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Binzer Unternehmer investiert in Stralsunds Denkmäler

Stralsund Binzer Unternehmer investiert in Stralsunds Denkmäler

In den Häusern Heilgeiststraße 15 und 15a entstehen elf Wohnungen und zwei Läden / Rund vier Millionen Euro fließen in die Sanierung

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Sie gehören zu den letzten Ruinen in der Stadt: Die denkmalgeschützten Häuser Heilgeiststraße 15 und 15a. Jetzt werden sie saniert. Investor ist der Binzer Unternehmer Ulf Dohrmann. Fotos (2): Marlies Walther

Stralsund. Sie haben eine lange Leidensgeschichte hinter sich. Jetzt werden sie gerettet: Die denkmalgeschützten Häuser Heilgeiststraße 15 und 15a. Der Binzer Mode-Unternehmer Ulf Dohrmann hat die Gebäude aus dem 17. Jahrhundert Ende des vergangenen Jahres gekauft und beginnt nun mit der Sanierung.

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In den Häusern Heilgeiststraße 15 und 15a entstehen elf Wohnungen und zwei Läden / Rund vier Millionen Euro fließen in die Sanierung

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„Die Häuser sind höchst einsturzgefährdet. Es ist ein Wahnsinnsaufwand, sie zu entkernen“, beschreibt der Investor. Deshalb müsse mit äußerster Vorsicht vorgegangen werden. Der gebürtige Stralsunder, der in der Tribseer Vorstadt aufgewachsen ist und bis zur Wende in der Hansestadt lebte, hat den Anspruch, „beste Qualität“ abzuliefern und damit für Nachhaltigkeit zu sorgen. Denn in Stralsund sei sehr viel mit „heißer Nadel“ saniert worden. Und genau das liege ihm fern, sagt der 42-Jährige, der in Binz Ortsvorsitzender der CDU und Chef des Tourismusausschusses ist.

Deshalb arbeite er auch mit renommierten Fachleuten zusammen. Die Planung übernimmt der Greifswalder Architekt Axel Drebing, der im Zusammenhang mit der Sanierung von Baudenkmälern in der Region – unter anderem auf Rügen – große Erfahrung habe. Aus dem Greifswalder Büro stammen zum Beispiel auch die Entwürfe für den Wohnturm in Prora.

In der Stralsunder Heilgeiststraße sollen elf Miet-Wohnungen – erreichbar über einen Lift – und zwei Geschäfte im Erdgeschoss entstehen. „Wir sind noch am Anfang, legen aber ein gutes Tempo vor, wenn man bedenkt, dass ich erst im vergangenen Herbst die Immobilie zum ersten Mal gesehen habe“, sagt Dohrmann, der sich lobend zur Unterstützung des Bauamtes äußert.

Die Stadt dürfte auch froh sein, dass sich für dieses schwierige Ensemble endlich ein Investor gefunden hat, denn die Häuser waren Bestandteil eines aufsehenerregenden Immobilien-Skandals, der die Hansestadt erschüttert hatte.

Fast zwei Jahrzehnte dauerte der Kampf der Hansestadt gegen die Berliner Firma Weyland & Quast mit Gustav Sommer an der Spitze. Anfang der 1990er-Jahre hatte das Unternehmen an die 80

Immobilien in Stralsund aufgekauft, ging 1997 aber Pleite. Drei Jahre später verurteilte das Amtsgericht Stralsund Sommer wegen Betrugs zu 18 Monaten Haft. Der ging erfolgreich in Berufung und kam nach der Verhandlung im April 2006 mit einer Geldstrafe in Höhe von 10 800 Euro davon.

Die Häuser in der Heilgeiststraße 15 und 15a standen bereits seit 1994 leer. Im Sommer 2010 war es der Stadt mit Hilfe der Stadterneuerungsgesellschaft (SES) gelungen, beide Häuser bei einer Zwangsversteigerung aus der Insolvenzmasse von Weyland & Quast zu erwerben. Allerdings bremsten Grundschuldbriefe in Höhe von 800 000 und 500 000 DM den weiteren Fortgang.

Stralsund konnte also mit der finanziell hoch belasteten Immobilie nichts anfangen. Die Stadt zog schließlich vor Gericht und gewann. Im Jahr 2011 wurden die beiden angeblich verloren gegangenen Grundschuldbriefe für ungültig erklärt. Damit stand einer Eintragung ins Grundbuch und dem Verkauf an einen interessierten Investor nichts mehr im Wege. Zunächst hatte sich der Rostocker Dr.

Christian Hückel interessiert, aber bereits 2011 eingeschätzt, dass die Häuser „in einem sehr schlechten Zustand und von Schwamm durchsetzt“ sind. Aus kaufmännischer Sicht seien Sanierung und Nutzung sehr schwierig. Nun wagt Ulf Dohrmann das Bauprojekt und rechnet mit einem Investitionsvolumen von mindestens vier Millionen Euro. Die Fertigstellung ist im zweiten Halbjahr 2017 geplant.

Inventar landete auf Sylt

Die Geschichte der Häuser reicht nach Recherchen von Stadthistoriker Dr. Andreas Neumerkel weit zurück. Die Nummer 15 wurde 1681 als barockes Giebelhaus errichtet. Eigentümer waren reiche Kaufleute, die auch Bier brauen durften. 1876 erwarb Carl Lange das Haus. „Sack-Lange“ stellte Planen und Säcke her. Noch heute ist der Schwan als Firmenzeichen an der Fassade erkennbar.

Im Kern stammt die Nummer 15a aus der Zeit um 1700 und wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts umgebaut. 1877 kaufte Carl Wothke, Besitzer einer Weinbrennerei und Likörfabrik, das Haus. 1895 eröffnete er seine „Probierstube“ als Verkaufsstätte für „geistige Getränke“. Daraus wurde die Kneipe Wothke, die Kultstatus erlangte und bis 1994 betrieben wurde. Die Original-Einrichtung soll gestohlen worden und bei einem Antiquitätenhändler auf Sylt aufgetaucht sein.

Marlies Walther

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