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Grimmen Wenn die Patienten mit dem Pferd kommen...
Vorpommern Grimmen Wenn die Patienten mit dem Pferd kommen...
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03:37 05.09.2013
Bis zu 50 Patienten pro Tag wurden behandelt. Quelle: Fotos: privat
Elmenhorst

Zahnärztin Dr. Marita Penz behandelt wieder in der eigenen Zahnarztpraxis und weiß deren Einrichtung mehr denn je zu schätzen.

In diesem Sommer hat sie für drei Wochen ganz andere Verhältnisse kennengelernt — in der Mongolei. Die DWLF (das Kürzel steht für Dentists Without limits Foundation, auf deutsch: „Zahnärzte ohne Grenzen“) organisierte die Hilfsreise in das ferne Land. „Den Wunsch, so einen Hilfseinsatz zu machen, hatte ich schon viele Jahre. Aber alles muss passen und so hat die Vorbereitung eineinhalb Jahre gedauert“, erzählt die Elmenhorsterin.

Erfahrungsberichte von anderen Zahnärzten bestärkten sie beim Entschluss für die Reise in die Mongolei. 36 Zahnärzte und Helferinnen aus ganz Deutschland begaben sich über Moskau und Ulaanbaatar in die Region Bayanhongor aimag, wo sie in insgesamt 21 Städten arbeiteten. Bayanhongor aimag befindet sich 640 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Ulaanbaatar, die Region hat eine Fläche von 115 998 Quadratkilometern, aber nur 82 229 Einwohner.

„Im Vorfeld gab es viel zu bedenken und ich habe meine Lupenbrille mit LED-Lampe schätzen gelernt“, berichtet die Zahnärztin, die vorab schon Pakete mit der wichtigsten Dentalausrüstung schickte. Die in der Mongolei vorgefundene chinesische Behandlungseinheit bestand aus einem Stuhl und einem Spucknapf. Ein Büro wurde kurzerhand zum Behandlungsraum. „Wir alle haben viel improvisiert und gebastelt und jeden Tag die Dankbarkeit der Menschen gespürt“, erzählt die 57-Jährige, die bis zu 50 Patienten pro Tag behandelte. „Die Menschen haben nachts im Krankenhaus in den Gängen oder im Auto geschlafen. Viele sind mit dem Pferd gekommen. So galt es jeden Tag zu entscheiden, was behandelt wird.“

Die erschreckende Erkenntnis der Helferin aus Vorpommern war, dass die Menschen dort nicht den Zusammenhang zwischen Zucker und Karies kennen. So hat sich das gesamte Team der Prophylaxe und Aufklärung gestellt und hofft auf Nachhaltigkeit. Die Wartezeit wurde von Helferinnen genutzt, um richtige Zahnpflege zu erklären. Außerdem wurde ein Flyer erarbeitet, der nun an Kindergärten und Schulen verteilt wird.

Marita Penz hatte das große Glück, sich das Zimmer mit der Dolmetscherin zu teilen. Dadurch erhielt sie viele Informationen über das Land. Dennoch erlernte sie auch einige Worte in der Landessprache.

„Amaa angai“ heißt zum Beispiel „Mund auf“ und „Shulsee haya“ bedeutet „Ausspucken“.

Viele kleine Geschenke vom Luftballon bis zum Kugelschreiber hatte die Elmenhorsterin für die kleinen tapferen Patienten im Gepäck. Trotz der harten Arbeit wurde Zeit eingeplant, um Land und Leute kennen zu lernen. So war Marita Penz zu Besuch in Jurten, stand plötzlich vor einem Yak und sah Maskentänze in einem Theater. „Bei allen Begegnungen hat man gespürt, dass wir willkommen waren.“ So bekam sie als Geschenk ein handgearbeitete Weste in der Nationaltracht und ein Würfelspiel aus Ziegenknochen.

„Wer keine großen Ansprüche an Infrastruktur und Sanitäreinrichtungen stellt, sollte dieses Land besuchen. Es ist wunderschön“, ist das Fazit von Marita Penz zum Thema Mongolei, die sie in der 90-tägigen Vegetationszeit besucht hat. Straßen gibt es dort nicht. Da hat eine 30 Kilometer lange Autofahrt, schon mal zwei Stunden gedauert, weil es durch einen Fluss und über einen Berg ging. 90 Prozent der Bevölkerung leben in Jurten.

Roswitha Pendzinsky

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