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Eichelernte ist in vollem Gange

Abtshagen Eichelernte ist in vollem Gange

Hilfe bei der mühseligen Arbeit bekommen die Forstmitarbeiter von zwei ungarischen Azubis

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Forst-Azubi Johannes Grabbert (20) bläst das Laub von den Netzen, Matyas Netzkar (19), Forstwirtschaftsmeister Ralf Sodmann und Richard Zsugonits (20) heben das Netz an, damit sich die Eicheln an einer Stelle sammeln.

Quelle: Anja Krüger

Abtshagen. Es ist eine mühselige Arbeit, die die drei jungen Männer zu erledigen hatten. Die Ernte von Eicheln – die Saatgutgewinnung – stand als Tagesaufgabe für Johannes Grabbert (20), Auszubildender im Forstamt Poggendorf, und die beiden ungarischen Forst-Azubis Matyas Netzkar (19) und Richard Zsugonits (20) auf dem Plan. „Nur alle sechs Jahre etwa sind die Eichen in der sogenannten Vollmast“, erklärte Forstwirtschaftsmeister und Ausbilder Ralf Sodmann. Bedeutet: Dieses Jahr ist in Sachen Eicheln besonders ertragreich, da alle Eichen Früchte tragen.

Für die Ernte wurden vor kurzem im Forst bei Sievertshagen grüne Netze unter die Eichen gelegt. „Nur von ausgewählten Beständen darf geerntet werden“, erklärt Sodmann. Denn Ziel sei es, nur Samen von besonders guten Bäumen zu gewinnen. „Um die guten Gene an die jungen Bäume weiter zu geben“, erklärt Sodmann. Entsprechende Waldgebieten würden zuvor von der Landesforst ausgewiesen werden. 250 Kilogramm haben die Forstleute, die dabei Unterstützung von Ein-Euro-Jobbern bekommen haben, bereits gesammelt. Gelagert werden die Eicheln zunächst in Abtshagen. „Das Saatgut wird entweder verkauft, oder in unserer eigenen Baumschule verwendet“, erzählt der Forstwirtschaftsmeister.

Während Johannes Grabbert, er hat seine Lehre gerade erst begonnen, die Blätter per Gebläse von den ausgelegten Netzen pustet, heben seine ungarischen Kollegen das Netz an den Enden an, sorgen so dafür, dass die Eicheln zusammenkullern. Das Mühselige folgt dann: Eichel für Eichel muss vom Netz gesammelt werden.

Für die beiden ungarischen Gäste, sie absolvieren innerhalb des EU-Austauschprogramms „Leonardo da Vinci“ ein vierwöchiges Praktikum im Forstamt Poggendorf, ist diese Aufgabe neu. „Die Ausbildung bei uns ist größtenteils schulisch“, erzählt Matyas Netzkar. Er findet seinen insgesamt fünfwöchigen Aufenthalt – knapp eine Woche lang hatten die beiden zu Beginn einen Deutschkurs – in Mecklenburg-Vorpommern sehr spannend. „Nach der Ausbildung möchte ich arbeiten, vielleicht sogar in Deutschland oder Österreich“, erzählt er. Die Alternative wäre ein Studium, aber darauf habe er keine Lust. Und auch der 20-jährige Richard Zsugonits hat sich gegen ein weiterführendes Studium entschieden.

Zwei Jahre dauert die Ausbildung der Ungarn. „Sie lernen beide an der berühmtesten Forstschule Ungarns“, erzählt Sodmann. Verständigungsprobleme gibt es nicht. „Wir lernen die deutsche Sprache in der Schule“, erzählt Matyas Nezkar. „Schule“ – das bedeutet in Ungarn acht Jahre Schulpflicht. Im Gegensatz zu Deutschland können sich die jungen Leute danach entscheiden, ob sie eine Ausbildung oder das Abitur machen. Vier Jahre zusätzlich Schulbank drücken bedeutet das Abitur in Ungarn. Plus zwei Jahre schulische Berufsausbildung. Dass sie hier in Deutschland innerhalb ihres Praktikums mit anpacken können, finden die jungen Männern sehr aufregend. Neben der Eichelernte gehörten Pflegearbeiten, beispielsweise an Aufforstungsflächen, auf dem Plan. Aber nicht nur Schuften stand auf dem vierwöchigen Praktikumsplan von Matyas Netzkar und Richard Zsugonitz. „Wir hatten auch vier Exkursionen. Besonders interessant war es bei den Ivenacker Eichen“, erzählt Matyas. Ein besonderes Highlight sei auch der Besuch des Nationalparks „Jasmund“ gewesen, wo sie ihre acht ungarischen Kollegen trafen, die an vier weiteren Standorten der Landesforst Mecklenburg-Vorpommerns ihr Praktikum absolvieren.

Am Montag steht nun die Heimreise der jungen Männer an – erst mit dem Bus nach Berlin zum Flughafen und dann zurück in die Heimat. Nicht nur für sie endet dann ein interessanter fachlicher und kultureller Austausch, sondern auch für Poggendorfs Azubi Johannes Grabbert. „Ich hoffe, ich bekomme mal die Gelegenheit, über dieses Programm nach Ungarn reisen zu können, um mir vor Ort ansehen zu können, wie die beiden lernen, wie die Forstarbeit dort abläuft“, sagt der 20-Jährige, der in Rostock aufgewachsen ist.

Leonardo da Vinci in Mecklenburg-Vorpommern

2011 absolvierten erstmals ungarischen Forst-Azubis ein mehrwöchiges Praktikum im Forstamt Poggendorf.

Seitdem sind einmal jährlich ungarische Forst-Lehrlinge im Forstamt Poggendorf zu Gast, reisen aber auch Auszubildende der Landesforst nach Ungarn. Austauschpartner sind die Landesforst Mecklenburg-Vorpommern und die ungarische Fachmittelschule Gyula Roth in Sopron.

Organisiert und finanziell unterstützt werden die mehrwöchigen Praktika über das EU-Programm für Bildung „Leonardo da Vinci“.

Seit 2013 gibt es den Austausch auch mit Finnland.

Anja Krüger

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