Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 7 ° Regenschauer

Navigation:
„Auf Genauigkeit kommt es an“

Greifswald „Auf Genauigkeit kommt es an“

Die Buchbinderei von Bernd Neumann hat eine gute Auftragslage / Branche klagt über Nachwuchsprobleme

Greifswald. Bücher und Broschüren stapeln sich im gesamten Raum. In den Regalen lagern Kunstleder und Leinen, hochmoderne Schneidemaschinen stehen neben mehr als 100 Jahre alte Geräte.

In dem organisierten Chaos ist Bernd Neumann über ein altes, blaues Buch gebeugt. Konzentriert trägt er den Leim auf einem Vorblatt auf, an das der abgerissene Bucheinband wieder befestigt werden soll. „Ich repariere einige solcher Bücher, die bereits 80 Jahre alt sind, für einen Kunden“, kommentiert der Buchbinder seine Arbeit. „Momentan habe ich viele Aufträge und bin gut beschäftigt.“ Egal ob Abschlussarbeiten, Bücher, Broschüren, Kalender, Speisekarten oder Reparaturen — der 46-Jährige legt in seiner kleinen Werkstatt in der Greifswalder Stadtrandsiedlung immer besonderes Augenmerk auf Präzision. „Das ist auch wichtig, denn der äußere Eindruck entscheidet viel“, sagt Neumann. „Auf die Genauigkeit kommt es an.“

Es ist ein Ein-Mann-Unternehmen, das der Greifswalder stemmt. 1986 wurde der Betrieb von seinem Vater gegründet, bei dem er auch seine Ausbildung absolvierte. Heute ist Bernd Neumann selbstständig und hat seinen Meister. „In der vergangenen Zeit musste ich einige Auftragseinbrüche verkraften und neue Maschinen anschaffen, aber jetzt ist der Betrieb so gut wie schuldenfrei.“

Damit ist die Buchbinderei von Bernd Neumann eine der wenigen, die sich gehalten haben, weiß Werner Obermeier, Sprecher des Bundes Deutscher Buchbinder. „Viele Betriebe sind verschwunden“, resümiert Obermeier. 844 eingetragene Buchbinder gebe es noch bundesweit, nur zwölf davon liegen in Mecklenburg-Vorpommern. „Das Hauptproduktfeld ist weggebrochen“, nennt der Sprecher als Grund. „Früher mussten Fachzeitschriften und Magazine für Bibliotheken noch gebunden werden. Heute werden sie digitalisiert.“ Mit Einzelaufträgen von Privatkunden tue man sich schwer, da diese nicht wirtschaftlich seien. „Wenn sich das Handwerk professionalisiert, wird es nicht aussterben“, ist sich Obermeier aber sicher.

Auch bei Bernd Neumann seien die Zeiten mit Aufträgen von Auflagen bis zu 10000 Stück vorbei. Doch er arbeitet mit Druckereien zusammen, um sich über Wasser zu halten. Auch Aufträge der Universität oder der Stadt stehen in seinen Auftragsbüchern. „Aktuell arbeite ich unter anderem auch an dem Ehrenbuch der Hansestadt“, sagt der Mittvierziger. Seine Kundschaft kommt aus dem gesamten Kreis Vorpommern-Greifswald, aber auch aus Stralsund oder Neubrandenburg sowie von Rügen. Ungewöhnliche Wünsche, wie Lampenschirme, Minibücher oder gebundene Geldscheine als Hochzeitsgeschenk, erfüllt er gern. „So viele andere Betriebe gibt es nun auch nicht in der Region“, sagt der Buchbindermeister.

Das kann auch die Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Vorpommern-Greifswald, Gudrun Hohberger, bestätigen. „Buchbinder sind eindeutig eine Randgruppe“, beschreibt sie. „Im Kreis gibt es nur zwei Betriebe.“ Eine Innung gebe es nicht. Nur in den großenStädten sei die Nachfrage noch da. „Aber wovon sollen sie auf dem Land leben“, fragt Hohberger.

Folglich ist auch der Nachwuchs ein enormes Problem der Branche. Das sei Spiegel der Betriebslage, sagt Obermeier vom Buchbinderbund. Auch Bernd Neumann aus Greifswald würde eigentlich gerne ausbilden, aber die Zeit und der Platz in seiner kleinen Werkstatt würden fehlen. Gudrun Hohberger kann ebenfalls keine positiven Zahlen vermitteln: „Seit 22 Jahren arbeite ich in der Kreishandwerkerschaft und habe noch keinen Ausbildungsvertrag für Buchbinder auf dem Tisch gehabt.“

Von Ann-Christin Schneider

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Stralsund
Karsten Köpke und Bodo Voigt (r.) vorm Modell der schwimmenden Windkraftplattform die von der Edelstahl und Umwelttechnik Stralsund GmbH (ESG) in einer angemieteten Halle auf der Volkswerft gebaut wird.

Bei der Edelstahl Stralsund GmbH entsteht Deutschlands erste schwimmende Windkraftplattform

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Wirtschaft
Verlagshaus Grimmen

Bahnhofstraße 11
18507 Grimmen
Telefon: 03 83 26 / 46 07 84

Öffnungszeiten:
Montag bis Donnerstag
9.30 bis 16.30 Uhr

Leiterin Lokalredaktion: Almut Jaekel
E-Mail: lokalredaktion.grimmen@ostsee-zeitung.de

Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Termine, Events, Veranstaltungen Teaser der den User auf die Seite "Termine" führen soll image/svg+xml Image Teaser Termine 2015-09-23 de Veranstaltungen Aktuelle Termine Konzerte, Kino, Ausstellungen, Vorträge, Theater, Workshops, Tanz und noch vieles mehr. Alle Veranstaltungen und Freizeittipps in Ihrer Nähe finden Sie hier.
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
RSS-Feeds

Wissen, was in Rostock und der Welt los ist

Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Lererbriefe, Meinung, Teaser der den User auf die Seite "Leserbriefe" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Leserbriefe“ 2015-09-23 de Meinung Ihre Leserbriefe Über unser Kontaktformular können Sie uns gern Lob, Kritik, Ideen oder andere Anmerkungen zu aktuellen Themen aus Ihrer Region, MV und der Welt zusenden. Wir freuen uns auf Ihre Meinung. Hier geht es zum Formular.