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Sternback-Inhaber Reinhard Dragheim aus Kandelin begeht 40-jähriges Meisterjubiläum

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In Leipzig besaß Reinhard Dragheim, hier bei der Arbeit am Backofen, seine erste eigene Bäckerei.

Kandelin/Negast. . Wenn ihm jemand gesagt hätte, dass ihm die Vorpommern die Backstube einrennen würden, Reinhard Dragheim hätte es wohl für einen Scherz gehalten, den man sich auf seine Kosten machte. Ausgerechnet ihm, dem gebürtigen Sachsen? Doch genauso ist es ihm vor 32 Jahren passiert, als er von Leipzig nach Kandelin in die Nähe der Ostseeküste zog.

OZ-Bild

Sternback-Inhaber Reinhard Dragheim aus Kandelin begeht 40-jähriges Meisterjubiläum

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Reinhard Dragheim war zu diesem Zeitpunkt bereits Bäckermeister. „Die Leute standen Schlange, schleppten Brot und Brötchen tonnenweise weg“, erinnert er sich. Sogar aus Stralsund kamen sie, um sich bei Reinhard Dragheim mit Backwaren einzudecken. Dass aus ihm ein Bäcker wurde, lag zu einem guten Teil auch am Leipziger Bäckerobermeister Hans Ohmann, bei dem er sich in den Ferien sein Taschengeld aufbesserte. „Schickt mir den Jungen mal lang, mal sehen, ob er sich eignet“, vereinbarte der alte Meister damals mit Dragheims Eltern.

Der Lehrling, der eigentlich Fernsehmechaniker werden wollte, enttäuschte den Meister nicht. 1968 schloss Dragheim seine Lehre als Bäckergeselle ab, war da gerade einmal 16 Jahre alt. Sein Weg führte Reinhard Dragheim zunächst zu einer Konsum-Großbäckerei. „Aber da habe ich schnell gemerkt, dass das nicht mein Ding war. Ich wollte meine eigene Bäckerei“, erinnert sich der heute 64-Jährige. Das Industrielle, das lag ihm nicht. Er träumte von einem alten Ofen in einer Kellerbackstube wie bei seinem ersten Meister.

Den Traum erfüllte er sich 1976, nachdem er die Meisterschule abgeschlossen hatte. Er übernahm einen Betrieb in Leipzig und eröffnete am 11. Mai 1976 seinen ersten Laden, in dem er auch die praktische Meisterprüfung ablegte. Als jüngster selbstständiger Bäckermeister der DDR setzte er zunächst auf einfache Bäckerwaren wie Brot und Brötchen, wagte sich dann aber an Konditorwaren heran.

Sein Meisterstück, die „Bismarck-Eiche“ – eine Biskuitrolle –, flog ihm allerdings erst einmal um die Ohren. Nicht etwa, weil sie missraten gewesen wäre, nein, vielmehr störte sich die Prüfungskommission an dem Namen. Bismarck? Ein Affront! Viel zu anarchistisch! „Erst als ich sie in „Eichenstamm“ umbenannte, legte sich der Sturm“, erzählt Reinhard Dragheim und erinnert sich, dass es weiteres Gebäck gab, das er umbenennen musste, wollte er es in seinem Laden zum Verkauf anbieten. So wurde zum Beispiel aus dem „Amerikaner“ das Ammoniakplätzchen.

Zwei Gesellen beschäftigte der Bäckermeister, seine Mutter stand hinter dem Ladentisch. Doch obgleich sich Dragheims Traum von der eigenen Bäckerei erfüllt hatte, erwog er, aus Leipzig wegzuziehen.

Die Stadt gehörte damals zu den schmutzigsten des Landes, doch Dragheim wollte, dass seine vier Kinder in gesunder Luft aufwuchsen. So zog die Familie nach Norden, landete in Kandelin und Dragheim bei der neu gebauten LPG-Bäckerei. Den Schlüssel zur Eröffnung im Januar 1986 buk er selbst.

Insgeheim gab Reinhard Dragheim, der in seiner gesamten Berufszeit rund 50 Bäcker und 30 Verkäuferinnen ausbildete, den Traum einer erneuten Selbstständigkeit nie auf. Mit der Wende stellte er einen Antrag für den Kauf der Bäckerei und bekam nach zähem Hin und Her schließlich den Zuschlag. Heute hat Dragheim fünf gut laufende Sternback-Filialen in Kandelin, Negast und Grimmen sowie mobile Verkaufswagen, mit denen er seine Waren über Land fährt.

Was er sich noch wünscht für die nächsten Jahre? „Nichts. Es ist alles so, wie ich es mir immer gewünscht habe“, sagt er zufrieden.

Erfolgsgeschichte Negast

. Der Laden in Negast ist die größte Sternback-Filiale und hat ihre ganz eigene Erfolgsgeschichte. „Am Anfang waren wir froh über jeden Kunden, der in den Laden kam“, erzählt Filialleiterin Annette Moritz. Heute vereint die Negaster Sternback-Filiale Bäcker, Fleischer und ein Restaurant. „Und wir haben überall gut zu tun“, so Moritz. Im Restaurant wird eine umfachreiche Mittagskarte angeboten, die Bäckerei verfügt über ein kleines Café und die Fleischerei mit vorwiegend regionalen Produkten läuft hervorragend. Mittlerweile gibt es die Negaster Außenstelle seit 20 Jahren, ein weiteres Sternback-Jubiläum.cn

Wussten Sie schon, dass...

... Bäcker zu DDR-Zeiten Zitronat aus getrockneten, kandierten grünen Tomaten verwenden mussten? Das sogenannte Kandinat T wurde statt des raren echten Zitronats unter anderem in Stollen verwertet.

... auch das Marzipan Schmu war? Der Marzipan-Ersatz Resipan wurde aus pürierten und mit viel Aromastoffen versetzten gelben Erbsen hergestellt und an die Bäckerei geliefert.

... bereits ein Ersatz-Orangeat in der Entwicklung war? Es gab Versuche, aus gewürfelten, kandierten Mohrrüben ein Ersatz-Produkt für Orangeat herzustellen. In den Handel kam es nie, die Wende kam den Entwicklern dazwischen.

... Amerikaner offiziell nur als „Ammoniakplätzchen“ verkauft werden durften? Der Name wurde von dem im Gebäck enthaltenen Triebmittel Ammoniumhydrogencarbonat abgeleitet.

Claudia Noatnick

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