bleiben. „Es ist wichtig, dass durch das Projekt Sternenkinder Öffentlichkeit hergestellt wird. Damit erschließt sich den Eltern eine Möglichkeit, Trauer besser bewältigen zu können“, so Lehnert.

Das Projekt geht zudem über die Schaffung eines besonderen Ortes des Gedenkens weit hinaus. So ist Teil des vorgelegten Konzepts auch die Trauerbegleitung – betroffener Eltern Mut und Trost zu vermitteln. „Hier fühlen wir uns als Kirche direkt angesprochen, seelsorgerisch tätig zu werden“, sagt der Pastor. Er weiß sich dabei im Bunde mit Sozialdiensten und Selbsthilfegruppen, die für diese Aufgabe mit an einem Strang ziehen wollen.

Darüber hinaus hat sich die Marienkirchgemeinde als Träger für das Vorhaben zur Verfügung gestellt und ein Spendenkonto eingerichtet. „Um die Würde des Gedenkens an diesem Ort zu erhalten, braucht es Spenden“, betont Christoph Lehnert.

Eva Schubert hat da auch schon eine Idee: „Eine große, halbrunde Bank, für das Verweilen und zum Miteinander-ins-Gespräch-kommen würde die Anlage vervollkommnen.“

Jörg Mattern

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