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Eiche ist zurzeit das Supermodel

Poggendorf Eiche ist zurzeit das Supermodel

Forstwirte fällen Bäume für die Industrie

Poggendorf. Frost. Das ist es, was sich die Forstarbeiter derzeit wünschen. Noch ist Hochbetrieb im Wald. Die Holzernte steht an. Große, erntereife Bäume werden gefällt, um der nächsten Generation Licht und Platz zum Wachsen zu verschaffen.

 

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Keine Güteklasse A: Die Forstwirte Burkhard Schmidt (h.) und Christian Boelck (v.) begutachten den gefällten Riesen. Die Buche weist Kernfäule auf und liegt im unteren Preissegment.

Quelle: Fotos: Claudia Noatnick
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Habitatsbäume werden nicht gefällt. Die Spechthöhlen werden auch von Fledermäusen genutzt.

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„In dieser Zeit wünschen wir uns Schnee und Kälte", sagt Thomas Gottlob, Leiter des Forstamtes Poggendorf. Das hat zweierlei Gründe: Zum Einen ist die Qualität des Holzes bei Laubbäumen im Winter höher. Ursachen dafür sind die eingeschränkten Lebensfunktionen der Bäume – in der vegetationslosen Zeit nehmen sie weniger Wasser auf. Auch der Befall des Holzes durch Pilze oder Insekten ist äußerst gering. Zum Anderen kann das geschlagene Holz über hart gefrorene Böden so abtransportiert werden, dass wenig Schäden entstehen.

Mit rund 558100 Hektar liegt der Anteil von Waldflächen in Mecklenburg-Vorpommern bei 24 Prozent. Das Forstamt Poggendorf ist für eine Waldfläche von 20000 Hektar verantwortlich. Im Revier Sievertshagen ist die Holzernte in vollem Gange. Motorsägen fressen sich hauptsächlich durch dicke Buchenstämme. 700 Festmeter Holz werden dort derzeit geschlagen. „Die Vorgabe, wie viel Holz im Jahr gemacht werden soll, wird durch mittelfristige Forstplanung bestimmt“, erklärt Revierförster Dietmar Braatz. Dabei werde berücksichtigt, dass nur so viel Holz genutzt werden kann, wie im Jahr an Holzmasse zuwächst – die Grundlage der Nachhaltigkeit.

„Die Buchen hier im Sievertshagener Revier wachsen auf einem nassen Standort, was untypisch ist", so Braatz. Die Folge: Die Qualität des Holzes ist nicht im oberen Gütesektor A zu sehen, da das Buchenholz nicht selten Schäden wie Rotkern oder Kernfäule aufweist. „Für Furnierholz, das hohe Preise erzielt, ist es damit nicht geeignet", weiß Dietmar Braatz . Aber Buchen wachsen nun einmal hier. Und verjüngen sich sogar selbstständig. „Also schaffen wir Platz für die neue Buchengeneration. Denn warum sollen wir ein Geschenk der Natur nicht annehmen?“, fragt er.

Auch wenn Buchenholz derzeit wenig einbringt. Mit Holz sei es wie mit der Mode. „Es gibt Trends, und die werden auf der Kölner Möbelmesse festgelegt", weiß Thomas Gottlob. Und laut dieser gehört Buchenholz bestenfalls zur Prêt-à-porter, während Eichenholz der gehobenen Haute Couture zuzurechnen wäre. „Esche geht gerade noch so, Buche ist kaum noch gefragt, ebenso wenig wie Bergahorn", zählt der Forstamtsleiter auf. Der Trend, so sagt er, geht derzeit in Richtung dunkle Hölzer. Eiche gehöre zu den wertstabilsten Holzarten. Für Fußböden in englischen Landhäusern oder als Material für Barriquefässer, in denen später edle Weine reifen, sei Eichenholz schwer gefragt.

Für die Forstwirte sei die Holzernte auch immer ein wenig Poker, weil schwer voraussehbar sei, wo der Trend hingeht. „Wir beginnen ja bereits im November mit den Fällungen, die Möbelmesse ist im Januar", sagt Gottlob. Zudem hätten es die Forstwirte hier im Norden sowieso schwerer. „Beim Holz ist es wie beim Wein – ein guter Standort bringt einen guten Tropfen hervor", zieht der Forstamtsleiter einen Vergleich. Die hiesigen nassen schweren Lehmböden aber seien eben nicht die idealsten für qualitativ hochwertiges Holz.

Deshalb freue es ihn, dass er bei der Holzversteigerung in Linstow recht gute Preise habe erzielen können. Dort landen die „Schätzchen“. Das Einstiegsgebot für einen Festmeter Eschenholz lag bei 170 Euro, am Ende wurden es 250 Euro. Auch eine Vogelkirsche brachte Gewinn. Erhofft hatten sich die Poggendorfer 250 Euro pro Festmeter, der Zuschlag lag bei 400 Euro. „Das sind kleine Erfolgserlebnisse, auch wenn sie umsatztechnisch keine sehr große Rolle spielen“, sagt Gottlob.

In Sievertshagen geht derweil der Holzeinschlag weiter. Das Holz bleibt hauptsächlich im Land. Die Loitzer Firma Pagholz Formteile sowie die Sägewerke Brandt in Crivitz und Pollmeier Massivholz in Malchow sind Abnehmer.

Rohstoff Holz

Das Forstamt Poggendorf ist für eine Waldfläche von 20000 Hektar verantwortlich.

15000 Festmeter Holz werden derzeit bei Holzernten dort produziert. Bei der Versteigerung in Linstow erzielte ein Festmeter Eiche aus den Forstamt Rothemühl mit über 2000

Euro den höchsten Preis.

23 Sägewerke gibt es in MV. Sie sowie die Holzwerkstoffindustrie können jährlich 3,7 Millionen Festmeter Holz verarbeiten.

Die Branche Forst und Holz stellt mit 2451 Betrieben und 14340 Beschäftigen einen wichtigen Wirtschaftszweig in MV dar. Mit rund 1,5 Milliarden Euro Umsatz ist sie vergleichbar mit dem Fahrzeugbau und deutlich umsatzstärker als zum Beispiel der Maschinenbau.

Der Trend geht zu dunklem Holz wie Eiche.

Claudia Noatnick

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