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Biotonne: Gegenwind flaut ab

Grimmen Biotonne: Gegenwind flaut ab

Abfallwirtschaftler loben, dass die umgestellte Entsorgung inzwischen fast reibungslos funktioniert

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Ein Hausmüll-Berg in der Deponie Camitz. Die Entsorgung kostet den Landkreis Vorpommern-Rügen am meisten.

Quelle: Fotos: Anja Krüger

Grimmen. Äpfel, Kartoffeln, Zwiebeln – und das alles zwischen dem Hausmüll, den die Entsorgungsfahrzeuge der Firma Alba täglich bei der Deponie in Camitz bei Ribnitz-Damgarten abladen. Ein Bild, das seit Jahresbeginn mit der flächendeckenden Einführung der Biotonne im Landkreis Vorpommern-Rügen vorbei sein sollte. Aber wenn auch die Trennung von Haus- und Bioabfällen in Privathaushalten noch nicht zu hundert Prozent läuft, „ein Umdenken bei den Leuten hat stattgefunden“, ist Torsten Ewert, technischer Leiter beim Eigenbetrieb Abfallwirtschaft des Landkreises Vorpommern-Rügen, überzeugt.

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Abfallwirtschaftler loben, dass die umgestellte Entsorgung inzwischen fast reibungslos funktioniert

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Es hat

ein Umdenken

bei den Bürgern stattgefunden.“Torsten Ewert,

Technischer Leiter Eigenbetrieb Abfallwirtschaft

„Wenn ich daran denke, wie viel Gegenwind wir zu Jahresbeginn aus der Bevölkerung hatten, hätte ich nicht damit gerechnet, dass die Umstellung letztendlich doch nach überschaubarer Zeit beinahe reibungslos läuft“, sagt Ewert. Fakt ist: Jeder Haushalt hat seinen Biomüll per entsprechender Tonne entsorgen zu lassen. So verlangt es der Bundesgesetzgeber.

Eine Ausnahme sei die Eigenkompostierung. Dann aber ohne Wenn und Aber. „Wer sich zu Jahresbeginn entschieden hat, seine Bioabfälle auf dem eigenen Kompost zu entsorgen, muss dies beispielsweise auch mit Knochen, Resten von Zitrusfrüchten und Essensresten tun“, erklärt Ewert. In der Hausmülltonne hätten diese Dinge nichts mehr zu suchen. Und noch einen Hinweis hat Torsten Ewert: „Organische Abfälle selbst zu kompostieren heißt auch, einen Garten zu haben, wo der Kompost schließlich landet!“ Ein Punkt, der ihn besonders in Bezug auf die Hansestadt Stralsund stutzig macht. Denn dort gebe es einige Haushalte, die sich gegen die Biotonne entschieden hätten, er sich aber fragen würde, wo da der Kompost dann bleibe. Kontrollen diesbezüglich habe es noch nicht gegeben. „Unser Hauptaugenmerk lag in diesem Jahr darauf, zunächst den reibungslosen Ablauf sicherzustellen“, begründet Ewert.

Während immer noch reichlich Bioabfälle in der grauen Restmülltonne verschwinden und von den Mitarbeitern der Entsorgungsfirma unentdeckt bleiben, sieht es mit Fremdstoffen in der Biotonne anders aus. Seit April dieses Jahres bleiben die Behälter ungeleert stehen, in denen sich Stoffe befinden, die sich nicht kompostieren lassen. Ein an den Müllfahrzeugen installiertes System erkennt diese Fremdstoffe. „Dieses unterbricht den Schüttungsvorgang. Auch der Fahrer hat dann keine Möglichkeit, das Leeren der Tonne zuzulassen“, informiert Ewert.

Statt einer geleerten Tonne gebe es dann für den Haushalt eine rote Karte – ein Zettel mit dem Hinweis, warum dies so sei. Heißt für die Bürger, entweder ihren Biomüll nachzusortieren, oder den Eigenbetrieb des Landkreises zu beauftragen, die Tonne als Restmüll abzufahren. Letzteres ist allerdings mit einer Gebühr verbunden. Für die Leerung der 120-Liter-Tonne würden dann sechs Euro fällig werden, informiert Ewert.

Beim Thema Kosten kommt unweigerlich das Gespräch auf die geänderte Gebührensatzung – vereinheitlicht für den gesamten Landkreis. Diese sorgte zum Jahresbeginn vor allem in Nordvorpommern und Stralsund für einen Aufschrei. Denn für eine 120-Liter-Restmülltonne müssen dort die Haushalte beinahe doppelt so viel (Nordvorpommern) beziehungsweise mehr als das Doppelte (Stralsund) im Gegensatz zum Vorjahr löhnen. Für die Rüganer dagegen wurde es sogar ein wenig günstiger. „Die Insulaner haben seit zehn Jahren einen stabilen Entsorgungspreis. Dies zeichnet sich nun für den gesamten Landkreis ab“, ist Ewert der festen Überzeugung. Für die Haushalte in Nordvorpommern und Stralsund sieht er sogar noch Einsparpotenzial. „Als zu Jahresbeginn die Biotonne eingeführt wurde, haben viele nicht bedacht, dass eventuell damit eine kleinere Restmülltonne ausreichend wäre“, weiß er. Mittlerweile habe aber eine Behälterwanderung – so nennt er die Umstellung von einer größeren auf eine kleinere Tonne – eingesetzt. Dies sei übrigens zu jedem Monatsanfang möglich, informiert er. Über 20 Euro pro Jahr können beispielsweise Haushalte sparen, die von einer 80-Liter- auf eine 60-Liter-Restmülltonne umsteigen. Auch eine Biotonne kann jederzeit nachgefordert werden. „Ohne zusätzliche Kosten“, erklärt Torsten Ewert. Und die Trennung von Rest- und Bioabfällen komme schließlich allen Haushalten im Landkreis zugute, denn: „Die Entsorgung von Bioabfällen ist entscheidend günstiger als jene von Restmüll.“

Weniger Hausmüll

Die Biotonne wurde zum Jahresbeginn im Landkreis Vorpommern-Rügen flächendeckend eingeführt.

Seit 2005 gibt es dieses zusätzlichen Mülltonnen für organische Abfälle bereits auf der Insel Rügen.

650 Tonnen Bioabfall fallen pro Monat im einstigen Landkreis Nordvorpommern an.

In der Hansestadt Stralsund sind es 300 Tonnen pro Monat.

Im Bereich Nordvorpommern sinkt seit Einführung der Biotonne die Menge des Hausmülls – in Stralsund dagegen kaum.

Anja Krüger

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