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Grimmen Wenn die Kirche zum Atelier wird
Vorpommern Grimmen Wenn die Kirche zum Atelier wird
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00:40 11.06.2016
In der Leplower Kirche entsteht Kunst: Ursula Dietze (links) im Gespräch mit Waltraud Steinfurth. Quelle: Peter Schlag
Leplow

Vorsichtig modelliert Ursula Dietze den Ton. Als Basis für ein weiteres Kunstwerk. Auf das geschwungen-graue Ton-Stück kommt noch ein Hals-Ring. In der Mitte des Ton-Rohlings ist eine kreisrunde Aussparung. Dort soll ein tönerner Kopf befestigt werden. Ist das alles geschehen – und gebrannt – wird ein weiterer Bestandteil für eine Installation fertig sein.

Für eine besondere Marien-Gruppe.

Bemüht man den großen geschichtlichen Rahmen, spannt Ursula Dietze mit ihrer Arbeit in der Leplower Kirche gerade einen Jahrhundert-Bogen von der Reformationszeit ins Heute. So soll es auch sein.

Schließlich ist ihre Tätigkeit in der Kirchengemeinde Semlow-Eixen Teil eines ungewöhnlichen Projektes. „Artist in Parish“ ist der große Titel. Es geht darum, über Kunst ins Gespräch zu kommen.

Nächstes Jahr steht das 500-jährige Jubiläum der Reformation an. „Artist in Parish“ könne dabei eine schöne Aktion sein, den Reformationsgedanken herauszuarbeiten. So die Idee in der Nordkirche. In neun Kirchengemeinden sind ebenso viele Künstler tätig. Eröffnet wurde das Projekt am 22. Mai mit einem festlichen Gottesdienst in der Marienkirche von Husum. Zu den neun Kirchengemeinden gehört Semlow-Eixen. Mit der Friedrichstädterin Ursula Dietze ist eine Künstlerin Projekt-Partnerin für die Gemeinde, die sich sehr engagiert Gedanken gemacht hat, was bei „Artist in Parish“ entstehen soll.

Gemeinsam mit Interessierten stellt sie eine Kunstinstallation für die Leplower Kirche her. Eine Mariengruppe soll es sein, mit Köpfen aus gebranntem Ton. Auf Sockeln aus Metall, die gleich in der Nachbarschaft, in der Ravenhorster Firma Huß, dafür vorbereitet worden sind.

Wer mitmachen möchte, hat erst mal die Brille auf. Eine, durch die man nicht hindurchsehen kann. Klingt erst mal nach einer ungewöhnlichen Herangehensweise. Die Mitstreiter bekommen dann einen Tonklumpen in die Hand, sollen ihn gestalten. Fühlen und formen, das macht aus den Klumpen höchst individuelle Ton-Köpfe. Sie alle werden einmal die zentrale Marien-Figur umringen. 17 Stelen. Und Maria. Wobei Ursula Dietze in der Leplower Kirche noch eine andere Idee gekommen ist. Zusätzliche Ton-Köpfe samt Schultern könnten in den Sitzreihen platziert werden. Ungewohnt, aber interessant, beschreibt Waltraud Steinfurth die Gestaltung der Köpfe. Sie gehört zu den Interessierten, die die Künstlerin aus Friedrichstadt schon unterstützt haben.

Am 1. Juni ist Ursula Dietze in der Leplower Kirche quasi eingezogen. Bis zum 22. Juni läuft hier die erste Projektphase, das Gestalten der Installation. Umrahmt wird die Arbeit – teils allein, teils mit Interessierten – von Veranstaltungen der Kirchengemeinde. Themenabende gehören dazu, zwei Workshops für Kinder, und am 16. Juni die nächste Auflage der Menüssage. Am 19. Juni wird das Missionsfest in und um die Leplower Catharinenkirche gefeiert.

Für Pastor Jens Haverland ist „Artist in Parish“ eine besondere Möglichkeit, dass sich Interessierte mit Maria und dem Magnifikat zu befassen. Magnifikat, das ist der Lobgesang Marias aus dem Lukasevangelium. „Man sieht, was Kirche alles sein kann“, findet Jens Haverland. Kirche als Atelier.

Teil zwei des Projektes folgt übrigens ab 25. Juli. Für den 31. Juli ist ein Gottesdienst mit Vernissage in der Catharinenkirche geplant.

Idee des Evangelischen Kirchentages

2013 entstand die Idee für „Artist in Parish“ auf dem Evangelischen Kirchentag in Hamburg. Es geht darum, über die Kunst ins Gespräch zu kommen.

In Vorbereitung auf das Jubiläum 500 Jahre Reformation, das 2017 begangen wird, ist das Kunstprojekt wieder aufgegriffen worden.

9 Künstler leben und arbeiten im Bereich der Nordkirche für mehrere Wochen in einer Kirchengemeinde. Im Sprengel Mecklenburg und Pommern beteiligt sich Semlow-Eixen.

Peter Schlag

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