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Grimmen Wie die CDU den SPD-Kandidaten kaperte
Vorpommern Grimmen Wie die CDU den SPD-Kandidaten kaperte
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00:00 17.01.2018
Stralsund

Wahlkampf wird heutzutage im Internet entschieden. Russland lässt seine Hacker los, um Wahlen in aller Welt zu manipulieren. In den USA erreicht Trump mit seinen irren Twitter-Nachrichten ein Millionenpublikum. Bundeskanzlerin Angela Merkel führt Interviews mit halbwüchsigen Youtube-Stars. Und auch im kleinen Landkreis Vorpommern-Rügen ist jedes Mittel recht, um dem politischen Gegner im Internet eins auszuwischen.

Als die SPD Anfang Dezember ihren Landratskandidaten, den Barther Bürgermeister Stefan Kerth, kürte, kamen die Parteistrategen auf eine kluge wie naheliegende Idee: Der Kandidat braucht eine eigene Internetseite, mit schicken Hochglanzfotos, gutklingenden Slogans und allem drum und dran. Die Genossen machten jedoch schnell eine für sie erschreckende Entdeckung: Die Internetadresse www.stefan-kerth.de ist bereits vergeben – mit und ohne Bindestrich.

Jemand anderes hatte den Namen des SPD-Kandidaten gekapert und zwar nur drei Tage, nachdem Stefan Kerth genau dazu gewählt wurde. Dieser jemand – das lässt sich im Internet ganz einfach nachvollziehen – ist ein gewisser Stefan Händler, seines Zeichens Webdesigner aus Stralsund und – jetzt kommt’s – Mitglied in der CDU Vorpommern-Rügen. Der Mann hat sogar den Internetauftritt für den Kreisverband seiner Partei gestaltet. Stefan Händler selbst bestätigt die Aktion. Sie sei eine spontane Idee gewesen und nicht mit der CDU abgesprochen.

Nun ist es nicht ungewöhnlich, dass sich schlaue Menschen begehrte Internetadressen, sogenannte Domains sichern, um damit Geld zu verdienen. Mancher soll damit sogar sehr reich geworden sein. In diesem Fall handelt es sich aber nicht um ein Geschäftsmodell, sondern um einen kleinen, aber ziemlich gemeinen Wahlkampftrick.

Das Salz in der Suppe ist schließlich, was sich der Domain-Händler Stefan Händler als Gegenleistung für die Herausgabe der Internetadresse ausgedacht hat. Die SPD solle für Stralsunder Kitas spenden, sonst rücke er die Adresse nicht raus. Die Genossen sind deshalb richtig rot vor Wut, die Rede ist gar von einem „Lösegeld-Geschäft“. Egal was die SPD nun macht, sie steht doof da. Entweder sie zahlt, und macht sich damit erpressbar. Oder sie zahlt nicht und muss sich vorwerfen lassen, kein Herz für Kitas zu haben.

Alexander Müller

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