Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Grimmen Der gute alte Konsum - er lebt noch
Vorpommern Grimmen Der gute alte Konsum - er lebt noch
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
01:21 27.08.2014
Angela Matthies ist die gute Seele in Grammendorf. Jeden Tag bietet sie eine andere Sorte Softeis an. Das kommt gut an, sagt sie. Sieben Tage die Woche hat sie ihren kleinen Einkaufsladen geöffnet. Auch am Sonntag. Fotos (5): Reinhard Amler
Grimmen

„Über zu wenig Kunden kann ich nicht klagen“, sagt Angela Matthies und lacht. Sie ist die quirlige Geschäftsfrau in Grammendorfs ehemaligem Konsum, der jetzt „Ihr Kaufmann“

heißt.

„Es gibt hier alles, was ich brauche“, bestätigt ihr Einwohner Fred Groth. „Ich bin auf den Laden angewiesen, da ich kein Auto habe“, sagt der Rentner aus Grammendorf und fügt hinzu: „Ich komme jeden Tag hierher.“

„Wir sind doch auch so etwas wie der kommunikative Treff im Ort“, entgegnet die Chefin. „Manchmal bin ich auch Kummerkasten “, fügt sie schmunzelnd hinzu. Angela Matthies findet das aber normal. Es gefällt ihr. Ihre Stammkunden nennt sie alle beim Namen. Sie lebt ihren Job. Deshalb ist sie auch bemüht, alle Wünsche zu erfüllen. „Was fehlt, wird besorgt“, ist ihr Motto. Sogar Handys aufladen und Pakete abgeben, kann man bei ihr. Und Softeis essen. „Jeden Tag eine andere Sorte. Ein Plan hängt an der Tür“, betont die 48-Jährige.

Auch Kathrin Böhm und Mario Gropp kommen gern her. Beide sind aus Suhl, machen jedes Jahr Urlaub in der Region. „Wir kaufen vor allem Brötchen“, sagen die Thüringer. Auch Bauarbeiter und die Bauern, die jetzt in der Ernte sind, lieben den Laden, weil sie wissen, dass es hier immer frischen Kaffee gibt. Sogar sonntags“, erklärt Angela Matthies. Auch in der Woche klappt hier permanent die Tür. Und das, obwohl Grammendorf mit seinen Ortsteilen, Keffenbrink, Nehringen, Rodde und Dorow gerade einmal 563 Einwohner zählt.

Ähnlich wie hier, sind auch die Kunden in Edeltraud Spiekermanns Edeka-Laden in Reinkenhagen zufrieden. „1992 habe ich das Geschäft übernommen, sagt die Inhaberin. Sie klingt nicht ganz so euphorisch wie ihre Grammendorfer Kollegin. „Ich habe schon bessere Zeiten erlebt“, sagt sie und meint die Anfangsjahre. „Damals war noch Geld da. Da lebten auch noch mehr Leute hier“. Kein Wunder, schließlich war das Dorf mal der Zentrum der Erdölwirtschaft. Hunderte hatten Beschäftigung. Der Betrieb wurde 1993 abgewickelt. Seitdem ging es bergab. Heute wohnen noch gut 1000 Einwohner in Reinkenhagen und dem benachbarten Miltzow. Dennoch will Edeltraud Spiekermann nicht klagen, sagt sie.

„Ich lebe vornehmlich von Rentnern und Hartz-IV-Empfängern“, erklärt sie. Die müssen mit ihrem Geld haushalten. Am besten gehen in Reinkenhagen selbstgemachte Klopse, Kotelett und Salate.

Edeltraud Spiekermann hat ihren Laden samt Immobilie, der früher auch Dorf-Konsum war, längst von Edeka gekauft, wohnt auch selber im Haus. Das Großunternehmen beliefert sie. Ob das immer so bleibt, weiß sie nicht. Die Großen versuchen die Kleinen abzustoßen. Weil sie unrentabel sind. Vor 14 Tagen erst hat ihr Toastbrot-Lieferant gekündigt. Nach 22 Jahren, sagt Spiekermann. Für die Frau ist das ein Riesenproblem. Toastbrot wird sehr nachgefragt.

Auch im wenige Kilometer entfernten Abtshagen sind frische Waren der Renner. „Wenn wir unsere Fleisch- und Wursttheke nicht hätten, könnten wir gleich dicht machen“, erklärt Bernd Wiese. 2011 hat er gemeinsam mit Ehefrau Diana den alten Konsum übernommen. Man muss sich schon aufopfern, um über die Runden zu kommen, sind sich beide einig. Eine 72-Stunden Woche sei normal. Kein Urlaub ebenfalls, so der 51-Jährige. Froh ist das Paar, wenigstens den Sonntag frei zu haben. „Da können wir mal sonnabends ausgehen“, fügt Bernd Wiese hinzu.

1976 wurde das Gebäude als Konsumladen errichtet, erklärt er. Logisch, das jetzt Reparaturen kommen. Eine neue Heizung hätten sie schon eingebaut, eine neue Eingangstür ebenfalls. „Alle Investitionen müssen aber auch erwirtschaftet werden“, sagt Diana Wiese. „Mit einem gut 100 Quadratmeter großen Laden sei das nicht immer einfach, fügt die 44-Jährige hinzu. „Im Grunde leben wir von kleinen Einkäufen“, erklärt ihr Mann. Deshalb versucht sich das Paar immer wieder neue Standbeine zu erschließen. Sie verkaufen auch frische Blumen. Vor der Tür steht eine Eisbude. Und dass es in Abtshagen den besten Kartoffelsalat geben soll, hat sich inzwischen auch herumgesprochen. „Pro Woche verkaufe ich eine Babybadewanne voll“, erklärt Diana Wiese . „Weil wir den ganzen Tag im Laden stehen, haben wir ihn uns hübsch gemacht“, meint ihr Mann und zeigt auf Antiquitäten, die zwischen den Regalen angeordnet sind. So eine alte Mangel und eine Vitrine. „Das gefällt auch den Kunden“, ist das Ehepaar überzeugt. Deshalb bleiben einige auch länger, wenn sie zum Einkaufen kommen. Denn auch hier ist der Einkaufsladen der Treffpunkt im Dorf. Und der Kummerkasten.

Man spart
Was Preise anbelangt, sind sie in den Dorfläden oft nicht höher als in manchem Supermarkt, der sich Discounter nennt. Auf jeden Fall spart man beim Vor-Ort-Einkauf Benzin und Zeit.


Rund um Grimmen gibt es Dorfläden, neben denen in Reinkenhagen, Grammendorf und Abtshagen, auch in Reinberg, Kandelin, Glewitz, Elmenhorst und Griebenow.


Es ist kein Geheimnis, dass Discounterketten versuchen, Land zu kaufen, um sich vor allem an gut befahrenen Straßen anzusiedeln. Bestes Beispiel ist Brandshagen, wo der „rote Netto“
2015 eine Filiale errichtet. Aldi will nach Franzburg.



Reinhard Amler

In 50 Jahren hat sich der SV Steinhagen zu einem Verein mit Angeboten für Jedermann gemausert. Am Wochenende wird Geburtstag gefeiert.

27.08.2014

In diesem Jahr kamen bis jetzt bereits mehr als 10 000 Besucher.

27.08.2014

Man kann nur den Hut ziehen vor dem Engagement der Ladeninhaber in den Dörfern. Sie rackern die ganze Woche, verzichten auf Urlaub und Freizeit und müssen sich obendrein ...

27.08.2014
Anzeige