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Grimmen „Wir kamen nicht mit fliegenden Fahnen zur Großgemeinde“
Vorpommern Grimmen „Wir kamen nicht mit fliegenden Fahnen zur Großgemeinde“
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00:05 09.12.2017
Peter und Christiane Latendorf vor einer Wand mit Trophäen. Sie schmückt einen Raum bei den Latendorfs, in den sie oft zu Veranstaltungen der Volkssolidarität einladen. Quelle: Foto: Reinhard Amler
Bremerhagen

Latendorfs kennt jeder in Bremerhagen. Und nicht nur dort. Denn Christiane Latendorf ist eine der bekanntesten Politikerinnen in Vorpommern-Rügen.

Schließlich führt die 71-Jährige die zweitstärkste Fraktion im Kreistag an. Für die Partei Die Linke sitzt sie auch in der Gemeindevertretung von Sundhagen und sie mischt in der Volkssolidarität kräftig mit. Gemeinsam mit ihrem Mann Peter organisiert sie regelmäßig Veranstaltungen, die dann bei Latendorfs zuhause stattfinden. In einem extra hergerichteten Raum. Mit altehrwürdigem Büfett und vielen Trophäen an der Wand.„Bei den Treffs kommen die Leute wenigstens zusammen“, sagt Christiane Latendorf. „Letztens waren wir wieder über zwanzig.“ Das sei wichtig.

Seitdem Bremerhagen über keinen öffentlichen Saal und auch keine Gaststätte mehr verfügt, gebe es dazu wenig Gelegenheiten. Es existiert ja auch kein Konsum mehr. Und das Schullandheim habe ebenfalls geschlossen, zählt sie auf, von der „Hubertushütte“ ganz zu schweigen. Peter Latendorf hebt bei diesem Stichwort gleich die Hände. Als ehemaligem Revierförster liegt ihm deren Erhalt natürlich sehr am Herzen. Doch im Moment bewegt sich da wenig, weil sich Forst und Gemeinde nicht einig werden. Dem Forst gehört das Grundstück, der Gemeinde das Gebäude, das sanierungsbedürftig ist. Wie so oft geht es ums liebe Geld. Früher war die Hütte nicht nur Treff der Jäger, hier drehte selbst das DDR-Fernsehen Folgen seiner beliebten Reihe „Waidmannsheil“. „Auch Horst Köbbert trat hier auf“, erinnert sich Peter Latendorf.

Geld fehlt in der Großgemeinde Sundhagen, zu der Bremerhagen gehört, aber an allen Ecken und Enden. Das weiß Christiane Latendorf aus der Gemeindevertretung nur zu gut. Ihr ist aber auch klar, dass Bremerhagen dort überhaupt kein Gehör fände, säße sie dort nicht. „Wir sind 2009 nicht mit fliegenden Fahnen zur Großgemeinde gekommen“, erinnert sie sich. Erst eine Umfrage unter den Bürgern, bei der es damals drei Optionen gab – zu Grimmen zu gehen, zu Süderholz oder zu Sundhagen, habe zu diesem Schritt geführt. Letztlich gab aber wohl die langjährige Zugehörigkeit vieler Menschen zur LPG Miltzow den Ausschlag, schätzt sie. Außerdem habe es schon in der DDR einen Gemeindeverband Reinkenhagen gegeben, zu dem auch Bremerhagen gehörte. Im Grunde sei das ein Vorläufer der jetzigen Großgemeinde gewesen, meint sie. Alte Strukturen wirken halt nach.

Christiane Latendorf lebt seit 1969 in Bremerhagen. Ursprünglich stammt sie aus Schwerin. Ihr Mann Peter kam ein Jahr später in die Gemeinde. Die Menschen seien hier einfach gewesen, dafür aber umso aufgeschlossener und herzlicher, erinnert sich die Bremerhagenerin. Man habe schnell Kontakte schließen können. „Es gab eine richtige Gemeinschaft“. Heute sei das nicht mehr so, denn von den alten Bremerhägern sind inzwischen viele verstorben oder weggezogen.

„Vor fünf Jahren standen 15 Häuser leer“, erklärt Christiane Latendorf. Zum Glück seien viele wieder bezogen. Sogar von Familien mit Kindern. Darüber freut sich die Seniorin am meisten. Das Plus für das Dorf sei der Kindergarten, sagt sie, den es zum Glück immer noch gibt. Auch der Grundschulstandort Horst sei attraktiv, weil Horst ja gleich nebenan liege, meint sie. Doch die Schule soll ja bald schließen und Miltzow neuer Schulstandort werden. „Aber das wäre von Bremerhagen auch nicht so weit weg“, findet Christiane Latendorf.

Reinhard Amler

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