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Grimmen „Wir sind keine Schatzsucher“
Vorpommern Grimmen „Wir sind keine Schatzsucher“
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00:00 08.09.2018
Sellin

Er habe die Reißleine gezogen. Ziehen müssen. Die Auflösung der ganzen Gruppe habe schon gedroht, sagt Michael Parchow, Leiter und Sprachrohr der Interessengemeinschaft „De Ackerlöper“. Die Rügener Arbeitsgemeinschaft der ehrenamtlichen Bodendenkmalpfleger hatte im Januar auf einem Acker bei Schaprode den spektakulären Wikingerschatz entdeckt und sollte am Sonntag während der landesweiten Eröffnungsveranstaltung des Tages des offenen Denkmals im Stralsunder Rathaus eigentlich den mit 4000 Euro dotierten „FriedrichLisch-Denkmalpreis“ aus den Händen von Kultusministerin Birgit Hesse (SPD) entgegennehmen.

Die „Ackerlöper“ fühlen sich der Denkmal- und Bodendenkmal-pflege verpflichtet. Der Hype um den Silberfund tat dem Anliegen nicht gut.

Doch dazu kommt es nun nicht mehr. „Wir nehmen den Preis nicht an. Das habe ich dem Kultusministerium bereits mitgeteilt“, so Parchow. Dorthin verweist er auch für weitere Auskünfte und hält sich bedeckt. Man wolle sich in der nächsten Woche konkreter äußern.

Hesse bedaure, aber respektiere die Entscheidung. „Es wäre allerdings sehr schade, wenn die Verdienste dieser engagierten Gruppe von ehrenamtlichen Bodendenkmalpflegern dadurch in den Hintergrund treten würden. Sie haben sich zusammengefunden, um sich gemeinsam für das archäologische Kulturerbe in ihrer Heimatregion einzusetzen. Das tun sie mit großem Erfolg.“ Die Leistungen der „Ackerlöper“

stünden stellvertretend für die der vielen ehrenamtlichen Bodendenkmalpfleger in MV. Ihnen allen sei der Preis nun symbolisch gewidmet.

Den Preis sollten die „Ackerlöper“ (Ackerläufer) nach eigenen Angaben für „ihr herausragendes Wirken auf dem Gebiet der ehrenamtlichen Bodendenkmalpflege und für die überzeugende Verbreitung des Denkmalpflegegedankens“ erhalten. Doch eigentlich ging es nur um den Schatz, den Finder, einen Finderlohn, eine offizielle Würdigung. Die „Ackerlöper“ fühlten sich zunehmend als Spielball der Medien und der Politik und auf Schatzsucher reduziert. Wochenlang hatten Medien aus aller Welt über den Sensationsfund, der mit dem Dänenkönig Harald Blauzahn (910- 987) in Verbindung gebracht und dessen Wert kaum zu ermessen ist, berichtet und sich vor allem auf Luca Malaschnitschenko (13) als Entdecker fokussiert.

Der Nachwuchs-Archäologe war seinerzeit gemeinsam mit acht „Ackerlöpern“ auf dem Feld und hatte mit seinem Metalldetektoren die erste Münze im Boden entdeckt. Parallel empfing auch sein Mentor René

Schön Signale. Neben dem Hin- und Hergezerre, ob der Schatz einmal in einem Museum auf der Insel, in Stralsund, Greifswald oder Rostock gezeigt werden soll, wurden schnell Stimmen laut, dass Luca einen Finderlohn bekommen soll. Dieser ist in MV nicht vorgesehen, um nicht zur Schatzsuche zu animieren, die Fundplätze zerstören könnte.

Luca wurde für den mit 700 Euro dotierten „Denk mal! Preis für Kinder und Jugendliche“ nominiert. Weil der Preis aber nicht ihm allein, sondern der ganzen Gruppe zukommen sollte, schlug das Kultusministerium dann den Denkmalpreis für die „Ackerlöper“ vor. Und folgte damit erstmals nicht der Empfehlung der Fachjury. Diese sah die Kriterien für den Denkmalpreis nicht gegeben. In dieser Woche wurde dann bekannt, dass Luca und seine Eltern, die seit einem halben Jahr bei den „Ackerlöpern“ Mitglied waren, aus der AG ausgetreten seien (die OZ berichtete).

„De Ackerlöper“ wurden im Jahr 2015 gegründet. Derzeit hat die AG 15 Mitglieder, die sich für das kulturhistorische Erbe Rügens interessieren und sich insbesondere der Denkmal- und Bodendenkmalpflege verpflichtet fühlen. Darunter sind ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger und solche, die es werden wollen, Naturschutzwarte und Interessierte. Neue Mitstreiter aller Alterstufen sind gern willkommen. Zu den Aktivitäten gehören Flur- und Wüstungsbegehungen, Notbergungen, Pflege von Bodendenkmalen, Fachvorträge, Tagungen, Weiterbildungen und Exkursionen. Info: www.

ackerloeper.de.

Der Weg zum ehrenamtlichen Bodendenkmalpfleger

Wer sich für eine Mitarbeit interessiert, kann sich an die AG „Ackerlöper“ wenden und ist erst als „Interessierter" dabei. Bei Begehungen und Zusammenkünften werden praktische und theoretische Grundkenntnisse erworben.

Für die Ausbildung zum ehrenamtlichen Bodendenkmalpfleger gehören Fortbildungsveranstaltungen des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege, die in der AG umgesetzt werden.

Nach mehrjähriger Zusammenarbeit mit den Behörden und sehr guten Kenntnissen kann der ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger von der fachlich zuständigen Denkmalfachbehörde auf Vorschlag der unteren Denkmalschutzbehörde – auf die Dauer von fünfJahren – bestellt werden. Er bekommt einen Ausweis. Nach dem Besuch des Lehrgangs „Methoden der Feldbegehung“ erhält er ein Einlegeblatt, in dem für zwei Jahren bescheinigt wird, dass er zur Erfassung der Bodendenkmale ausschließlich auf Rügen einen Metalldetektor verwenden kann.

Seine Aufgaben: Pflegearbeiten, Feldbegehungen (Entdeckung, Erfassung, Beurteilung), Bergung von Zufallsfunden, Sammeln und Weitergeben von Informationen. Der ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger darf keine Ausgrabungen durchführen. Er arbeitet unentgeltlich und ist der zuständigen Denkmalfachbehörde zugeordnet und untersteht deren Weisungen.

Gerit Herold

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